30.08.2017 - Zum Themenspecial: Personalführung

Prämien für Mitarbeiter

BWL kompakt fürs ganze Team

© BrianAJackson / Getty Images / i

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von Marcella Jung

Prämien sind ein äußerer Anreiz, der auf die Mitarbeiter einwirkt. Die Mitarbeiterführung jedoch können sie nicht ersetzen: Letztlich werden Prämien niemals einen vergleichbaren Motivationseffekt erzielen wie eine Motivation von innen heraus. Deshalb gilt es im Vorfeld, sorgsam zu prüfen, ob sich mittels Prämiensystem tatsächlich der erhoffte Erfolg erreichen lässt – oder ob es nicht vielmehr wichtiger wäre, die Führungsqualität zu optimieren. Dazu kommt: Das Implementieren von Prämien ist sehr umfangreich und bedarf Zeit und Muße beim Entscheider sowie Einsicht bei den Mitarbeitern.

In den seltensten Fällen sind es die Mitarbeiter selbst, die Prämien einfordern. Vielmehr sind es häufig die Apothekenleiter, die gewappnet sein wollen, falls Mitarbeiter mehr Gehalt fordern, eine entsprechende Mehrleistung jedoch nicht gegeben ist.

Beweggründe

Zu Beginn sollte die Frage stehen, warum ein Prämiensystem in der Apotheke implementiert werden soll. Ist es Belohnung, Motivation, ein cleverer Schachzug, darzulegen, dass das Gehalt nicht beliebig steigerbar ist – oder von allem etwas? Dazu kommt die Frage: Ist es eine eigene Entscheidung des Apothekenleiters, ist es ein Wunsch des ganzen Teams oder von Einzelkämpfern?

Ein Projektteam gründen

Mit dem Begriff Prämiensystem sind bei den Mitarbeitern häufig auch Ängste verbunden. Deshalb empfiehlt es sich, Offenheit zu zeigen und die Angelegenheit zu einem gemeinsamen Projekt zu machen, indem ein Projektteam gegründet wird. Wenn Mitarbeiter von vornherein eingebunden sind und ihre Ideen einbringen können, ist im Anschluss die Umsetzung viel leichter. Das Projektteam hat die Aufgabe, Input aus Sicht der Mitarbeiter einzubringen: Welche Leistungen sollen bewertet werden, und wie können eventuelle Prämien aussehen?

Ziele setzen-- Wichtig ist es, vom Messen nur rein quantitativer Ziele Abstand zu nehmen – auch, wenn dies leichter umsetzbar ist. Das Koppeln von Prämien nur an Umsatz, Korbumsatz, Kostensenkung im Einkauf oder andere Kennzahlen ist erfahrungsgemäß nicht zu empfehlen: Leistung ist nicht alles, der Mensch, der die Leistung erbringt zählt. Daher sind qualitative Ziele sogar noch wichtiger.

Qualitative Ziele

Ein Punktesystem hilft dabei, qualitative Eigenschaften zu bewerten. Das bereits erwähnte Projektteam hat zunächst die Aufgabe, fünf bis zehn Eigenschaften von Mitarbeitern zu finden, die alle zusammen für wichtig und erstrebenswert halten. Bei Führungskräften ist zusätzlich die Führungsqualität zu messen, also z. B. die Fähigkeit, das Team abzuholen, zu motivieren, Vorbild zu sein etc. Grundsätzlich gilt es, mit den definierten Eigenschaften die sozialen und persönlichen Kompetenzfelder abzudecken, wie auch das unternehmerische (Mit-) Denken.

Pro Eigenschaft werden Beispiele definiert, diese sind die Basis für die Punktevergabe. Sind beispielsweise maximal fünf Punkte zu vergeben, ist zu beschreiben, wie sich ein Mitarbeiter in der Praxis vehalten muss, um diese Punktzahl zu erreichen. Zugleich wird aber auch beschrieben, wann eben vier, drei, zwei oder eben nur ein Punkt zu erwerbeb sind. Je detaillierter die Beispiele sind, umso leichter ist später die Zuordnung.

Null Punkte zu bekommen, würde bedeuten, man erfüllt den Arbeitsvertrag. Ab dem ersten Punkt geht ein Mitarbeiter die Extrameile, und nur dann kann auch von Prämien die Rede sein. Beispiel Kundenberatung: Fünf Punkte bedeuten hier bereits hohe Schule der Beratung – inklusive Zusatzempfehlungen unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Effekte und hervorragenden kommunikativen Fähigkeiten, alles erreichbar (auch) durch Fort- und Weiterbildung.

Selbstbewertung-- Das Messen und Auswerten findet halbjährlich in Mitarbeitergesprächen statt. Der Mitarbeiter hat sich selbst in einem Bogen zu beurteilen und die Führungskraft tut dies parallel. Gemeinsam sind die Inhalte abzugleichen und Entwicklungspotenziale festzuhalten.

Quantitative Ziele

Bei quantitativen Zielen ist die Fokussierung auf den Gesamterfolg mit dem gesamten Team empfehlenswert. Es gilt, das Team auf das übergeordnete Ziel „Apotheken-Gewinn“ einzuschwören: Jeder Einzelne beeinflusst Stellschrauben zum Gesamterfolg.

Gemeinschaftsleistung-- Dabei spielen nicht nur die Umsätze im HV-Bereich eine Rolle und nicht nur die Einkaufsoptimierung. Vielmehr haben alle zusammen Einfluss auf das Gesamtergebnis, das „unter dem Strich“ bleibt. Tipp: die Unternehmenszahlen auf ein 100-Euro-Beispiel herunterbrechen und die Verbesserung mittels Prämie honorieren.

Führungssache

Die Implementierung von Zielen geht mit sehr viel Zeitaufwand einher, der sich aber immer lohnt. Denn sie bedeutet nichts anderes, als dass sich Vorgesetzte mit Mitarbeitern beschäftigen und alle gemeinsam vorankommen möchten. Wichtig hierbei ist es, den Führungskräften Raum dafür zu geben.

Beispiele für Prämien

Dass Geld am kurzfristigsten motiviert, ist sicherlich bekannt. Je mehr sich die Führungskraft mit Mitarbeitern auseinandersetzt, umso eher finden sich motivierende Lösungen. Das reicht von der Bezuschussung von Fitness-Studio-Besuchen über Wellness-Wochenenden bis hin zum Bekochen des Teams. Letztlich ist auch dies die Aufgabe des Projektteams: eine gemeinsame Lösung für adäquate Prämien zu finden. Empfehlenswert ist es zudem, den Steuerberater mit ins Boot zu nehmen, um steuerfreundliche Lösungen zu finden.


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