06.08.2018

Virtuelle Sichtwahl liegt im Trend

Digital oder doch lieber analog? Innenarchitektin Renate Hawig schätzt die Flexibilität der Monitore in der Offizin. Seit 20 Jahren konzipiert und verwirklicht sie den Umbau von Apotheken und Arztpraxen in ganz Deutschland.

Monitore in der Sichtwahl der Adler Apotheke in Glandorf

© Cornelia Wippern / Adler Apotheke Glandorf

Was macht eine gelungene Sichtwahl aus?

Eine gelungene Sichtwahl sollte sich farblich von der Raumgestaltung abheben. Der Kunde muss auf einen Blick das Angebot und die Themen erkennen, ohne dass diese überladen wirken.

 

Wie wichtig ist die Gestaltung der Sichtwahl im Verhältnis zur Freiwahl?

Schaut man sich die Turm Apotheke in Langförden an, sind die Freiwahlregale mit Farbakzenten zu betrachten. Sie haben türkisfarbene Rückwände in mehreren Helligkeitsstufen, damit können die Marken untereinander stärker hervorgehoben werden. Daher wurden für die Einrichtung zum Beispiel Dekorflächen verwendet. Gleichfalls wurden Farben eingesetzt, die miteinander optimal harmonieren und einen Kontrast zur Ware bilden. Schließlich soll der Wiedererkennungswert des Logos und der Farben als Ganzes zusammen nach außen wirken.

 


Welchen Apotheken empfehlen Sie eine digitale Sichtwahl und welchen lieber analoge Regale? 

Der Trend geht eindeutig zur virtuellen Sichtwahl. Dabei ist die Anzahl der Monitore gut zu dosieren. Wie bereits der Arzt und Alchemist Paracelsus sagte „Die Dosis macht das Gift“. In einer historischen Apotheke würde ich zum Beispiel nur einen einzigen Monitor einsetzen um den Wert und das Ambiente in der Historie zu erhalten.
In Verbindung mit einem Automaten und einer gut abgestimmten Warenwirtschaft lassen sich die Themen in der virtuellen Sichtwahl im Voraus für das laufende Jahr festlegen. So erfasst man alle saisonalen Themen, alle Aktionen und Werbezeiten und bereitet sie digital vor. Die Industrie und der Pharmagroßhandel unterstützen diese Maßnahmen.

 

Welche Vorteile hat die digitale Sichtwahl noch? 

Grundsätzlich ist die digitale Sichtwahl sehr flexibel und erlaubt eine Themenpräsentation auf Knopfdruck, ohne den Wareneinsatz und die Lagerhaltung zu überfrachten. Die Preise der OTC-Ware sind gut sichtbar und immer aktuell. Mitarbeiterinnen können zu den wechselnden Themen vorab geschult werden, ohne die oft lästige Regalpflege.
Nun ist die Technik nicht immer störungsfrei, der Service ist ein wichtiger Faktor und schlägt mit Wartungskosten zu Buche.

 

Zu wem passt die digitale Sichtwahl? 

Die Rx-lastigen Apotheken, die ihre Zusatzverkäufe mit freiverkäuflichen Arzneimitteln auch auf kleinem Raum forcieren möchten, sind die richtigen Standorte für die digitale Sichtwahl. Ein Hochfrequenzstandort ist ebenfalls richtig, um Laufkundschaft schnell und flexibel bedienen zu können.
Ergänzend kann jederzeit zum Beispiel ein Bestellterminal oder Infoterminal für Freiwahlartikel installiert werden. Monitore zu Dienstleistungen und regionalen Themen mit Ankündigungen sind ebenfalls interessant in der Offizin.

 

Welches war die außergewöhnlichste Sichtwahl, die Sie bisher in einer Apotheke umgestaltet haben?

Im Jahr 2005 habe ich die Neugründung der Trihaus Apotheke in Arnsberg geplant und beim Bau begleitet. Es handelte sich tatsächlich um ein dreieckiges Gebäude, dessen Proportionen für die Raumaufteilung, für die Arbeitsabläufe in der geplanten Apotheke und für das Ambiente schwierig waren. Dennoch kam ich zu einer Lösung, die den gestalterischen Ansprüchen des Ärztehauses und des Apothekers bestens entsprach und auch die Abläufe sinnvoll organisierte. Die Sichtwahl wurde auf Maß und von der Bauart her eigens für diesen Standort angefertigt. Es handelte sich um hinterleuchtete Glasrückwände, die als Schiebetüren im Regal fungierten. Wenn in den Regalen die Ware ausgeräumt war, konnte man die Schiebetüren aufschieben und zur Wartung an die Lichttechnik und an die Haustechnik gelangen.

 

Wie kommen Sie zu einem Kompromiss, wenn der Apotheker und Sie nicht einer Meinung über die Neugestaltung der Sichtwahl sind?

Über die Neugestaltung einer Sichtwahl kann man vielleicht streiten, aber es sind keine künstlerischen Gründe, warum es die eine oder andere Form bzw. Farbe haben soll. Immer gibt es eine Begründung für die Gestaltung: die Firmenfarben der Apotheke, die Wirkung von der Hausfassade auf das Innere, der Standort selbst. Dabei spielen der Denkmalschutz, das Ambiente, die Kaufkraft oder die Zielgruppe eine Rolle. Darüber wird eingehend beraten und entschieden. Bis jetzt hat jeder Apotheker bzw. Apothekerin eine individuelle Apotheke erhalten, mit der er sich an seinem Standort identifizieren kann. Und das macht sehr viel Spaß.

Geht es dabei auch um Geschmack?

Generell ist es für den Architekten oder Planer ratsam sich auf die Gestaltung zu beschränken und dabei von vom persönlichen Geschmack oder von Trends zu distanzieren. Das ist schwierig voneinander abzugrenzen, aber bei gutem Training gelingt es. Der Kunde agiert grundsätzlich nach seinem persönlichen Geschmack und nach Trends, die er bereits kennt oder irgendwo gesehen hat. Wenn es eine wirkliche Innovation werden soll hilft nur die Gestaltungskraft. In der Architektur gibt es Gestaltungsgesetze und Farblehren, die zur Lösung verhelfen. Deshalb mein Fazit: den Geschmack gibt der Kunde vor, die Gestaltung macht der Architekt.

Das Interview führte Christoph Niekamp


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