08.07.2020

Kennzahl des Monats Juli: Verschuldungsgrad

von Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, kommt nicht umhin, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen. Wir stellen deshalb jeden Monat eine Kennzahl vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Praxis für die Apotheke hat.

Hände mit Geld

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Begriffsklärung

Die Verschuldung begegnet uns bei einigen Kennzahlen, so etwa bei der Kapitalrentabilität (siehe auch Leverage-Effekt), beim Cash Flow (siehe auch Kennzahl des Monats: Cash Flow) und beim Kapitalumschlag (siehe auch Kennzahl des Monats: Kapitalumschlag).

Eine Definition für den Verschuldungsgrad (auch Verschuldungsquote) ist das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital. Eine andere Definition ist der Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital. Hat eine Apotheke ein Gesamtkapital von 1,5 Millionen Euro und Eigenkapital von 0,5 Millionen Euro, so ist der Verschuldungsgrad nach der ersten Definition 200 Prozent (1 Million Euro : 0,5 Millionen Euro), nach der zweite Definition 66 2/3 Prozent (1 Million Euro : 1,5 Millionen Euro). Wir verwenden hier die erste Definition.

Serie Kennzahl des Monats

Beurteilung der Bonität

Der Verschuldungsgrad ist eine Kennzahl, um die Bonität einer Unternehmung zu beurteilen. Die Grundregel lautet: Je höher der Verschuldungsgrad ist, desto höher ist das Risiko für die Fremdkapitalgeber, etwa Banken, und desto teurer sind Kredite (wegen des Risikoaufschlags). Dem ist gegenüberzustellen, dass mit mehr Kapital auch mehr Umsatz erwirtschaftet werden kann, wenn die entsprechenden Chancen im Markt vorhanden sind. Reicht das Eigenkapital für die Finanzierung von Investitionen nicht aus, kann Fremdkapital der geeignete Weg für die Finanzierung sein.

Verschuldung – pro und contra

Neben der Möglichkeit, mit zusätzlichem Fremdkapital mehr Umsätze zu erwirtschaften, steht die Notwendigkeit, das aufgenommene Fremdkapital mit Zinsen bedienen und tilgen zu müssen. Fremdkapitalzinsen sind Kosten bzw. Aufwand und reduzieren den Erfolg im internen wie im externen Rechnungswesen. Die Tilgungen berühren die Liquidität der Unternehmung. Zehren Verluste das Eigenkapital auf oder können Tilgungen nicht gezahlt werden, droht die Insolvenz, entweder wegen Überschuldung oder wegen Zahlungsunfähigkeit.

Finanzierung mit Eigenkapital

Als Alternative für die Aufnahme von Fremdkapital und die damit einhergehende Erhöhung des Verschuldungsgrades bietet sich die Finanzierung mit Eigenkapital an, etwa durch die Einbehaltung von Gewinnen. Der Verschuldungsgrad sinkt dadurch. Allerdings: Im internen Rechnungswesen können kalkulatorische Zinsen für das Eigenkapital angesetzt werden, im externen Rechnungswesen nicht. Damit fällt der steuerlich relevante Erfolg höher aus, die Ertragsteuern sind höher als im Fall der Aufnahme von Fremdkapital, vorausgesetzt in beiden Fällen stellen sich dieselben Umsätze ein.

Faktor Zinsentwicklung

Die Entscheidung, sich stärker zu verschulden (Aufnahme von Fremdkapital) oder die Verschuldung zu reduzieren (durch Einbehaltung von Gewinnen) hängt wesentlich von den Erfolgsaussichten auf dem Absatzmarkt und der Zinsentwicklung ab. Bei steigenden Zinsen nehmen sowohl die Soll- als auch die Habenzinsen zu, d. h. die Fremdkapitalzinsen wie auch die kalkulatorischen Zinsen für das Eigenkapital. In Zeiten günstigen Fremdkapitals – und diese Zeit scheint noch eine Weile anzuhalten – spricht viel für eine zunehmende Verschuldung. Gedacht werden muss aber immer an die Rückzahlung (Tilgung). Und wenn keine Anschlussfinanzierung in Aussicht steht, kann es brenzlig werden.

Der Leverage-Effekt

Zum Schluss sei noch einmal auf den Leverage-Effekt hingewiesen. Der Verschuldungsgrad

   FK   
   EK

 hebelt die Eigenkapitalrentabilität rEK unter Berücksichtigung der Gesamtkapitalrentabilität rGK  und der Fremdkapitalzinsen rFK.

rEK = rGK + (rGK - rFK) ·      FK   
   EK

Das bedeutet: Solange die Gesamtkapitalrentabilität größer ist als die Fremdkapitalzinsen, hebelt die zunehmende Verschuldung die Eigenkapitalrentabilität nach oben. Mit zunehmendem Anstieg der Fremdkapitalzinsen drückt die Verschuldung die Eigenkapitalrentabilität nach unten. Die Gesamtkapitalrentabilität spiegelt nichts anderes wider als den Erfolg am Absatzmarkt.


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