02.10.2018

Ordnung in der Bankenlandschaft

von Michael Vetter

Vor allem die komplexer und komplizierter werdenden Kreditvergaben und die damit einhergehenden zusätzlichen Transparenzanforderungen an die jeweiligen Apotheken sollten von den Inhabern zu einer vollständigen Bestandsaufnahme und möglichen Neuordnung ihrer Bankverbindungen führen.

Banken in Frankfurt am Main

© Daniel Reinhardt / dpa / picture alliance

Kostenüberblick

Zu einer solchen Bestandsaufnahme gehört zunächst eine aktuelle Übersicht bezüglich der bestehenden Bankverbindungen. So wird immer wieder festgestellt, dass an der einen oder anderen Geschäftsverbindung festgehalten wird, obwohl auf deren Konten längst kaum mehr Umsätze verbucht werden und in der Vergangenheit abgewickelte Anlage-, Kredit- oder sonstige Bankgeschäfte längst erledigt sind. Was meist bleibt, ist ein im Einzelfall überdurchschnittlich hoher Kostenfaktor, der in der Summe sämtlicher überflüssiger Bankverbindungen durchaus erheblich sein kann. Häufig resultieren diese Kontakte aus Darlehensverpflichtungen, bei denen die Bank als Kreditgeber darauf bestand, Umsätze vor allem über die bei ihr geführten Konten verbuchen zu lassen. Da diese Darlehen häufig aber längst zurückgezahlt sind, sollte geprüft werden, ob es noch sinnvoll ist, diese oder jene Bankverbindung auch tatsächlich weiterhin aufrecht zu erhalten.

Als Entscheidungsgrundlage sollte auch eine Kostenermittlung sämtlicher Bankverbindungen stattfinden, die dem möglichen Nutzen gegenüber zu stellen ist. Erst bei sorgfältiger Prüfung jedes Einzelfalls kann entschieden werden, welches Kreditinstitut tatsächlich entbehrlich ist. Dabei muss in der Regel keineswegs mehr, wie oft in der Vergangenheit, auf angeblich individuelle Vorteile einer Geschäftsbank, einer Sparkasse oder einer Volksbank geachtet werden. In heutiger Zeit sind nahezu sämtliche Bankinstitute in der Lage, gegebenenfalls mit in- und ausländischen Geschäftspartnern, die komplexer werdenden Finanzwünsche von Apothekern professionell und zuverlässig zu erfüllen.

 

Individuelle Anlagestrategien

Auch bei der Geldanlage lohnt sich eine kritische Prüfung der bisher getätigten Geschäfte, der damit verbundenen Kosten und des jeweiligen persönlichen Kundennutzens. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen ist es wichtig, die wesentlichen Anlageprodukte der Banken zu kennen und diese vor allem richtig einzuschätzen. Je nach Anlagebereitschaft des Apothekers kann es sich zinsseitig lohnen, über den sprichwörtlichen Tellerrand der meist angebotenen und regelmäßig schlecht verzinsten Tages- und Termingelder hinaus zu sehen.

Festverzinsliche Wertpapiere mit seriösen Schuldnern und kurzen Restlaufzeiten können sich als ergänzende Anlagealternative ebenso eignen wie beispielsweise variabel verzinste Anlagekonten. Wichtig ist, dass Praxisverantwortliche weitgehend sicher sein können, dass sie von ihren Hausbanken klar und deutlich über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Anlagealternativen in Kenntnis gesetzt werden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die eigene Altersvorsorge des Apothekeninhabers, deren Wertentwicklung mindestens zwei Mal im Jahr überprüft werden sollte. Niedrigzinsen sind selbstverständlich nicht nur ein Problem für Bankinstitute, sondern auch für Anbieter beispielsweise von Renten- und Lebensversicherungen, sodass mancher Apotheker von den ursprünglichen Ertragszielen Abschied nehmen muss, weil die Geld- und Kapitalmärkte diese Wert- und Ertragsentwicklung seit Jahren einfach nicht mehr hergeben. Hier muss seitens des Kunden je nach Situation reagiert werden, um gegebenenfalls gegenzusteuern. Ob dies durch eine erhöhte Rücklage, durch spekulativere Anlageformen oder durch weitere Maßnahmen wie eine Verringerung der Privat- bzw. der Geschäftskosten geschieht, ist im Einzelfall zu entscheiden. Wichtig ist zunächst einmal, das Thema überhaupt zu problematisieren und sich detailliert damit auseinander zu setzen.

 

Änderungen in der Kreditvergabe

Die Anforderungen der Banken an zukünftige Kreditvergaben werden weiter steigen. So wäre es tatsächlich illusorisch, würden Apothekeninhaber glauben, dass sich für sie bei Kreditvergaben nichts oder kaum etwas ändern wird. Tatsächlich muss bei der nach wie vor unsicheren Ertragslage der Banken damit gerechnet werden, dass insbesondere tendenziell höhere Kreditzinsen und zusätzliche Gebühren das Apothekerbudget strapazieren werden.

Die Frage dürfte fast nur noch sein, in welchem Umfang auf Grund der jeweiligen Konkurrenzsituation der Banken vor Ort dies zukünftig der Fall sein wird. Umso wichtiger ist es für Apotheker, dieses Szenario zu akzeptieren und mit den Haus- und Nebenbanken auch hierüber ausführlich zu sprechen. Die dazu erforderliche Bestandsaufnahme sollte einhergehen mit einem Sicherheitenregister, in dem sämtliche Kreditsicherheiten nicht nur aufgeführt, sondern nach konkreten Kriterien wie Höhe, Laufzeit und Sicherungszweck strukturiert werden. Dazu gehört eine fortlaufende Entwicklung sowohl der jeweiligen Kreditverbindlichkeiten und der damit verbundenen Sicherheitenwerte (z. B. der realistische Verkehrswert einer Immobilie).

Anzustreben ist ein Verhältnis von etwa eins zu eins. Übersteigen die Sicherheitenwerte die Kreditbeträge erheblich, ist ein Gespräch mit der kreditgebenden Bank auf Rückübertragung eines Teils der jeweiligen Sicherheiten zu empfehlen. Hinzu kommt eine regelmäßige Abstimmung mit den wichtigsten kreditgebenden Banken über die Weiterentwicklung des Ratings oder Scorings, also der Bewertungsmethoden im Hinblick auf die Kreditwürdigkeit oder Bonität des Apothekers. Das ist äußerst wichtig, da sowohl von Höhe und Qualität der Kreditsicherheiten als auch von der Rating- und Scoringnote in hohem Maße die jeweiligen Kreditkonditionen abhängen.

Weitere Kreditgeber

Die veränderten Kreditregeln bieten Apothekern darüber hinaus die Möglichkeit, bei Kreditwünschen ebenfalls flexibler als möglicherweise bisher vorzugehen. Zusätzliche oder ergänzende Kreditgeber wie öffentliche Banken (KfW-Mittelstandsbank etc.) oder Bürgschaftsbanken sollten stärker in den Mittelpunkt rücken als es in der Vergangenheit meist üblich war.

Bankverbindungen strukturieren

  1. Zusammenstellung der jeweiligen Banken und der mit ihnen getätigten Geschäfte (Aufstellung sämtlicher Konten und Wertpapierdepots)
  2. Zuordnung der pro Bank und Geschäft verbundenen Kosten im Jahresvergleich
  3. Prüfung der Bankverträge auf kundenseitige Verpflichtungen (vor allem in Kreditverträgen formulierte verbindliche Umsatzzuweisungen auf Konten der jeweils kreditgebenden Bank)
  4. Einrichten eines Sicherheitenregisters, in dem sämtliche Kreditsicherheiten mit den ihnen zu Grunde liegenden Daten wie Art, Höhe und Fälligkeit der jeweiligen Sicherheit pro Bank vermerkt sind
  5. Einrichten eines ähnlich strukturierten Anlageregisters, aus dem alle Geldanlagen hervorgehen

Mit einer derartigen Gesamtübersicht kann nach entsprechender individueller Abwägung entschieden werden, ob sämtliche Bankverbindungen noch sinnvoll sind bzw. zum Teil in Zweifel gezogen werden sollten.


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