08.04.2020

Kennzahl des Monats April: Flächenproduktivität

von Prof. Dr. Hendrik Schröder

Wer eine Apotheke erfolgreich führen will, kommt nicht umhin, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen. Wir stellen deshalb jeden Monat eine Kennzahl vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Praxis für die Apotheke hat.

Apothekenregal

© drogatnev / Getty Images / iStock

Begriffsklärung

Werden Erfolgsgrößen, wie z. B. Umsatz oder Rohertrag, ins Verhältnis zu den Faktoren gesetzt, die diesen Erfolg erwirtschaftet haben, wie z. B. Mitarbeiter, Verkaufsfläche oder Kapital, dann spricht man von Produktivitäten. Entsprechend sind dies die Mitarbeiterproduktivität, die Flächenproduktivität und die Kapitalproduktivität (geläufiger ist der Begriff Kapitalrentabilität).

Diese Faktoren fließen ein

Sie lesen in einer Statistik von Statista, dass die Flächenproduktivität in Apotheken in Deutschland im Jahr 2013 etwa 33 000 Euro Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche betragen hat: Was steckt hinter dieser Aussage?

Zunächst ist zu fragen, wie die Flächenproduktivität ermittelt wird. Dies ist alles andere als trivial und wird nicht einheitlich gehandhabt. Sowohl beim Umsatz und Rohertrag als auch bei der Verkaufsfläche ist zu klären, nach welchen Regeln die jeweiligen Größen berechnet werden. Die Begriffe Umsatz und Rohertrag sind bereits an anderer Stelle erläutert worden (siehe auch Kennzahlen des Monats: Umsatz bzw. Warenrohertrag).

Wie wird die Verkaufsfläche ermittelt?

Zur Abgrenzung der Verkaufsfläche kann man eine juristische und eine ökonomische Sichtweise einnehmen.

Die Rechtsprechung befasst sich mit der Frage der Verkaufsfläche z. B. bei der Ansiedlung von Einzelhandelsbetrieben (siehe Baunutzungsverordnung). In der ökonomischen Sichtweise kann man die Verkaufsfläche als jene Fläche bezeichnen, die den Kunden zur Verfügung steht, um zu den Waren zu gelangen (Laufwege), sie anzusehen (Warenträger) und gegebenenfalls an- oder auszuprobieren (z. B. Umkleidekabinen, Beratungszonen).

Serie Kennzahl des Monats

Sonderfall Apotheke

In Apotheken ist die Besonderheit zu beachten, dass sich das Sortiment in erstens verschreibungspflichtige, zweitens apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel (OTC-Artikel) und drittens das apothekenübliche Ergänzungssortiment (Freiwahl) unterteilt.

  • Die Rx-Arzneimittel sehen die Kunden vor dem Kauf nicht, weil sie nicht auf der Verkaufsfläche präsentiert werden. Daher macht es keinen Sinn, ihre Umsätze in die Berechnung der Flächenproduktivität einzubeziehen. Hier sollten Kennzahlen wie Kapitalbindung und Lagerumschlaghäufigkeit herangezogen werden.
  • Bei OTC-Artikeln kann es sein, dass in den Regalen Leerpackungen stehen oder eine virtuelle Sichtwahl verwendet wird. In beiden Fällen finden sich also keine verkaufsfertigen Produkte im Regal. Gleichwohl kann die Präsentationsfläche zur Ermittlung der Flächenproduktivität herangezogen werden.
  • Stehen verkaufsfertige Produkte oder Leerpackungen in der Sichtwahl, sollte nicht die Grundfläche herangezogen werden, sondern die Fläche, die sich durch die Anzahl der Regalböden ergibt. Denn je nach der Anzahl der übereinander angebrachten Regalböden kann die Gesamtfläche deutlich variieren, ab zwei Böden ist sie größer als die Grundfläche.
  • Bei einer virtuellen Sichtwahl steht man vor einer anderen Herausforderung. Denn es stehen keine Packungen im Regal und die Präsentation von Artikeln der Sichtwahl lässt sich nach Bedarf ändern. Die Fläche wäre dann entweder die Grundfläche der Monitore oder die Fläche der Monitore. Die wenigsten Experten dürften sich hierüber bei der Berechnung der Verkaufsfläche bislang Gedanken gemacht haben.
  • Bleibt als dritter Bereich die Freiwahl. Aus dem Grund guter Vergleichbarkeit ist es hier ebenfalls sinnvoll, die Regalfläche und nicht die Grundfläche der Regale heranzuziehen. Dies geschieht bei der Berechnung der Verkaufsfläche im sonstigen Einzelhandel übrigens nicht.

Stichwort Vergleichbarkeit

Die Flächenproduktivität kann grundsätzlich als Maßstab für die Leistungsfähigkeit einer Apotheke herangezogen werden. Vergleiche mit Betrieben des anderen Einzelhandels (Querschnittanalyse) sind schwierig, auch Vergleiche mit anderen Apotheken, wenn die genannten Unterschiede nicht angemessen berücksichtigt werden. An dieser Stelle lässt sich eines sagen: Der eingangs genannte Wert zur Flächenproduktivität in Apotheken (etwa 33 000 Euro Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche) ist aus den genannten Gründen für Vergleiche wenig brauchbar.

Fazit

Für die Längsschnittanalyse in einer Apotheke ist die Flächenproduktivität eine wesentliche Kennzahl für Entscheidungen. So hat eine Apotheke eine Entscheidungsgrundlage dafür, ob sie einer Warengruppe innerhalb der Sicht- oder der Freiwahl mehr und im Gegenzug einer anderen Warengruppe weniger Fläche geben will. Ebenso eignet sich die Kennzahl für die Entscheidung, ob der Sichtwahl mehr und der Freiwahl weniger Fläche gegeben werden soll oder umgekehrt.


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