21.02.2020

Kennzahl des Monats Februar: Cash Flow

von Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, kommt nicht umhin, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen. Wir stellen deshalb in jedem Monat eine Kennzahl vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Praxis für die Apotheke hat.

Zahlen und Stift – Cash Flow

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Wie liquide ist die Apotheke?

Neben dem internen und dem externen Rechnungswesen gehört auch die Liquiditätsrechnung zu den Rechensystemen eines Unternehmens. Das externe Rechnungswesen ermittelt unter Beachtung rechtlicher Vorschriften den Jahresüberschuss, das interne Rechnungswesen das Betriebsergebnis (siehe auch Kennzahl des Monats: Gewinn). Zur Ermittlung des Betriebsergebnisses können auch Zusatzkosten, eine Form der kalkulatorischen Kosten, angesetzt werden; dadurch fällt das Betriebsergebnis niedriger aus als der Jahresüberschuss (siehe auch Kennzahl des Monats: Kalkulatorische Kosten).

Eines jedoch kann der Apothekenleiter mit beiden Rechnungen nicht unmittelbar erkennen: nämlich wie viel liquide Mittel in einem Zeitraum erwirtschaftet worden sind. Dies erfasst der Cash Flow.

Serie Kennzahl des Monats

  • Januar: Kundenzufriedenheit
  • Februar: Cash Flow
  • März: Kapitalumschlag
  • April: Flächenproduktivität
  • Mai: Mitarbeiterproduktivität
  • Juni: Umsatzrentabilität 
  • Juli: Verschuldungsgrad
  • August: LeverageEffekt
  • September: Marktanteil
  • Oktober: Kundenstruktur 
  • November: Kundenrentabilität 
  • Dezember: Return on Investment

Begriffsklärung

Der Cash Flow gibt an, wie groß die Differenz aus Einzahlungen und Auszahlungen in einem bestimmten Zeitraum gewesen ist. Bei Einzahlungen fließt Geld dem Unternehmen zu, bei Auszahlungen vom Unternehmen ab.

Weder der Jahresüberschuss noch der Betriebsgewinn sind in der Regel identisch mit dem Cash Flow. Dies liegt daran, dass das Rechnungswesen auch nicht zahlungswirksame Vorgänge erfasst: So sind Abschreibungen und Rückstellungen bei der Ermittlung des Jahresüberschusses nicht zahlungswirksam, d. h. es entsteht zwar ein Aufwand, aber keine Auszahlung.

Noch weitgehender sind nicht zahlungswirksame Vorgänge im internen Rechnungswesen. Alle Zusatzkosten, wie z. B. kalkulatorischer Unternehmerlohn, kalkulatorische Miete und kalkulatorische Zinsen auf das Eigenkapital, sind zwar Kosten, aber keine Auszahlung.

  

Berechnen des Cash Flows

Ein erster Weg ist, alle Vorgänge, die mit einer Einzahlung oder einer Auszahlung verbunden sind, zu erfassen und den Saldo zu ermitteln. Man nennt dies auch Kapitalflussrechnung. Verkäufe sind demnach nur einzahlungswirksam, wenn tatsächlich Geld eingegangen ist, Forderungen gegen Dritte sind dagegen nicht einzahlungswirksam. Die Zahlungen für Lohn, Miete und Bankzinsen sind auszahlungswirksam, Abschreibungen und Forderungen Dritter gegen das eigene Unternehmen (Verbindlichkeiten) dagegen nicht.

Ein zweiter Weg zur Berechnung des Cash Flows setzt an der Erfolgsrechnung an – entweder am Jahresüberschuss oder am Betriebsgewinn: Alle nicht auszahlungswirksamen Vorgänge sind zu addieren, alle nicht einzahlungswirksamen Vorgänge zu subtrahieren (siehe auch Kennzahl des Monats: Pagatorische Kosten).

  

Rechenbeispiel

In folgendem Beispiel haben wir das Betriebsergebnis, in diesem Fall ein Betriebsgewinn, bereits ermittelt:

Umsatz

1 700 000 Euro

Aufwand für Ware und Material

900 000 Euro

Aufwand für Löhne, Gehälter, Miete, Zinsen

400 000 Euro

Abschreibungen

80 000 Euro

kalkulatorische Kosten

70 000 Euro

=

Betriebsergebnis

250 000 Euro

Der Cash Flow errechnet sich nun wie folgt ausgehend vom Betriebsergebnis: Nicht einzahlungswirksame Vorgänge, etwa die Zuschreibung nach einer Gebäudesanierung, die zu subtrahieren wären, liegen in dem Beispiel nicht vor. Als nicht auszahlungswirksame Vorgänge gibt es Abschreibungen (80 000 Euro) und kalkulatorische Kosten (70 000 Euro). Sie sind zum Betriebsergebnis zu addieren. Der Cash Flow beträgt damit 400 000 Euro. Noch einmal zum Vergleich: Der Betriebsgewinn liegt bei 250 000 Euro.

Was sagt der Cash Flow aus?

  • Mit dem Cash Flow erhält der Apothekenleiter die Information darüber, welche finanziellen Mittel seine Apotheke in einem bestimmten Zeitraum erwirtschaftet hat. Diese liquiden Mittel lassen sich für Investitionen in die Apotheke verwenden, für Anlagen am Kapitalmarkt oder für den Abbau von Schulden. Eine solche Entscheidung ist Gegenstand der Investitionsrechnung.
  • Der Cash Flow ist – neben dem Verschuldungsgrad – ein Indikator, um die Bonität einer Apotheke zu beurteilen. Mit einem hohen Verschuldungsgrad (siehe auch: Kennzahl des Monats Kapitalrentabilität) steuert die Apotheke im schlechten Fall auf eine Insolvenz wegen Überschuldung zu, mit zu geringen bzw. fehlenden Barmitteln (Cash) auf eine Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit.
  • Ein hoher Cash Flow zeigt die Unabhängigkeit der Apotheke von Kapitalgebern bzw. bei einem höheren Kapitalbedarf eine hohe Bonität an (und jeweils umgekehrt).

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