28.01.2019

Kennzahl des Monats Februar: Gewinn

© ojogabonitoo / stock.adobe.com

Originalartikel als PDF

Text: Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, kommt nicht umhin, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen. Wir stellen deshalb – im Magazin und auf dem Portal – künftig in jedem Monat eine Kennzahl vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Praxis für die Apotheke hat.

Auf den ersten Blick scheint es einfach und logisch: Gewinn ist das, was übrig bleibt, wenn die Kosten vom Umsatz abgezogen werden. Zumindest im internen Rechnungswesen ist dies die übliche Sprachregelung, wenn es um das Betriebsergebnis geht. (Internes Rechnungswesen meint eine Erfolgsrechnung, ohne dass es hierfür irgendwelche Rechtsvorschriften gibt, die zu beachten wären.) Ein Beispiel: Aus dem Umsatz von 350  000 Euro und den Kosten von 260  000 Euro wird ein Gewinn von 90  000 Euro ermittelt.

Begriffsklärung

Anders verhält es sich im externen Rechnungswesen. Wer als Kaufmann eine Handelsbilanz erstellt, hat bei der Ermittlung des Gewinns (Jahresüberschuss) nicht mit den Begriffen Umsatz und Kosten zu tun, sondern mit Ertrag und Aufwand. Zudem hat er ganz konkrete Rechtsvorschriften einzuhalten, wie diese Größen zu ermitteln sind. Wer den Begriff Ertrag aus dem Zusammenhang mit Rohertrag als eine Gewinngröße kennt (Umsatz minus Wareneinsatz), mag hier irritiert sein. Doch Ertrag meint hier die positive Komponente von Gewinn vor Abzug des Aufwands und nicht bereits den Gewinn selbst. So könnte für denselben Betrieb aus dem Ertrag von 350  000 Euro und dem Aufwand von 210  000 Euro ein Gewinn von 140  000 Euro ermittelt worden sein.

Serie Kennzahl des Monats

  • Februar:      Gewinn
  • März:            Umsatz
  • April:             Umschlag
  • Mai:               Warenrohertrag und Handelsspanne
  • Juni:              Preiselastizität der Nachfrage
  • Juli:               Kapitalrentabilität
  • August:          Pagatorische Kosten
  • September:    kalkulatorische Kosten
  • Oktober:        variable und fixe Kosten
  • November:     Kosten vom Umsatz
  • Dezember:     Einstellungen

Praktisches Beispiel

Wie kann es zu dem Unterschied zwischen Jahresüberschuss und Betriebsergebnis kommen? Die Differenz von 50  000 Euro lässt sich durch sogenannte kalkulatorische Kosten erklären. Das sind Kosten, die im externen Rechnungswesen nicht angesetzt werden dürfen. Ein Beispiel: Der Apotheker bezieht als Inhaber kein Gehalt, folglich darf er für seine Arbeit im externen Rechnungswesen keinen Aufwand ansetzen. Nach Handelsrecht (und auch nach Steuerrecht) ist das zwingend, aber ist das unter betriebswirtschaftlichen Aspekten sinnvoll?

Könnte dieser Apotheker als Angestellter in einer Apotheke 50  000 Euro verdienen, sollte dieser Betrag als kalkulatorischer Unternehmerlohn im internen Rechnungswesen angesetzt werden. Denn das ist der Betrag, auf den der Apotheker verzichtet, wenn er als Inhaber in seiner eigenen Apotheke arbeitet. Entsprechend sind die Kosten dann höher, in unserem Beispiel 260  000 Euro, und der betriebswirtschaftliche Gewinn fällt mit 90  000 Euro niedriger aus.

Analyse

Warum ist das sinnvoll? Stellen wir uns vor, der Umsatz sinkt auf 250  000 Euro, der Aufwand bleibt gleich. Dann wäre der Gewinn im externen Rechnungswesen 40  000 Euro, betriebswirtschaftlich müsste dagegen ein Verlust von 10  000 Euro ausgewiesen werden, wenn das fiktive Gehalt des Inhabers von 50  000 Euro berücksichtigt wird. Wäre das eine dauerhafte Situation, müsste der Apotheker überlegen, ob er seine Apotheke weiterführen oder aber in ein Angestelltenverhältnis wechseln will.

Es gibt sicherlich viele Gründe, die mit Geld wenig zu tun haben und daher für die Weiterführung sprechen. Unter monetären Gesichtspunkten jedoch zeigt der betriebswirtschaftliche Gewinn auf, was der handels- und steuerrechtliche Gewinn nicht aufzeigen kann: den Verzicht auf Einnahmen.


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Das PTA Magazin

DAS PTA MAGAZIN wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei die Zeitschrift insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis der Pharmazeutisch-Technischen Assistentin eingeht.

www.das-pta-magazin.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.