15.05.2017

HIV: fast normale Lebenserwartung

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(tm/fast) Analysen in 18 europäischen und nordamerikanischen Kohorten haben jetzt bestätigt, dass HIV-infizierte Menschen heute deutlich länger leben als noch in den 1990er-Jahren oder zu Beginn dieses Jahrhunderts. Die Lebenserwartung kommt jener in der Gesamtbevölkerung sehr nahe, erreicht sie aber noch nicht ganz.

Das berichtet die internationale Antiretroviral Therapy Cohort Collaboration (ART-CC) in "The Lancet HIV". Der Forschungsverbund hat Daten von 88 504 HIV-Patienten ausgewertet, die zwischen 1996 und 2010 eine ART begonnen hatten. Demnach fiel die Gesamtmortalitätsrate bei HIV-Infizierten mit Therapiebeginn zwischen 2008 und 2010 um 29 Prozent niedriger aus als bei Therapiebeginn zwischen 2000 und 2003. Dieser Erfolg war in der Gruppe jener Patienten, die intravenös Drogen konsumieren, geringer, bestätigte sich aber ansonsten in fast allen betrachteten Subgruppen.

Zwischen 1996 und 2010 stieg die Lebenserwartung einer 20-jährigen Frau mit HIV, die eine ART beginnt, um neun Jahre, die eines 20-jährigen Mannes um zehn Jahre. In Europa werden diese Patienten schätzungsweise 68 Jahre alt, in Nordamerika etwa 66 Jahre, so die Berechnungen der Studienautoren. Bezieht man die CD4-Zellzahl ein, prognostizieren sie derzeit für einen 20 Jahre alten Patienten, der nach einem Jahr Therapie eine CD-4-Zellzahl von über 350/Mikroliter aufweist, eine Lebenserwartung von sogar 78 Jahren. Die Daten stützen zudem die seit 2015 empfohlene Praxis, stets bei allen HIV-Patienten die ART unmittelbar nach Diagnosestellung zu beginnen.

Diese günstige Entwicklung sei nicht allein auf die verbesserte Effektivität und Verträglichkeit moderner antiretroviraler Medikamente zurückzuführen, meint das Autorenteam. Es müssen deutlich weniger Medikamente eingenommen werden, und die Therapieregimes sind einfacher als früher, die Virusreplikation wird besser verhindert, und die Viren haben es schwerer, Resistenzen zu entwickeln. Treten doch Resistenzen auf, stehen verschiedene Alternativregimes zur Verfügung. Die verringerte Toxizität führt zu einer besseren Therapieadhärenz, Screening- und Präventionsprogramme greifen.

Die positiven Resultate all dieser Bemühungen, schränken die Forscher ein, treffen freilich nur zu auf entwickelte Länder und dort wiederum auf Patienten mit hohem sozioökonomischen Status. Unter diesen Umständen sei es unwahrscheinlich, dass die Sterberaten mit neuentwickelten Medikamenten noch wesentlich verringert werden könnten. Bei Drogengebrauchern müsse die ART gefördert, der Zugang zur Therapie verbessert werden, fordert Trickey, besonders auch bei Hepatitis-C-Koinfektion. Denn die Mehrheit HIV-bedingter Todesfälle betrifft heute Menschen, die gar nicht behandelt werden.

Quelle: Ärzte Zeitung


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