12.08.2019

Kennzahl des Monats August: Pagatorische Kosten

von Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, kommt nicht umhin, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen. Wir stellen deshalb – im Magazin und auf dem Portal – in jedem Monat eine Kennzahl vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Praxis für die Apotheke hat.

Zeichnung: Geld und Geschäftsleute mit Taschenrechner

© sesame / Getty Images / iStock

Begriffsklärung

Kosten lassen sich als der Verzehr von Werten verstehen, dabei lassen sich pagatorische sowie kalkulatorische Kosten unterscheiden. Pagatorische Kosten sind immer mit einer Auszahlung verbunden, kalkulatorische Kosten nie. Kalkulatorische Kosten werden in Zusatzkosten und Anderskosten unterschieden. Dazu an anderer Stelle mehr.

Pagatorische Kosten entstehen z. B. für Personal, Räume, Ladenausstattung, Botenfahrzeuge, Werbung und Fremdkapital. Bei manchen pagatorischen Kosten fallen sofort Auszahlungen an, z. B. für Gehälter, Miete und Fremdkapitalzinsen. Bei anderen pagatorischen Kosten entstehen die Auszahlungen zu einem anderen Zeitpunkt.

Praktisches Beispiel

Nehmen wir das Beispiel eines Kommissionierautomaten, der für 50 000 Euro gekauft wird. Sein Anschaffungspreis wird als Abschreibungen und damit als Kosten über mehrere Jahre hinweg verteilt. Bei einer Nutzungsdauer von zehn Jahren und linearer Abschreibung sind das 5000 Euro pro Jahr. Die Auszahlungen können zu völlig anderen Zeitpunkten anfallen, etwa am Anfang, wenn der gesamte Betrag bezahlt wird, oder über mehrere Jahre hinweg, wenn der Anschaffungspreis in Raten bezahlt wird.

Die Zeitpunkte von Auszahlungen und Kosten  können auseinanderfallen.

Auch in anderen Fällen können die Zeitpunkte von Auszahlung und Kosten auseinanderfallen, etwa bei der Beschaffung von Verbrauchsmaterialien. Die Auszahlung erfolgt bei der Bezahlung der Rechnung, Kosten entstehen erst dann, wenn das Material verbraucht wird. Bislang nicht verbrauchte Materialien werden als Lagerbestände erfasst, gehen also in das Umlaufvermögen ein. Das Gleiche gilt für angeschaffte Handelswaren. Sie werden erst zum Zeitpunkt des Verkaufs zu Kosten, bis dahin werden sie als Umlaufvermögen erfasst.

Analyse

Wenn die Zeitpunkte von Auszahlungen und Kosten auseinanderfallen, ist es wichtig, zwischen der Liquiditätsrechnung und der Erfolgsrechnung zu unterscheiden. Hohe Auszahlungen für den Kauf von Gegenständen des Anlagevermögens sowie von Vorräten an Verbrauchsgütern und Handelswaren erfordern finanzielle Mittel. Hierfür fallen Kosten an, entweder als pagatorische Kosten für das Fremdkapital oder als kalkulatorische Kosten für das Eigenkapital.

Der Werteverzehr für die genannten Gegenstände des Anlage- und Umlaufvermögens fällt erst später an. Entsprechend kommt es auch erst später zu Einzahlungen, mit denen dann die Abschreibungen sowie die verwendeten Verbrauchsmaterialien und die verkauften Handelswaren refinanziert werden.

Es sollte also darüber nachgedacht werden, in welcher Höhe Ausgaben für Gegenstände des Anlage- und des Umlaufvermögens getätigt werden. Hohe Vorräte nehmen nicht nur Lagerkapazitäten in Anspruch, sondern binden auch liquide Mittel. Besonders günstige Beschaffungspreise eines Lieferanten tauchen in der Erfolgsrechnung erst dann auf, wenn die Produkte verkauft werden. Zuvor sind sie nicht erfolgswirksam.


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