20.04.2017

Salzige Kost macht nicht durstig, aber hungrig

© Spofi / stock.adobe.com

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(fast) Von salzigem Essen muss man mehr trinken? Diese Binsenweisheit ist nun widerlegt. Zwei neue Studien zeigen genau das Gegenteil. Wie Salz im Essen das Trinkverhalten beeinflusst, wurde nie in einer Langzeitstudie überprüft. Bekannt war bisher lediglich, dass mehr Salz in der Nahrung die Produktion von Urin stimuliert. Diese zusätzliche Flüssigkeit stammt aus Getränken – so die These.

„Weit gefehlt!“, sagt nun ein Forschungsteam aus Wissenschaftlern unter anderem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Charité, dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und der Vanderbilt University. Die Wissenschaftler überprüften die alte Weisheit durch zwei unabhängige Studien an zehn männlichen Freiwilligen. Die Probanden waren über einen Zeitraum von entweder 105 oder 205 Tagen in einer Raumschiff-Attrappe eingeschlossen. Alle Teilnehmer hatten absolut identische Speisepläne. Im Laufe der Wochen veränderte das Forschungsteam dann stufenweise den Salzgehalt in der Nahrung. 

Das Experiment bestätigte: Kurzfristig verstärkt Salz den Durst. Mehr Salz im Essen führt auch zu einer höheren Salzkonzentration im Harn und einer höheren Gesamtmenge Urin – das war nicht überraschend. Doch die größere Menge Flüssigkeit stammte nicht aus Getränken. Die Probanden tranken sogar insgesamt weniger, wenn sie mehr Salz zu sich nahmen. Das Salz löste in den Nieren einen Wasserspar-Mechanismus aus. 

Bisher galt, dass die Natrium- und Chlorid-Ionen, aus denen Salz besteht, an Wassermoleküle binden und diese in den Harn ziehen. Stattdessen zeigten die neuen Ergebnisse, dass das Salz im Harn bleibt, während das Wasser in die Niere und Körper zurücktransportiert wird. Versuche an Mäusen machen deutlich, dass die Substanz Harnstoff daran beteiligt sein könnte. Mit Hilfe von Harnstoff entsorgen Muskeln und Leber Stickstoff. In der Niere der Mäuse sammelte sich Harnstoff, dort wirkte es der Wasser-bindenden Kraft von Natrium und Chlorid entgegen. Doch die Synthese von Harnstoff kostet viel Energie. Mäuse, denen salzigere Nahrung verabreicht wurde, hatten größeren Hunger, tranken aber nicht mehr. Auch die menschlichen „Kosmonauten", die salziges Essen bekamen, klagten über Hunger. 

Die neuen Erkenntnisse lassen die Rolle des Harnstoffs in neuem Licht erscheinen. Harnstoff sei nicht nur ein Abfallprodukt, erklären die Wissenschaftler. Stattdessen erweise er sich als ein sehr wichtiger Osmolyt – also eine Verbindung, die Wasser an sich binde und so helfe, es zu transportieren. Harnstoff halte das Wasser im Körper, wenn Salz ausgeschieden werde. So werde das Wasser zurückgehalten, das sonst durch das Salz in den Urin hineingetragen würde.


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