05.06.2020

Kennzahl des Monats Juni: Umsatzrentabilität

von Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, kommt nicht umhin, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen. Wir stellen deshalb jeden Monat eine Kennzahl vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Praxis für die Apotheke hat.

Mann trägt Geldsack mit Dollarzeichen

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Begriffsklärung

Die Umsatzrentabilität (auch: Umsatzrendite) gibt an, wie hoch der Anteil des Gewinns am Umsatz ist. So sagt eine Umsatzrendite von fünf Prozent aus, dass mit einem Umsatz von 100 Euro ein Gewinn von fünf Euro erwirtschaftet worden ist. Damit ist die Umsatzrentabilität wie die Eigen- und die Gesamtkapitalrentabilität (siehe auch Kennzahl des Monats: Kapitalrentabilität) eine erfolgsbezogene Kennziffer, d. h. im Zähler steht die Größe Gewinn.

Berechnung

Gewinn ist nicht gleich Gewinn

Eine wesentliche Frage ist, welcher Gewinn (siehe auch Kennzahl des Monats: Gewinn) herangezogen wird, um die Umsatzrendite zu berechnen. Das kann der Gewinn aus dem internen oder aus dem externen Rechnungswesen sein, das kann der Gewinn vor oder nach Ertragsteuern sein.

Da es viele Möglichkeiten gibt, den Gewinn zu berechnen, ist bei einem Vergleich von Umsatzrenditen darauf zu achten, dass tatsächlich Äpfel mit Äpfeln verglichen werden. Dem Leser von Wirtschaftsnachrichten dürfte es nicht leichtfallen, das nachzuvollziehen, wenn nicht offengelegt wird, welcher Gewinn verwendet worden ist.

Schlüsselfaktor kalkulatorische Kosten

Greifen wir auf ein Beispiel zurück, um das Problem an dem Unterschied zwischen internem und externem Rechnungswesen zu verdeutlichen.

Im internen Rechnungswesen können kalkulatorische Kosten (siehe auch Kennzahl des Monats: kalkulatorische Kosten) angesetzt werden, etwa für den Unternehmerlohn des Apothekeninhabers. In unserem Beispiel ist der Gewinn dann 250 000 Euro, und die Umsatzrendite liegt bei 14,7 Prozent (250 000 Euro : 1 700 000 Euro).

Im externen Rechnungswesen dagegen dürfen kalkulatorische Kosten nicht angesetzt werden. Der Gewinn beträgt dann 320 000 Euro (250 000 Euro + 70 000 Euro), die Umsatzrendite 18,8 Prozent.

Umsatz (netto)

1 700 000 Euro

-

Aufwand für Ware und Material

900 000 Euro

-

Aufwand für Löhne, Gehälter, Miete, Zinsen

400 000 Euro

-

Abschreibungen

80 000 Euro

-

kalkulatorische Kosten

70 000 Euro

=

Betriebsergebnis

250 000 Euro

Instrument für den Vergleich

Auf der Grundlage des steuerlichen Betriebsergebnisses der Apotheken finden sich in der Zeit von 2008 bis 2018 Durchschnittswerte für die Umsatzrendite, die nach Angaben der ABDA nicht über 6,8 Prozent und nicht unter 5,7 Prozent liegen; seit 2013 fällt die Umsatzrendite kontinuierlich: von 6,7 auf zuletzt 6 Prozent (handelsdaten.de, Abruf 2020-03-25).

Völlig anders sehen die realen Werte für die Umsatzrentabilität im internen Rechnungswesen aus. Dort bewegen sich viele Apotheken an der Nulllinie, wenn sie die entsprechenden kalkulatorischen Kosten ansetzen.

Die Randbedingungen definieren

Hier kommt es wie bei allen Kennzahlen darauf an, unter welchen Randbedingungen die jeweilige Apotheke wirtschaftet. Nur bei gleichen Randbedingungen (Wettbewerbsumfeld, Kundenstruktur, Sortimentsstruktur etc.) und gleicher Berechnung der Kennzahlen können Vergleiche sinnvoll sein.

Serie Kennzahl des Monats

Einflussfaktoren

Kostenreduktion

Wie kann eine Apotheke die Umsatzrendite beeinflussen? Dies ist einerseits durch die Reduktion von Kosten möglich. Solange dadurch ineffiziente Prozesse verbessert werden, ist das in Ordnung. Ab dem Punkt, wo die Leistungsfähigkeit reduziert wird, kann es problematisch werden: Kunden können unzufrieden werden, möglicherweise zur Konkurrenz abwandern.

Umsatzsteigerung

Andererseits kann versucht werden, den Umsatz zu steigern, um die Umsatzrendite zu beeinflussen. Da im Bereich der verschreibungspflichtigen Arzneimittel die Preisbindung gilt, müssen Umsatzzuwächse mittels einer besseren Preispolitik (siehe auch Themenspecial: Grundlagen des Marketings – Preispolitik) bei anderen Arzneimitteln sowie in der Freiwahl und vor allem durch die Gewinnung neuer Kunden angestrebt werden.

Nicht zuletzt das Angebot zahlreicher Dienstleistungen kann für Apotheken zum Hebel eines erfolgreichen Handelns werden.


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