28.08.2018

Im Umbruch: Umfrage zur Digitalisierung

von Gabi Kannamüller

Die Digitalisierung ist dabei, die Arbeitswelt rasant zu verändern. Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer verspürt davon in der eigenen Apotheke allerdings nur wenig, wie die aktuelle Umfrage in DAS APOTHEKER FORUM zeigt. Alle anderen jedoch scheinen durchaus intensiv mit der neuen Entwicklung beschäftigt – und dies mit unterschiedlichen Erfahrungen.

Grafik zur DAF-Umfrage Digitalisierung.

© Springer Medizin Verlag

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Die überwiegende Mehrheit der 84 Umfrageteilnehmer (80  %) sieht in der Digitalisierung höchste bzw. hohe Relevanz für die Apotheken allgemein. In der eigenen Apotheke bemerkt zwar nur jeder zweite Umfrageteilnehmer (51  %) entsprechende Veränderungen; alle übrigen jedoch stellen fest, dass die Digitalisierung in ihrer Apotheke durchaus zügig voranschreitet.

Zeitersparnis dank Digitalisierung

Die Auswirkungen können auch positiv sein: Arbeitsprozesse würden vereinfacht und beschleunigt, Fehler reduziert, merken Umfrageteilnehmer an und begrüßen zudem das Näherrücken des papierlosen Büros. Vorteile sieht man auch im Hinblick auf die Kundenansprache: Der Einsatz digitaler Marketingmaßnahmen mache es möglich, junge Kundschaft für die Apotheke zu gewinnen.

Kundenbindung-- So stellt eine Apothekerin aus Baden-Württemberg fest, mittels Bestell-App sei ein schneller und unkomplizierter Kontakt zur Apotheke möglich: „Auch junge Klientel wird angesprochen und von der Bestellung übers Internet abgehalten.“ Weitere Vorteile nennt eine Teilnehmerin aus Berlin: Der Kommissionierautomat ermögliche maximalen Kundenkontakt und Kundenbindung, die Nutzung von Tablets erleichtere die Arbeit der PKA, und die Mitarbeiter könnten mit den Tablets Fortbildungen absolvieren, um ihr Wissen aufzufrischen und zu erhalten. Überhaupt ist digitales Marketing für die Mehrzahl der Umfrageteilnehmer bereits Alltag. Mehr als jeder zweite (55  %) nutzt eine Apotheken-App, nahezu ebenso viele (50  %) setzen auf ein digitales Informationsangebot. Social Media/soziale Netzwerke rangieren auf Platz 3 (37  %). Etliche Antworten zeigen auch den Vorbehalt so mancher Pharmazeuten gegenüber der Digitalisierung. Häufig heißt es, man sehe darin keinerlei Vorteile, das digitale Marketing fällt deshalb bei dem einen oder anderen komplett unter den Tisch: Man habe „zum Glück nur persönliche Kontakte“.


Ungeliebtes Thema Datenschutz

Besonders deutlich wurden diese Vorbehalte im Zusammenhang mit der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und den damit verbundenen Änderungen. Das Thema bot im Vorfeld Zündstoff für Diskussionen und bescherte in den Augen einiger Apotheker nur unnötige Mehrarbeit – auch den Mitgliedern von DAS APOTHEKER FORUM. „Meine Tochter hat das Pfingstwochenende für den Unfug geopfert und alles zeitnah vorbereitet, damit unsere Kunden in der Offizin vor der Datenschutzerklärung Schlange stehen und sich über wichtigere Dinge als ihre Medikation und Gesundheit informieren können“, schreibt eine Apothekerin aus Wuppertal.

Entsprechend lagerten einige der Umfrageteilnehmer die notwendigen Anpassungen an die DSGVO gleich aus und griffen auf die Hilfe eines externen Datenschutzbeauftragten zurück. Die Variante „Abwarten und Nichtstun“ wählte nach eigener Aussage eine Teilnehmerin aus Köln. Ein möglicherweise riskantes Verhalten, gab doch die Mehrzahl der Umfrageteilnehmer (58  %) an, sie würden, natürlich im Rahmen des Datenschutzes, umfassend Daten ihrer Kunden sammeln.

Wie geht es weiter?

Die zunehmende Digitalisierung verlangt nicht nur verstärkte Aufmerksamkeit in Sachen Datenschutz; sie bedeutet auch technisches Aufrüsten. Immerhin jeder fünfte der Teilnehmer hat bereits in die IT investiert, doppelt so viele (44  %) denken darüber nach – fast jeder Dritte allerdings (32  %) wird für Technik keine zusätzlichen Mittel lockermachen. Klar in der Minderheit ist damit das knappe Drittel der Teilnehmer (31  %), die bereits Info- bzw. Bestellterminals installiert haben, Zukunftsmusik ist für die meisten auch die Installation einer virtuellen Sichtwahl (4  %) sowie der Verkauf von Wearables und die Auswertung von Gesundheitsdaten (7  %).

Fort- und Weiterbildung-- Auseinandergesetzt haben sich viele Umfrageteilnehmer allerdings bereits mit der Frage, ob sich die Deutungshoheit der Apotheker künftig verändern könnte. Immerhin werden die Kunden künftig in immer höheren Maße Informationen im Internet recherchieren. Zwei von drei Teilnehmern (68  %) wollen deshalb stärker in Fort- und Weiterbildung investieren, um für ihre Kunden mittel- bis langfristig eine wichtige und häufig aufgesuchte Informationsquelle zu bleiben. Jeder Fünfte gab an, er habe dazu sogar ein eigenes Konzept entwickelt, um die Kundenbindung langfristig zu stärken.

Führungsaufgaben-- Last but not least dürften Apothekenleiter künftig über die verstärkte Konzeptionierung hinaus mit strukturierenden Führungsaufgaben beschäftigt sein: das Netzwerk Apotheke zu managen, Ergebnisse zusammenzuführen und zu kommunizieren. So wurden die Mitglieder in DAS APOTHEKER FORUM abschließend auch gefragt, inwiefern sie sich bereits heute mit dieser Rolle beschäftigen. Fast 30 Prozent erklärten, sie würden bereits daran arbeiten, nahezu ebenso viele (31  %) haben dies vor.


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