03.06.2019

Zusammenarbeit von Apotheker und Arzt: Was ist erlaubt?

(cnie) Im April haben wir die Mitglieder in DAS APOTHEKER FORUM gebeten, sieben ausgewählte Situationen nach ihrem persönlichen Verständnis von Gerechtigkeit zu bewerten. Dabei ging es um die Zusammenarbeit von Apothekern und Ärzten.

Arzt mit Geld in der Brusttasche

© Minerva Studio / stock.adobe.com

Der Kölner Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. Joachim Wüst ist Experte für Apotheken- und Arzneimittelrecht. Für APOTHEKE + MARKETING erläutert er die rechtlichen Rahmenbedingungen der abgefragten Situationen.

Beispiel 1

Im Wartezimmer eines Arztes liegen Werbeflyer einer Apotheke aus, die sich im selben Gebäude befindet.

Beispiel 2

Als ein Patient ihn nach einer guten Apotheke fragt, empfiehlt der Arzt eine Apotheke, deren Inhaberin er gut kennt.

Dr. Joachim Wüst: § 31 Abs. 2 der Musterberufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte in der Fassung der Beschlüsse des 121. Deutschen Ärztetages 2018 in Erfurt, geändert durch Beschluss des Vorstandes der Bundesärztekammer vom 14.12.2018, sieht vor, dass Ärztinnen und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten nicht ohne hinreichenden Grund bestimmte Ärztinnen oder Ärzte, Apotheken, Heil- und Hilfsmittelerbringer oder sonstige Anbieter gesundheitlicher Leistungen empfehlen oder an diese verweisen dürfen.

DAS APOTHEKER FORUM: Das Auslegen von Werbeflyern im Wartezimmer finden immerhin noch 13 Prozent in Ordnung. Der überwiegende Teil der Umfrageteilnehmer sieht das aber kritisch oder ist sich sicher, dass das nicht erlaubt ist.

Die Empfehlung einer bestimmten Apotheke durch den Arzt sehen weniger Mitglieder in DAS APOTHEKER FORUM kritisch.

Beispiel 3

Als eine Kundin nach einem guten Kinderarzt fragt, empfiehlt der Apotheker einen befreundeten Pädiater.

Dr. Joachim Wüst: Hier gilt meines Erachtens das Gleiche, auch wenn es in den Berufsordnungen der Apothekerinnen und Apotheker eine klare Regelung wie in § 31 Abs. 2 der Musterberufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte nicht gibt.

DAS APOTHEKER FORUM: Knapp ein Drittel der Umfrageteilnehmer haben kein Problem damit, Kunden bestimmte Ärzte zu empfehlen. Dass das definitiv verboten ist, glauben 25 Prozent.

Beispiel 4

Ein befreundeter Arzt und seine Angestellten erhalten hohe Rabatte beim Einkauf von OTC-Medikamenten.

Dr. Joachim Wüst: Da eine Apotheke beim Verkauf von OTC-Medikamenten jedem hohe Rabatte einräumen darf, darf sie dies im gleichen Maße auch gegenüber einem befreundeten Arzt und seinen Angestellten.

DAS APOTHEKER FORUM: Klar, Rabatte auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente sind erlaubt. Viele Apotheker sind aber sicher bei der Kombination aus hohen Rabatten und der befreundeten Arztpraxis hellhörig geworden. Hier macht sich ein Inhaber schnell gegenüber Mitbewerbern angreifbar, wenn diese Korruption vermuten. Folglich sagen auch nur 14 Prozent der Teilnehmer, solche hohen Rabattte für befreundete Ärzte seien in Ordnung.

Beispiel 5

Eine Arzthelferin faxt die Rezepte auf Wunsch direkt zur Apotheke im Nachbarhaus.

Dr. Joachim Wüst: Wenn der Patient in Ausübung der freien Apothekerwahl eine bestimmte Apotheke ausgesucht hat und die Arzthelferin bittet, das Rezept schon einmal vorab der Apotheke zuzufaxen, damit diese feststellen kann, ob das Medikament vorrätig ist bzw. beim Großhandel bestellt werden muss, ist dies juristisch nicht zu beanstanden.

DAS APOTHEKR FORUM: Hier ist das entscheidende Wort der Wunsch, dass auch knapp die Hälfte der Befragten dazu veranlasst hat, diese Situation als rechtlich unbedenklich einzustufen. Denn wenn der Patient selbst entscheiden kann, in welcher Apotheke er sein Rezept einlöst, liegt keine Bevormundung vor.

Beispiel 6

Ein Arzt tauscht sich mit seiner Ehefrau, einer Apothekerin, über seine Patienten aus, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Daraufhin verschickt die Apothekerin gezielte Werbenewsletter mit Angeboten zu Entwöhnungsprodukten.

Dr. Joachim Wüst: Ärztinnen und Ärzten ist es untersagt, Unbefugten ein fremdes Geheimnis im Sinne des § 203 StGB, namentlich ein zum persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis, das ihnen in Ausübung ihres Berufes anvertraut worden oder sonst bekannt geworden ist, zu offenbaren. Dies gilt auch gegenüber der Ehefrau.

DAS APOTHEKER FORUM: Auch bei diesem Beispiel teilt die überwiegende Mehrheit der Umfrageteilnehmer die Einschätzung des Rechtsanwaltes und findet die Weitergabe von sensiblen Patientendaten – auch an den Ehepartner – sehr bedenklich. Mehr als drei Viertel der befragten Mitglieder in DAS APOTHEKER FORUM sehen das kritisch.

Beispiel 7

Ein Apotheker schenkt allen Ärzten im Ort zu Weihnachten einen Taschenkalender.

Dr. Joachim Wüst: Da hier ein geringfügiges Geschenk nicht an bestimmte Ärzte erfolgt, sondern an alle Ärzte im Ort, ist dies nicht zu beanstanden.

DAS APOTHEKER FORUM: Kleine Geschenke an Pflegeheime oder Ärzte finden die meisten Teilnehmer in Ordnung. Bei Geschenken oder Einladungen kommt es auf den Wert an. Alles, was pro Jahr über 100 Euro geht, ist definitiv auf eine mögliche Korruption zu überprüfen. Aber Taschenkalender fallen nicht darunter.

Bei der Umfrage in DAS APOTHEKER FORUM gaben über die Hälfte der befragten Apotheker an, dass die Grenze zwischen legalem Handeln und Grauzone ausreichend definiert ist. Wissenslücken – insbesondere was die Wahlfreiheit der Apotheke angeht – sehen viele noch bei den Ärzten.

Dr. Joachim Wüst

Der Rechtsanwalt und Steuerberater hat sich auf Apothekenrecht spezialisert und arbeitet bei der Rechtsanwaltsgesellschaft PNHR Dr. Pelka und Sozien GmbH in Köln.


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