08.11.2019

Kennzahl des Monats November: Kosten vom Umsatz

von Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, kommt nicht umhin, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen. Wir stellen deshalb in jedem Monat eine Kennzahl vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Praxis für die Apotheke hat.

Geschäftsmann mit Geld in der Hand

© [M] Wisaad / Getty Images / iStock

Begriffsklärung

Oft werden in einer Analyse des Betriebsergebnisses die Kosten in Prozent vom Umsatz ausgedrückt. Wenn z. B. die Personalkosten 11 Prozent vom Umsatz und die Raumkosten 4 Prozent betragen, dann lässt sich das so interpretieren: Von 100 Euro Umsatz wurden 11 Euro benötigt, um die Personalkosten zu decken, und 4 Euro, um die Raumkosten zu decken. Entsprechend kann man alle anderen Handlungskosten, wie z. B. für Sachmittel, Werbung und Kapital, darstellen. Das gilt auch für die kalkulatorischen Kosten, wenn man mit den Daten aus dem internen Rechnungswesen arbeitet. Ebenso können die Warenkosten in Prozent von Umsatz ausgedrückt werden. Werden alle Kostenanteile – sowohl der Warenkosten als auch der Handlungskosten – vom Umsatz (= 100 Prozent) abgezogen, erhält man die Umsatzrendite. Dazu an anderer Stelle mehr.

Bei preisaggressiven Apotheken, die in einem wettbewerbsintensiven Umfeld agieren, können der Umsatz geringer und somit die Kostenanteile höher ausfallen.

Anwendung 1: Vergleich mit anderen Apotheken

Für welche Zwecke kann man nun solche Berechnungen anstellen? Erstens bietet sich der Vergleich mit anderen Apotheken an (Querschnittsvergleich). Dies ist aber nur sinnvoll, wenn Apotheken mit gleichen Strukturen verglichen werden, insbesondere, was den Standort, die Fläche und das Personal anbelangt. Doch sollten auch die Umsatzzusammensetzung (verschreibungspflichtige, nicht verschreibungspflichtige, aber apothekenpflichtige sowie freiverkäufliche Arzneimittel und Ergänzungssortiment) und die Preisstrategie berücksichtigt werden.

Der Grund: Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln fehlen die Möglichkeiten, den Preis zu beeinflussen und Werbung für die Produkte zu betreiben. Umsatzeffekte durch Preisaktionen und Kosten für Werbung sind dann nicht den Umsätzen für verschreibungspflichtige Arzneimittel zuzurechnen. Und bei preisaggressiven Apotheken, die in einem wettbewerbsintensiven Umfeld agieren, können der Umsatz geringer und somit die Kostenanteile – gleiche Mieten und Personalkostensätze wie in anderen Apotheken ohne Niedrigpreisstrategie vorausgesetzt – höher ausfallen.

Anwendung 2: Vergleich im Zeitverlauf

Zweitens kann eine Apotheke betrachten, wie sich die Kostenanteile ihrer Apotheke im Zeitverlauf entwickeln (Längsschnittvergleich), etwa die Personalkostenanteile und die Anteile der Kosten für Werbung. Aber auch hier ist Sorgfalt bei der Analyse geboten.

Praxisbeispiel: Rückgang des Umsatzes

Nehmen wir an, die Personalkosten seien von 10 Prozent auf 12 Prozent gestiegen. Nur ein geringer Anteil dieses Anstiegs sei auf höhere Lohnkosten zurückzuführen, der größere Anteil ergibt sich aus einem Rückgang des Umsatzes.

Welche Reaktion ist sinnvoll?

Ein erster Reflex könnte nun sein, über den Personaleinsatz nachzudenken: die Anzahl der Mitarbeiter reduzieren, die Öffnungszeiten verkürzen. Das kann nur dann sinnvoll sein, wenn das Personal nicht vollkommen ausgelastet ist. Andernfalls sägt der Arbeitgeber an dem Umsatzast, auf dem die Apotheke sitzt: umfassende und gute Beratung, kundenfreundliche Öffnungszeiten und damit Möglichkeiten zum Umsatz.

Ähnlich kritisch ist damit umzugehen, wenn sich die Anteile der Kosten für Werbung verändern. Nehmen wir an, der Eurobetrag für Werbung hat sich in zwei Vergleichsjahren nicht verändert. Nun steigt der Anteil der Werbekosten am Umsatz. Die Ursache kann nur sein, dass der Umsatz gesunken ist. Nun die Ausgaben für Werbung zu kürzen, hieße, weniger für Werbung in einer angespannten Umsatzsituation auszugeben.

Das wäre nur dann sinnvoll, wenn mehr Werbung als nicht erfolgversprechend angesehen wird. Andernfalls müsste gerade in dieser Situation der Betrag für Werbung erhöht werden, um verloren gegangenen Umsatz zurückzugewinnen, etwa bei Kunden, die weniger oder gar nicht mehr in der Apotheke kaufen.


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