28.03.2019

Hoher Aufwand

von Christoph Niekamp

Die EU-Fälschungsschutzrichtlinie für Arzneimittel muss sich seit Februar im Praxistest bewähren. Nach und nach werden alle verschreibungspflichtigen Medikamente die Securpharm-Sicherheitsmerkmale tragen. Die aktuelle Umfrage in DAS APOTHEKER FORUM offenbart, dass die Meinungen zum neuen Schutzsystem weit auseinandergehen.

Wie gut waren Sie auf Securpharm vorbereitet?

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Als die Publikumspresse Anfang Februar von einem neuen „Personalausweis für alle Medikamente“ berichtete, erfuhren die meisten Deutschen zum ersten Mal von der EU-Fälschungsschutzrichtlinie, die am 09. Februar 2019 in Kraft getreten ist. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Verantwortlichen in den Apotheken, im Großhandel, bei den Softwareanbietern und in der Pharmaindustrie bereits eine lange Vorbereitungszeit hinter sich.

Themenspecial zu Securpharm

Alles auf einen Blick: In unserem aktuellen Dossier haben wir wichtige Fakten und Informationen rund um das neue europäische System zur Arzneimittelsicherheit für Apotheker zusammengefasst.

Insgesamt 126 Apotheker aus ganz Deutschland haben in DAS APOTHEKER FORUM ihre Erfahrungen mit Securpharm geschildert. Die Umfrageteilnehmer sprachen Probleme an und bewerteten die Unterstützung der einzelnen Akteure. Um zum Securpharm-System zugelassen zu werden, musste sich jede Apotheke bei der Netzgesellschaft Deutscher Apotheker mbH (NGDA) registrieren und ein N-Ident-Zertifikat für 20 Euro kaufen. Das Zertifikat ist 24 Monate gültig. Pro Monat bezahlen Inhaber zehn Euro für den Zugang zum Securpharm-System.

Mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer haben im Vorfeld ihre Mitarbeiter geschult, rund drei Viertel haben die Software aktualisiert, und die Hälfte musste neue Scanner kaufen. Die Kosten regen eine Apothekerin aus Hessen am meisten auf: „Da Schlimmste ist eigentlich, dass man für den ganzen Mehraufwand noch zahlen muss.“

Hilfe im Vorfeld

Vor dem Start informierten verschiedene Stellen über das neue System Securpharm. Die Umfrageteilnehmer bewerteten die Unterstützung durch die Softwareanbieter am positivsten. Rund zwei Drittel gaben an, mit der Hilfe der IT-Experten zufrieden bzw. sehr zufrieden zu sein. Auf dem zweiten Platz landeten die Fachmedien. Die meisten negativen Beurteilungen erhielten die Pharmahersteller und die ABDA. 43 bzw. 34 Prozent der Umfrageteilnehmer zeigten sich unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden mit der Unterstützung im Vorfeld.

Ein Problem, das viele der antwortenden Apotheker umtreibt, sind schwer lesbare Codes. In der Übergangszeit befinden sich neue und alte Packungen im Lager. Bestandware werde vom System fälschlicherweise als nicht abgabefähig markiert. Manche sprechen von überforderten Mitarbeitern, andere von ungeduldigen Kunden.

Apotheken mit Kommissionierautomaten fehlt oft noch eine passende Schnittstelle zur Warenwirtschaft. Diese Fehler der Anfangswochen werden nach und nach behoben.

Was sollte noch verbessert werden? Ein Apotheker aus Schleswig-Holstein meint: „Jetzt ist es eh zu spät. Die Hersteller hätten vor Jahren auf den neuen Code verpflichtet werden müssen, dann hätten wir jetzt keine jahrelange Übergangszeit, bis auch die letzte Bestandsware abgegeben ist. So wirklich weiß man bei einer Packung nie, ob sie nicht Altware ist.“


Fälschungen aus dem Internet

Der Skandal um den Importeur Lunapharm schreckte vergangenes Jahr die Öffentlichkeit auf. Doch das sei eine Ausnahme, denn die legale Lieferkette sei in Deutschland sehr sicher, finden mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer. Fälschungen aus dem Netz seien das eigentliche Problem, meint eine Apothekerin aus Rheinland-Pfalz: „Internet-Fälschungen werden durch das System nicht verhindert. Der Quotient Fälschungen zu abgegebenen Packungen im Apothekenalltag geht gegen null. Der Grundgedanke ist gut, der Apothekenalltag wird jedoch blockiert zu Lasten der Flexibilität bei der schnellstmöglichen Versorgung der Bevölkerung mit benötigten Arzneimitteln.“ Die Sicherheit von Arzneimitteln sei mehr bei illegalen Versandwegen in Gefahr. Und an diese Wege komme das Sicherheitssystem nicht heran, sagt auch eine Apothekerin aus Saarbrücken.

Chargennummer und Verfallsdatum können im Wareneingang maschinell erfasst werden. Trotzdem ist das erneute Scannen jeder Packung Pflicht, wenn der Kunde sie erhält. Das doppelte Scannen sei eine gravierende Fehlerquelle, berichtet ein Apotheker aus Niedersachsen: „Der Scan beim Abverkauf an der Kasse muss abgeschafft werden, da er immer wieder vergessen wird. In nicht seltenen Fällen wird der Vorgang an der Kasse aufgrund von Unklarheiten (z. B. Rezept muss vom Arzt noch einmal gegengezeichnet werden) nicht abgeschlossen, die Ware aber bereits an den Kunden abgegeben und dann der Securpharmscan nicht durchgeführt.“

In der Umfrage gab jeder vierte Teilnehmer zu, dass er oder ein Mitarbeiter bereits eine verifizierungspflichtige Packung abgegeben hätten, ohne den Data-Matrix-Code zu scannen. Ein Drittel war sich nicht sicher, ob ihnen dieser Fehler bereits unterlaufen ist.


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