08.09.2020

So wird die Apotheke attraktiv

von Gabi Kannamüller

Wie kann eine Apotheke ihren Vor-Ort-Auftritt attraktiver gestalten? „Aufmerksamkeit schaffen“, so der Rat von Karin Wahl. Die Trainerin beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie ein Händler für seine Kunden vor Ort interessanter wird und lässt dabei stets auch ihr Wissen als klassische Gestalterin einfließen.

AURA-Apotheke in Bergisch Gladbach

© Ruth Ney

Karin Wahl nennt es „die größte Herausforderung für Apotheken“:  Kunden in die Vor-Ort-Apotheke zu bringen – und dafür zu sorgen, dass sie stets und gerne wiederkommen. Wie sich diese Herausforderung in Angriff nehmen lässt, erläutert die Trainerin normalerweise in Präsenzvorträgen oder direkt in der Apotheke. Corona-geschuldet vermittelte sie ihre praxisnahen Informationen diesmal in einem Webinar (Veranstalter: BD Rowa).

Schaufenster als Türöffner

Wie die Ansprache der Kunden aussehen soll, hängt nicht zuletzt auch von dem Umfeld der Apotheke ab: Gibt es Ärzte im Umfeld, ein Seniorenheim, vor allem junge Familien, ältere Menschen oder Berufstätige auf dem Weg zur Arbeit? In Hinblick auf diese Zielgruppen sei es wichtig, sich die Frage zu stellen: Was lockt diese Kunden an? Welchen Bedarf sollte die Apotheke bei ihnen wecken – und ihn letztlich auch decken?

Das Schaufenster gilt dabei als wichtige Kontaktstelle zum Kunden. Daher sei es wichtig, so Wahl, „optisch einen Bedarf zu wecken“, im Idealfall zu einem aktuellen Thema.

Als Deko-Beispiel nennt Karin Wahl hier das Thema Nachhaltigkeit. Möglich sei z. B. im Schaufenster auf Alternativen zu Plastikverpackungen hinzuweisen (z. B. Haarseife statt Shampooflaschen). Optisch lasse sich dies durch eine Dekoration mit leeren, gespülten, vom Etikett befreiten Shampooflaschen darstellen.

 

Basics zur Schaufensterdeko

Grundsatzinformationen zur Schaufensterdekoration finden Sie hier.

Aufenthaltsqualität schaffen

Die Kunden sollen sich in der Apotheke wohl fühlen. Karin Wahl rät daher zum einen: „Schaffen Sie einen schönen Wartebereich.“ Dies lässt sich durch eine warme, einladende Atmosphäre in der Offizin erreichen, zu der z. B. handgeschriebene Hinweisschilder oder gezielt eingesetzte Dekoelemente (Holz wirkt warm) beitragen, aber auch eine attraktiv gestaltete Beschilderung der einzelnen Regale.

Zum anderen setzt die Trainerin auf gezielt gesetzte Stopps und Attraktionen auf dem Weg von der Eingangstür zum HV-Tisch. Dies könnte z. B. ein Warenträger sein, an dem die Kunden sich über neue Naturkosmetik informieren können.

Last but not least spielt auch die Beleuchtung eine Rolle: Mit Licht lasse sich gestalten, Licht trage zur Wohlfühlatmosphäre bei, betont Wahl. Entsprechend dürfe es in der Offizin weder zu dunkel noch zu hell sein. Sinnvoll sei es, die Lichtsituation stets zu überprüfen.

Sonderfall Corona

Die Hygienevorschriften in Corona-Zeiten beeinträchtigen natürlich auch die Gestaltungsmöglichkeiten in der Apotheke. So werden z. B. das Anfassen oder das Ausprobieren von Produkten beschränkt bzw. unmöglich. Gestaltungstipps für Corona-Zeiten finden Sie hier.

Das Bild vom HV-Tisch ist das, was der Kunde mit nach Hause nimmt.

Warenpräsentation

Im Hinblick auf das Thema Warenpräsentation greift Karin Wahl zum einen die Frage auf, wie die Platzierung im Regal aussehen sollte. „Grifflücken sind einfach out.“ Angesagt sei vielmehr, dass die Warenpräsentation im Regal Ruhe ausstrahle und ein ansprechendes Bild abgebe. Der wichtigste Tipp was die Aufbauprinzipien für die Freiwahlgestaltung angehe: „Schaffen Sie bitte optische Ruhe!“.

Zur Platzierung nannte sie folgende Grundsätze: Produkte von klein nach groß, von oben nach unten, von oben hell nach unten dunkel anzuordnen. Zudem sei es wichtig, dass die Preisauszeichnung stets in die akkurat gleiche Richtung weise, „sonst herrscht totale Unruhe“.

Darüber hinaus gab die Trainerin noch einen speziellen Tipp: „Bringen Sie eine persönliche Empfehlung“, einen Hinweis auf ein Produkt, das Apotheker und Team den Kunden besonders ans Herz leben möchte.

Machen Sie Rundgänge mit den Augen Ihrer Kunden.

HV-Tisch

„Das Bild vom HV-Tisch ist das, was der Kunde mit nach Hause nimmt.“ Daher gelte diesem Teil der Offizin stets die volle Aufmerksamkeit. Wichtig sei beispielsweise, optische Ruhe in die auf und am HV-Tisch präsentierten Produkte zu bringen. Möglich sei auch, eine Beratungsinsel für heikle Beratungsgespräche zu schaffen – ggf. kombiniert mit einem Bildschirm.

Auch hier rät Karin Wahl dazu, öfter mal durch die Augen des Kunden zu sehen: „Stellen Sie sich mal selber vor den HV-Tisch.“ Dann zeige sich sofort, was optimiert werden kann.

Fazit

Das Apothekenteam punktet bei den Kunden mit Freundlichkeit und Herzlichkeit. Dies sollte auch die Apotheke selbst ausstrahlen. Die wesentlichen Tipps von Karin Wahl:

  • Struktur in den Warenbehältern (Regale, mobile Präsentationsmöbel) schaffen
  • Kontaktpunkte auf dem Weg zum HV sprechen die Kunden an und sichern die Wohlfühlatmosphäre.
  • Stets die Apotheke, die Schaufenstergestaltung, die Warenpräsentation, den HV-Tisch mit den Augen der Kunden betrachten: Was lässt sich schöner gestalten, was optimieren? Wo lassen sich die Kunden mit ungewöhnlichen Aktivitäten überraschen?
  • Und: „Machen Sie Ihre Kunden zu Ihren Fans.“ Das könne durch kleine Gesten geschehen, wie Karin Wahl betonte: individuell gestaltete Apothekentütchen, ein Smiley in jede Tüte gepackt – oder einfach per Kugelschreiber aufgemalt. „Danke, dass Sie da waren.“

Quelle: Webinar „Was macht eine attraktive Apotheke aus?“, Veranstalter: BD Rowa, Referentin: Karin Wahl, 26.08.2020


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