20.03.2020

Kennzahl des Monats März: Kapitalumschlag

von Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, kommt nicht umhin, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen. Wir stellen deshalb jeden Monat eine Kennzahl vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Praxis für die Apotheke hat.

Geld

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Begriffsklärung

Die Rentabilität des Eigen- bzw. des Gesamtkapitals gibt an, wie sich das eingesetzte Kapital verzinst (siehe auch Kennzahl des Monats: Kapitalrentabilität). Der Kapitalumschlag setzt anstelle des Gewinns den Umsatz ins Verhältnis zum Eigen- oder Gesamtkapital. Beträgt der Umsatz zwei Millionen Euro, betragen das Eigenkapital 200 000 Euro und das Gesamtkapital 500 000 Euro, so ist der Kapitalumschlag für das Eigenkapital 10 und für das Gesamtkapital 4.

Ein höherer Umsatz bei gleicher Kapitalbindung oder eine geringere Kapitalbindung bei gleichem Umsatz führen also zu einem höheren Kapitalumschlag. Was lässt sich aus einer solchen Betrachtung herauslesen?  

Niedriger Kapitalumschlag: hohe Kapitalbindung als Ursache

Ein niedriger Kapitalumschlag kann zum einen auf eine hohe Kapitalbindung hindeuten. Eine Ursache dafür kann sein, dass die Leistungsprozesse (Beschaffung, Fertigung, Absatz) sehr kapitalintensive Vermögensgegenstände beanspruchen.

Beispiel: Hohe Investitionen senken Kapitalumschlag

Die Digitalisierung in Apotheken verlangt hohe Investitionen in das Anlagevermögen, etwa in einen Kommissionierautomaten oder eine virtuelle Sichtwahl. Dadurch sinkt – bei unverändertem Umsatz – der Kapitalumschlag. Denn für die Finanzierung wird entweder Fremdkapital aufgenommen und es erhöht sich das Gesamtkapital. Oder Gewinne werden einbehalten und es erhöht sich damit das Eigenkapital und dadurch wiederum das Gesamtkapital.

Auch hohe Lagerbestände als Teil des Umlaufvermögens belasten den Kapitalumschlag. Je geringer der Lagerumschlag ist, desto geringer ist auch der Kapitalumschlag.

Liegt der notwendige Mindestbestand an Arzneimitteln deutlich unter dem aktuellen Lagerbestand, lassen sich mit Bestandsverminderungen der Lagerumschlag und somit der Kapitalumschlag erhöhen.

Sowohl bei Investitionen in das Anlage- als auch in das Umlaufvermögen stellt sich die Frage, ob sie die Effizienz der Leistungsprozesse steigern. Denn jede zusätzliche Kapitalbindung bedeutet entweder bei zusätzlicher Verschuldung (mehr Fremdkapital) zusätzliche Fremdkapitalzinsen, was den Gewinn verringert, oder bei mehr Eigenkapital den Verzicht auf andere Verwendungsmöglichkeiten, etwa Anlagen auf dem Finanzmarkt, was die kalkulatorischen Kosten erhöht. Das gilt es durch zusätzliche Umsätze oder niedrigere Kosten – als Ergebnisse der Investition – auszugleichen, besser noch überzukompensieren.

Serie Kennzahl des Monats

Niedriger Kapitalumschlag: geringe Umsätze als Ursache

Ein niedriger Kapitalumschlag kann zum anderen auf zu geringe Umsätze hindeuten, zu gering vor allem dann, wenn andere Apotheken mit vergleichbaren Strukturen höhere Umsätze erwirtschaften (siehe auch: Betriebsvergleich). In diesen Fällen ist zu prüfen, ob Personalmaßnahmen (z. B. Schulungen) oder Maßnahmen der Platzierung und Präsentation von Waren den Umsatz erhöhen können. Es geht dabei darum, die Mitarbeiter- und die Flächenproduktivität zu erhöhen.

Beispiel: Die Erhöhung des Umsatzes in unserem Beispiel um zehn Prozent würde den Kapitalumschlag für das Eigenkapital auf 11 und für das Gesamtkapital auf 4,4 steigern. Mit anderen Worten: Die Umsatzsteigerung erhöht im selben prozentualen Ausmaß den Kapitalumschlag.

Fazit

Weniger Kapitalbedarf erhöht bei gleichbleibendem Umsatz den Kapitalumschlag und reduziert damit das in der Bilanz ausgewiesene Kapital. Ebenso sind positive Auswirkungen auf den Gewinn möglich: Weniger Fremdkapital verringert die Fremdkapitalzinsen. Höhere Mitarbeiter- und Flächenproduktivitäten gehen – bei gleichbleibenden Mitarbeiter- und Flächenkapazitäten – mit einem höheren Umsatz einher.


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