05.04.2019

Optimale Produktionsbedingungen für die Schönheit aus der Natur

von Marco Michels

Viele Apotheken setzen auf die eigene Herstellung von homöopathischen Produkten sowie Naturkosmetik und Pflegemitteln. Die Bahnhof-Apotheke in Kempten im Allgäu besitzt dafür einen modernen Reinraum mit lufttechnischer Anlage.

Handabfüllung von kosmetischen Ölen

© Weiss Technik Unternehmen

Wildpflanzen und Heilkräuter als Kraftquelle der Natur

Der Anbau und die Verarbeitung von Wildkräutern und Heilpflanzen gelten im bayrischen Alpenland als uraltes Brauchtum. Die noch urwüchsigen und naturbelassenen Bergwiesen bieten unzählige Kräutersorten und vielfältige Möglichkeiten zur Verarbeitung. Ätherische Öle, Hautsprays und Naturparfüm werden in eigens dafür geschaffenen Produktionsräumen vor Ort hergestellt. Gemäß ihrer Philosophie der höchstmöglichen Qualität und des achtsamen Umgangs mit Stoffen aus der Natur führt die Bahnhof-Apotheke die Produktion in Handabfüllung durch.

„Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit sind für uns nicht nur Modewörter, wir leben sie auch. Gleichzeitig wollen wir natürliche Heilmethoden und die Aromatherapie unseren Kunden zugänglich machen. Daher war für uns die Ausrüstung unseres Produktionsbereichs mit einer hochwertigen Laborausstattung essenziell“, erklärt Dietmar Wolz, Inhaber der Bahnhof-Apotheke.

Da die Gefahr von Hautunverträglichkeiten bei Kosmetika immer gegeben ist, spielt die Sorgfalt im Verarbeitungsprozess eine entscheidende Rolle. Um eine gleichbleibend hohe Qualität entsprechend der Kosmetikverordnung zu gewährleisten, handelt es sich um einen Reinraum der Klasse D.


Schlüsselfertiger Reinraum sichert optimale Konditionen

Der Reinraum nach EU-GMP-Richtlinie mit einer lichten Raumhöhe von drei Metern gewährleistet eine einstellbare Grundtemperatur von 20 – 26 °C. Durch die neuen Räumlichkeiten befinden sich nun die Herstellung, Abfüllung, Etikettierung und der Versand der kosmetischen Öle unter einem Dach und bieten so neben einer erhöhten Produktqualität auch wirtschaftliche Vorteile durch eine effizientere Wertschöpfungskette. Außerdem ist jederzeit die mikrobiologische Untersuchung von besonders entscheidenden Ingredienzien gewährleistet.

Die Luftführung im Reinraum wurde in diesem Fall so ausgelegt, dass sich im Raum eine turbulente Mischlüftung einstellt. Die Lufteinbringung in den Herstellungsbereich erfolgt über eine zweistufige Filterung sowie Deckendrallauslässe, die mit Schwebstofffiltern nachrüstbar sind. Infolge der stattfindenden Verdünnung mit der Raumluft wird so die Staubkonzentration auf das gewünschte Minimum herabgesetzt. Die gefilterte Luft wird direkt an den Arbeitsplätzen wieder abgesaugt und nach der Wärmerückgewinnung als Fortluft abgeführt.

Im kosmetischen Herstellungsbereich gelangt die Luft durch Abluftgitter im Tischbereich in den Rückluftkanal und wird zur Luftaufbereitung dem Klimagerät zugeführt.

Da die Gefahr von Hautunverträglichkeiten bei Kosmetika immer gegeben ist, ist Sorgfalt im Verarbeitungsprozess wichtig.

Für die Luftaufbereitung wurde ein Außen- und Fortluftgerät mit Wärmerückgewinnung installiert, welches außerhalb des Reinraumbereichs in der Technikzentrale aufgestellt wurde. Hier wird die Luft situationsabhängig den Anforderungen entsprechend zweistufig gefiltert, gekühlt, be- oder entfeuchtet.

Das in der ersten Ausbaustufe eingesetzte Klimagerät verfügt über eine Leistung von 16 000 m³/h bei konstantem Volumenstrom. Es versorgt den Reinraumbereich inklusive der Nebenbereiche (Lager, Büros) mit einer Gesamtfläche von 455 m².

Schleuse schützt vor Verunreinigungen

Der Zugang zum Reinraum erfolgt über Schleusensysteme. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass der hinsichtlich des Reinraumklimas kritische Arbeitsbereich sicher von der Umgebung abgeschottet ist. Die zuverlässige Schleusensteuerung garantiert eine sichere Nutzung der Reinräume.

Die Schleuse zu den Produktionsräumen der Aromamischung ist ein wichtiger Schutzmechanismus, um die qualitativ hochwertige Produktion vor Verunreinigung zu schützen. Die Abgrenzung des Reinraums geschieht über die Implementierung einer Druckkaskade. Dieser Überdruck bewirkt, dass die Luft aus Bereichen mit höherer Luftreinheit in Bereiche mit niedriger Luftreinheit strömt. Diese Strömungen von reinen in unreine Bereiche verhindern ein Eindringen von Kontamination in Bereiche höherer Luftreinheit.

Die mögliche Gefahr durch Kreuzkontamination wurde überprüft und als unwahrscheinliches Risiko eingestuft.

Die gesamte Regelanlage ist in einem kompakten Schaltschrank integriert. Die Steuerung erfolgt über einen Touchscreen.

Die neuen lichtdurchfluteten Herstellungsräume mit höhenverstellbaren Arbeitsflächen bieten dem Fachpersonal viel Platz und wurden den Anforderungen angepasst. Ein speziell auf die einzelnen Arbeitsbereiche abgestimmtes Schallschutzkonzept sorgt für eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

Über den Autor

Marco Michels ist Pressebeauftragter der Firma Weiss Klimatechnik, die das Labor in der Bahnhof-Apotheke in Kempten geplant und realisiert haben.

Quelle: Weiss Technik Unternehmen


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