11.02.2019

Netz-Diskussionen zum Securpharm-Start

(cnie) Die EU-Fälschungsschutzrichtlinie für Arzneimittel hat sich am vergangenen Samstag zum ersten Mal im Praxistest bewähren müssen. Nach und nach werden alle RP-Medikamente die Securpharm-Sicherheitsmerkmale tragen. Die Meinungen zum neuen Schutzsystem gehen weit auseinander.

Kommentare zum Securpharm-Start

© Christoph Niekamp / Instagram

Seit dem 9. Februar dürfen Arzneimittelhersteller in Deutschland nur noch verschreibungspflichtige Arzneimittel produzieren und in Verkehr bringen, die auf ihrer Packung eine individuelle Seriennummer tragen und deren Unversehrtheit erkennbar ist. Neben dem Erstöffnungsschutz muss künftig jede Arzneimittelpackung ein individuelles Erkennungsmerkmal aufweisen, welches den Produktcode, die individuelle Seriennummer sowie Chargenbezeichnung und Verfalldatum beinhaltet. Dieses individuelle Erkennungsmerkmal wird nicht nur klarschriftlich, sondern auch in einem zweidimensionalen Data Matrix Code (2-D-Code) aufgebracht.

Viel Arbeit im Voraus

APOTHEKE + MARKETING hat den Stichtag in der Pluspunkt Apotheke in Neu-Isenburg begleitet. Hier waren sich die Mitarbeiterinnen einig: Eigentlich alles wie immer. Inhaberin Barbara Manzano Vela musste im Voraus zehn Scanner austauschen und sich um das Update der Software kümmern. Außerdem hat sie sich bei der NGDA registriert und ein N-Ident-Zertifikat für 20 Euro gekauft. Das Zertifikat ist 24 Monate gültig. Pro Monat bezahlt Manzano Vela zehn Euro für den Zugang zum Securpharm-System. Sie hat sich Informationsflyer von der ABDA für Ihre Kunden bereit gelegt, falls Fragen auftauchen. Die Apothekerin versucht für alle Diskussionen gerüstet zu sein. Seit 2005 gehört ihr die Pluspunkt Apotheke im Isenburg-Zentrum. In dieser Zeit sei dort noch kein gefälschtes Medikament aufgetaucht.

Mich würde mal interessieren, wie viel gefälschte Arzneimittel in deutschen Apotheken gelandet sind (prozentual). Das so einen Mehraufwand auf Kosten der Apotheken überhaupt rechtfertigt.

Userin Anja Kle auf Facebook

In den sozialen Netzwerken, auch auf der Facebook- und Instagram-Seite von DAS PTA MAGAZIN, das ebenfalls im Springer Medizin Verlag erscheint, wurde dagegen viel über das Für und Wider des neuen Systems diskutiert.

"Ob das ganze ernsthaft was bringt, wage ich sehr zu bezweifeln. Die Apotheken haben deutlich mehr Arbeit dadurch. Schon beim Wareneingang habe ich zurzeit mindestens ein Drittel aller Packungen dreimal in der Hand, bevor sie einmal weggeräumt sind, da der neue Code extra eingelesen werden muss. Wir sind per Gesetz und unter Androhung von Strafen dazu verpflichtet, das alles zu machen. Und wir müssen auch noch dafür bezahlen – monatlich!", kritisiert Userin Doris Berndt auf Facebook.
Eine andere Userin gibt zu bedenken, dass Securpharm nicht vor "minderwertigen oder gesundheitsschädlichen Substanzen aus Dritte-Welt-Ländern" schützt.

Vor dem Start fühlte sich die Mehrheit der PTA, die an einer Online-Umfrage von DAS PTA MAGAZIN teilgenommen hatten, nicht gut vorbereitet auf Securpharm. Auf Instagram bezeichnen am Samstag viele User das System als überflüssig. Nur wenige sehen es als sinnvolles Mittel, um Arzneimittelfälschungen zu identifizieren. So schreibt eine Nutzerin: "Finde ich großartig. Das System und die Entwicklung dahinter finde ich bemerkenswert."

Quelle: ABDA / Securpharm e.V. / NGDA


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