22.06.2020

TI: Stand der Dinge

von Gabi Kannamüller

Die Corona-Pandemie beschäftigt auch die Apotheken seit Monaten – und bindet Arbeitszeit und Arbeitskraft. Dabei ist ein weiteres wichtiges Apothekenthema im Jahr 2020 womöglich etwas in den Hintergrund gerückt, die TI-Anbindung. Deren Starttermin steht seit Langem fest: Laut Plan sollen in gut drei Monaten, am 30. September 2020, alle Apotheken an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden sein. Wir haben bei führenden Softwareanbietern nachgefragt, wie sie den Stand der Dinge beurteilen.

TI-Symbole

© iconimage / stock.adobe.com

Die Situation

Um es vorwegzunehmen: Das Thema TI-Anbindung geht offenbar mit Volldampf in die Zielgerade. Diesen Eindruck bekommt, wer sich bei den führenden Anbietern von Apothekensoftware umhört. So heißt es beispielsweise bei der ADG, dass – nachdem sich die Welt in den vergangenen Wochen überwiegend um Corona gedreht habe – die Anbindung der Apotheken an die TI jetzt wieder in den Fokus gerückt sei. „Alle Beteiligten (Softwarehäuser, Apothekerkammern, Verbände) arbeiten inzwischen mit Hochdruck an der Thematik, und man ist dazu im engen Austausch“. Aber: Es gebe auch noch eine ganze Reihe Detailfragen zum Ablauf zu klären. Positiv dabei sei, „dass das Refinanzierungspaket mittlerweile vorliegt und die Apotheken ruhigen Gewissens die TI-Anbindung angehen können“.

Unser Eindruck ist, dass einige Apotheken noch zu zögerlich mit dem Thema umgehen.

Ulf Hönick, Noventi-Gesamtprojektleiter TI

Zwischen Vorangehen und Zögern

Zugleich weiß man in den Softwarehäusern um die aktuelle Situation in der Vor-Ort-Apotheke und die Belastung, die mit der Corona-Pandemie auf Apothekenleiter und Team zukam. Entsprechend unterschiedlich beurteilt man die aktuelle Lage hinsichtlich der TI-Anbindung bei der ADG: „Ein Teil der Apotheker hat das Thema bereits in Angriff genommen, andere haben sich noch nicht damit beschäftigt.“ Allerdings würden die Aufgaben in Corona-Zeiten „aktuell noch die volle Aufmerksamkeit der Apotheken in Anspruch nehmen“.

Auch bei Noventi stellt man fest, dass einige Apotheken sich immer noch scheuten, das Thema TI mit voller Kraft anzugehen. „Unser Eindruck ist, dass einige Apotheken noch zu zögerlich mit dem Thema umgehen“, so Ulf Hönick, Noventi-Gesamtprojektleiter TI. Das sei zwar verständlich, „weil ja seitens Politik und Standesvertretungen sehr lange um die Ausgestaltung gerungen wurde“. Zudem sei es ein völlig neuer Prozess, mit dem ein Apotheker sich in der Vergangenheit nicht beschäftigen musste.

Mit Informationen Bedenken ausräumen

Dennoch scheint die Branche auf einem guten Weg. So hat man beispielsweise bei CGM nach „vielen Gesprächen mit unseren Kunden aus dem Apothekenbereich“ festgestellt, „dass die Mehrheit dem Grundgedanken der Telematikinfrastruktur – also der übergreifenden Vernetzung aller relevanten Teilnehmer im Gesundheitswesen – durchweg positiv gegenüberstehen“. Gebe es bei einigen Apothekern noch Unsicherheit bezüglich der neuen Technik oder Bedenken, dass die Teilnahme zu Mehrarbeit führe, habe man diese Sorgen den Apothekern auf den CGM-Informationsveranstaltungen bisher immer nehmen können.

Bei Pharmatechnik wiederum heißt es: „Etliche Apotheken haben die Anbindung an die TI bereits bei ihrem IT-Anbieter bestellt“. Einige Apotheken jedoch zögerten noch: „Die Gründe dafür sind vielfältig“. Daher setze man u. a. auf Aufklärung „via Website, in Webinaren aber auch persönlich“.

Krise als Chance

Die Zeichen stehen „gerade auf Veränderung“, so Ulf Hönick, Noventi-Gesamtprojektleiter TI. „Wir alle lernen mit neuen Situationen schnell umzugehen, wie uns die Corona-Krise zeigt. Es ist auch die Stunde für neue Technologien wie die Telematikinfrastruktur.“ Sie sei der Eintritt in eine vernetzte Welt, die ganz neue Wege ermögliche. „Nicht nur in Bezug auf möglichst kontaktlose Versorgung der Patienten“.

Die Kammern sind sich aber ihrer großen Verantwortung bewusst, und wir gehen von einer rechtzeitigen und flächendeckenden Ausgabefähigkeit aus.

CGM CompuGroup Medical

Die Unterstützung

Beschaffung von SMC-B und HBA

Aufklärung und Unterstützung bieten die Softwarehäuser allesamt rund um die TI-Anbindung. Aktuell gefragt sind diese u. a. zur Thematik rund um Institutionskarten (SMC-B) und Heilberufsausweise (HBA). Mittlerweile hätten die ersten Apothekerkammern damit begonnen, Informationen für die Beschaffung von SMC-B und HBA bereitzustellen; allerdings erfolge dies in den verschiedenen Kammerregionen zum Teil unterschiedlich, so die ADG. Und bei CGM konstatiert man, dass die Kammern sich ihrer großen Verantwortung bewusst seien, „wir gehen von einer rechtzeitigen und flächendeckenden Ausgabefähigkeit aus“.

Aufklärung über viele Kanäle

Die befragten Softwarehäuser sehen sich insgesamt gut und kompetent aufgestellt, um die Apotheken in den kommenden „heißen“ drei Monaten zu unterstützen. Umfassende Information ist dabei für alle eine selbstverständliche Leistung.

Dazu gehören Veranstaltungsreihen wie „TI kompakt für die Apotheke“ von CGM, die diese seit Sommer 2019 gemeinsam mit der D-Trust GmbH, einem Unternehmen der Bundesdruckerei-Gruppe anbietet. Bei Noventi fährt man u. a. eine breit angelegte Informationskampagne und wird „nun verstärkt durch unsere Kundenbetreuung die Apotheken gezielt ansprechen, um eine fundierte Hilfestellung geben zu können“. Zudem gebe es in der awinta-Akademie zahlreiche Schulungen zum Thema.

Auch bei Pharmatechnik setzt man getreu dem Motto „Alles aus einer Hand“ auf Aufklärung und Information.

Und bei der ADG begleitet man die Apotheken nicht nur in allen wichtigen Schritten zur TI-Anbindung, sondern denkt noch weiter – etwa an Services, die Apotheken und ihren Kunden künftig rund um diese Thematik einen weiteren Mehrwert bieten. So sei die Bestell-App „deine Apotheke“ in Kombination mit dem E-Rezept ein naheliegendes Konzept, das man entsprechend weiterentwickeln werde.

TI: Wege durch den Abkürzungsdschungel

Bei der digitalen Anbindung der Apotheken gilt es auch sprachliche Hürden zu überwinden: Wortungetüme wie Telematikinfrastruktur sind für den Alltagsgebrauch untauglich und wurden vielfach durch Abkürzungen ersetzt (in diesem Fall die TI). Diese allerdings sind oftmals nicht auf den ersten Blick zu entschlüsseln. Wir helfen bei der Orientierung im Abkürzungsdschungel.

Ein Fazit

Auch wenn in den vergangenen Monaten nahezu allen Bereiche von Corona beeinträchtigt waren: Die Software-Häuser (und ihre Techniker), das zeigt unsere Befragung, sind bestens motiviert und gut vorbereitet, um – sobald letztlich der Startschuss fällt – die Komponenten für die TI-Anbindung zu installieren und den Apotheken eine ebenso pünktliche wie komplikationslose TI-Anbindung zu ermöglichen. Unterstützung der Apotheken im Vorfeld ist für alle selbstverständlich.

Zudem empfehlen die Befragten nahezu unisono: die für die TI-Anbindung notwendigen Komponenten beim eigenen Warenwirtschaft-Anbieter zu bestellen, um so das perfekte Zusammenspiel zu gewährleisten.


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