20.01.2020

Die Rathaus-Apotheke in Hagen

von Christoph Niekamp

Vor drei Jahren hat Dr. Klaus Fehske die Leitung der Rathaus-Apotheke in Hagen an seinen ältesten Sohn Christian abgegeben. Im Gespräch mit APOTHEKE + MARKETING haben Vater und Sohn erklärt, warum der Wechsel bei ihnen so reibungslos verlief.

Dr. Christian Fehske (links) und sein Vater Dr. Klaus Fehske

© Christoph Niekamp

„Ich liebe meinen Beruf, in dem sich die Sinnfrage nicht stellt“, sagt Dr. Christian Fehske. Er ist dankbar dafür, jeden Tag als Apotheker Menschen helfen zu können. Seine Rathaus-Apotheke im westfälischen Hagen befindet sich bereits in dritter Generation in der Hand seiner Familie. Bevor er die Rathaus-Apotheke zusammen mit seinem ungewöhnlich großen Mitarbeiterteam komplett übernommen hat, gab es eine Übergangsphase von anderthalb Jahren.

Von der Industrie in die Offizin

Dr. Christian Fehske betont, dass er sich zu keinem Zeitpunkt von seinem Vater unter Druck gesetzt fühlte. Er konnte sich frei entscheiden. Ursprünglich hatte Fehske Senior geplant, an seinem 60. Geburtstag über die Übernahme der Rathaus-Apotheke Bescheid zu wissen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Sohn Christian allerdings seine erste Stelle in der Pharmaindustrie angefangen. Ihm war es wichtig, ganz andere Seiten des Apothekerberufs auszuprobieren. Dreieinhalb Jahre arbeitete er in der Industrie und ist sich sicher: Er hätte auch dort Karriere machen können.

Die Entscheidung stand dann zum 63. Geburtstag von Dr. Klaus Fehske fest: Der älteste Sohn übernimmt die Apotheke des Vaters. Praxiserfahrungen sammelte Dr. Christian Fehske in zehn sehr unterschiedlichen Apotheken, sieben davon in Berlin, erzählt er.

Bedingungen für die Übernahme

  • Sohn arbeitet ein komplettes Geschäftsjahr mit
  • Sohn absolviert ein BWL-Studium
  • Einarbeitung in die ganzheitliche Ausrichtung der Beratungspraxis – von Schulmedizin bis Homöopathie, von Umweltanalytik bis Prävention
  • Vater ist bereit, Veränderungen mitzutragen

Ganz wichtig war nicht nur für die beiden Fehskes, sondern auch für die rund 80 Mitarbeiter: Zu jedem Zeitpunkt war klar, wer der Chef ist. Bis zum 1. Juli 2016 war Dr. Klaus Fehske der Inhaber, danach sein Sohn. Zwar rutschte manchmal langjährigen Mitarbeiterinnen noch ein „Chef“ gegenüber dem Senior raus. Aber das sei halb so wild. Wichtig sei, dass die Entscheidungskompetenz klar geregelt sei.

Mit seinem Vater konnte Dr. Klaus Fehske dagegen nicht zusammenarbeiten. Anfang der 1980er-Jahre, als dieser die Rathaus-Apotheke übergeben wollte, arbeitete er gerade in der Industrie. „Ich hatte mit ihm klar vereinbart: Wenn ich komme, betrittst du nach einer kurzen Übergangsphase von nur drei Monaten die Apotheke nur noch mit meiner Erlaubnis“, erinnert er sich.

Tipps für die Übergabe

Wie lassen sich langwierige Diskussionen und Streit in der Familie vermeiden? Dr. Christian Fehskes Tipp: „Offen und ehrlich und mit gegenseitiger Wertschätzung miteinander sprechen“. Dazu gehören nicht nur die Eltern und alle Geschwister. Auch die Partner der Kinder sollten miteinbezogen werden. Oft hätten Nichtpharmazeuten eine falsche Vorstellung davon, wie viel eine Apotheke wert sei. Aus Unkenntnis könne Neid entstehen und das ungute Gefühl, zu kurz zu kommen. Dem sollte mit Transparenz und Ehrlichkeit entgegengewirkt werden.

Ein weiterer Ratschlag von Fehske Junior: Apotheker sind keine Notare. Alle wichtigen Vertragsdetails sollten mit Experten besprochen und genau festgehalten werden, möglichst viele potenzielle Probleme lieber vorher angesprochen und frühzeitig geklärt werden.

Senior steht noch im Dienstplan

Derzeit ist Dr. Klaus Fehske noch regelmäßig sieben Wochenstunden im HV eingeplant. Wie jeder andere Mitarbeiter steht auch Fehske senior im Dienstplan. Seine Abverkaufszahlen sind für alle einsehbar. „Die Zahlen liegen im oberen Drittel“, sagt er stolz. Nur Nachtdienste übernimmt er nicht mehr, seit er die Apothekenleitung abgegeben hat. Den Kommissionierautomaten bei Störungen wieder zum Laufen zu bringen oder jedes Detail des Arzneimittelliefervertrags zu kennen – das traut er sich nicht mehr zu.

Beide Dres. Fehske sind der festen Überzeugung, dass sie heute zusammen besser sind als jeder von ihnen allein. Die gemeinsame Pflege der eigenständigen Marke eines sozial- und kulturengagierten umweltbewussten Unternehmens macht beiden offensichtlich Freude und wird von den zahlreichen Gästen (so heißen die Kunden in der Rathaus-Apotheke) neben der hohen pharmazeutischen Leistung des Teams geschätzt.

Und wann verabschiedet sich Fehske senior ganz von der Arbeit im HV? „Wenn ich von mir selbst merke, dass ich mehr hemme, als dass ich nutze“, bringt es Dr. Klaus Fehske auf den Punkt. Bevor es die anderen ihm sagen, bestimmt er den Zeitpunkt lieber selbst, an dem er aufhört.

Apothekenportrait

Hier erfahren Sie mehr über die Rathaus-Apotheke in Hagen. >>


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