28.03.2019

Kennzahl des Monats April: Lagerumschlag

von Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, muss sich auch mit Kennzahlen beschäftigen. Wir stellen deshalb, im Magazin und auf dem Portal, allmonatlich eine Kennzahl vor und erläutern deren Bedeutung für die Praxis.

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Der Lagerumschlag (auch Umschlag, Lagerumschlagshäufigkeit, Umschlagshäufigkeit) gibt an, wie oft der durchschnittliche Bestand an Waren in einem bestimmten Zeitraum verkauft wurde. Diese Kennzahl lässt sich in Mengen oder in Werten (Euro etc.) darstellen.

Mengenmäßiger Umschlag-- Der durchschnittliche Bestand an Waren berechnet sich wie folgt: (Anfangsbestand + Endbestand) : 2. Eine solche vereinfachte Berechnung geht davon aus, dass die Lagerzu- und -abgänge weitgehend gleichmäßig verlaufen. Ein Beispiel: Der Anfangsbestand betrug 2000 Einheiten, der Endbestand 1500. In einem Jahr wurden 10 500 Einheiten verkauft, der Lagerumschlag ist 6. Das Lager reicht im Abverkauf für durchschnittlich 60 Tage (360 : 6).

Wertmäßiger Umschlag-- Dieser benötigt einen Preis zur Bewertung der Mengen, etwa den Einstandspreis. Wenn man, wie hier, von konstanten Einkaufspreisen ausgeht, etwa vier Euro pro Packung, ist der wertmäßige durchschnittliche Bestand an Waren in unserem Beispiel: (8000 Euro + 6000 Euro) : 2 = 7000 Euro, der Lagerumschlag 6 (42 000 Euro : 7000 Euro).

Betrachtet der Apotheker allein den mengenmäßigen Lagerumschlag, geht ihm allerdings die Information zur Höhe der Kapitalbindung verloren. Somit können auch keine Aussagen über die Kosten der Kapitalbindung gemacht werden. Insoweit ist die wertmäßige Berechnung des Lagerumschlages sinnvoll.

Serie Kennzahl des Monats

Was sagt der Lagerumschlag aus?

Niedrige Werte stehen für lange Lagerung und schleppenden Abverkauf, bei hohen Werten ist es umgekehrt. Niedrige Werte können vermieden, der Umschlag gesteigert werden, wenn der durchschnittliche Lagerbestand abgebaut wird, z. B. von 7000 auf 4000 Euro bzw. von 1750 auf 1000 Einheiten. Bei gleichbleibendem Verkauf müsste sich dann die Zahl der Bestellungen erhöhen, mit jeweils niedrigeren Bestellmengen. Dadurch erhöhen sich die Bestellkosten, zum einen durch die zusätzliche Zeit für die Abwicklung von Bestellungen, die Entgegennahme und das Einräumen der Ware. Dies schlägt sich in höheren Handlungskosten nieder. Zum anderen können bei niedrigeren Bestellmengen die Einstandspreise höher sein, etwa durch geringere Mengenrabatte oder Mindermengenaufschläge. Das schlägt sich in niedrigeren Roherträgen nieder, sofern die Verkaufspreise gleich bleiben.

Praktische Umsetzung

An dieser Stelle ist es sinnvoll, einen Blick auf den mengenmäßigen Umschlag zu werfen. Denn bei hohen Preisen ist der mengenmäßige Umschlag niedrig, bei niedrigen Preisen ist er hoch. Schlägt man – insbesondere – bei hohen Preisen den Weg ein, den durchschnittlichen Lagerbestand durch Reduzierung der Bestellmengen abzubauen, so steigt das Risiko, nicht verkaufen zu können, weil die Ware nicht da ist. Dieses Risiko lässt sich eingrenzen, indem ein Sicherheitsbestand bzw. Mindestbestand eingeplant wird.

Der Abbau von Lagerbeständen ist also so lange sinnvoll, wie die Abverkaufsfähigkeit nicht beeinträchtigt wird und die zusätzlichen Bestellkosten die eingesparten Kosten der Lagerhaltung (Kapitalbindungskosten, Bewirtschaftung des Lagers) nicht übersteigen. Und: Der Lagerumschlag lässt sich auch durch einen erhöhten Abverkauf steigern.


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