01.07.2019

Kennzahl des Monats Juli: Kapitalrentabilität

von Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, kommt nicht umhin, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen. Wir stellen deshalb – im Magazin und auf dem Portal – in jedem Monat eine Kennzahl vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Praxis für die Apotheke hat.

Mann denkt an Geld

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Die Eigenkapitalrentabilität ist wie die Gesamtkapitalrentabilität eine Kennzahl, die die Verzinsung (r für Rendite) des eingesetzten Kapitals angibt. Bei der Eigenkapitalrentabilität wird der Gewinn (bei dessen Ermittlung bereits die Zinsen für das Fremdkapital abgezogen sind) durch das durchschnittlich gebundene Eigenkapital (EK) geteilt:

rEK =        Gewinn     
(EKAB + EKEB):2

   

Rendite gibt Verzinsung an

Wenn das Eigenkapital in Produktionsmittel investiert wird, gibt die Rendite die dort erzielte Verzinsung an, entsprechend geht es um die Verzinsung, wenn das Eigenkapital auf dem Finanzmarkt investiert wird. Interessant kann also die Frage sein, ob freies Eigenkapital in den Betrieb oder in Finanztitel investiert werden soll.

Bei der Gesamtkapitalrentabilität werden der Gewinn des Eigenkapitals und die Fremdkapitalzinsen, das ist der Gewinn des Fremdkapitals, durch das durchschnittlich gebundene Gesamtkapital (GK) geteilt:

  

rGK =        Gewinn + Fremdkapitalzinsen     
           (GKAB + GKEB):2

  

Wie hängen die beiden Rentabilitäten zusammen? Wie lässt sich die Frage beantworten, wie mit freiem Eigenkapital umgegangen werden soll? Dazu stellen wir folgende Betrachtung an. Der Gewinn (G) des Gesamtkapitals lässt sich zum einen wie folgt darstellen, wobei rEK der Zinssatz ist, der für das aufgenommene Fremdkapital zu entrichten ist: GGK = rEK · EK + rFK · FK.

Zum anderen lässt sich der Gewinn des Gesamtkapitals so darstellen: GGK = rGK · (EK + FK)

 

Serie Kennzahl des Monats

Wann lohnt sich die Verschuldung?

Setzt man die beiden rechten Seiten der Gleichungen gleich, so erhält man nach wenigen Umformungen:

rEK = rGK + (rGK - rFK) ·        FK   
     EK

Nun wird es interessant. Das Verhältnis von FK zu EK ist der Verschuldungsgrad. Solange also die Gesamtkapitalrentabilität größer als der zu zahlende Zinssatz für das Fremdkapital ist, lohnt sich die Verschuldung, also die Aufnahme von weiterem Fremdkapital.

Die Fremdkapitalzinsen sind derzeit sehr niedrig, was für eine Verschuldung spricht. Denn die Verschuldung hebelt dann die Eigenkapitalrentabilität nach oben, weshalb auch von einem positiven Leverage-Effekt gesprochen wird.

Beispiel

Wenn die Fremdkapitalzinsen 2 %, die Gesamtkapitalrentabilität 5 % und die Verschuldung 20 % betragen, dann ergibt sich folgende Eigenkapitalrentabilität: 0,05 + (0,05 – 0,02) * 0,2 = 0,056 ≙ 5,6 %. Erhöht sich die Verschuldung auf 30 %, weil z. B. die Modernisierung des Betriebs nicht mit Eigen-, sondern mit Fremdkapital finanziert wird, dann steigt die Eigenkapitalrentabilität auf 0,05 + (0,05 – 0,02) * 0,3= 0,059 = 5,9 %. Solange dieser Effekt vorhanden ist, lohnt es sich, vorhandenes Eigenkapital in Finanztitel zu investieren. Welches Risiko der Investor gehen will, bleibt ihm überlassen.

Aber: Sollten die Gesamtkapitalrentabilität sinken und die Fremdkapitalzinsen steigen, kann aus der positiven nun eine negative Hebelwirkung werden. Lassen wir beispielhaft die Gesamtkapitalrentabilität auf 3 % sinken und die Fremdkapitalzinsen auf 4 % steigen, dann liegt die Eigenkapitalrentabilität bei nunmehr 2,7 %, hat sich also fast halbiert.

Langfristig denken

Der Leser mag sich ausrechnen, wann die Verschuldung die Eigenkapitalrentabilität in den negativen Bereich drückt. Was kann die Empfehlung am Ende sein? Entscheidungen über Verschuldung und Investitionen sollten unter langfristigen Perspektiven gefällt werden.


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