07.02.2017

Gut gelaufen: Der OTC-Markt 2016

von Gabi Kannamüller

Alljährlich Ende Januar legt IMS Health* all jene relevanten Zahlen vor, die den OTC-Markt im vorangegangenen Jahr charakterisieren. Für das Jahr 2016 ist abermals nur Positives zu vermelden – sowohl, was den Umsatz mit OTC-Produkten angeht, als auch die Entwicklung der Vor-Ort-Apotheke sowie des Apothekenversandhandels.

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Der Umsatz mit OTC-Produkten in der Apotheke (Offizin-Apotheke und Apothekenversandhandel) ist im Jahr 2016 um 304,6 Mio. Euro (plus 3,8 %) auf 8396,5 Mio. Euro gestiegen. Dabei nahm die Zahl der abgegebenen Packungen um 10,2 Mio. auf 905,2 Mio. Packungen zu, was einem Plus von 1,1 Prozent entspricht. Überdurchschnittlich gewachsen ist 2016 der Apothekenversandhandel: Insgesamt erzielte er einen Umsatz von 1198,6 Mio. Euro, was ein Plus von 162,4 Mio. Euro bedeutet (15,7 %). Die Vor-Ort-Apotheke wiederum steigerte den Umsatz um 142,3 Mio. Euro (plus 2 %) auf  7197,9 Mio. Euro. Der Versandhandelsanteil lag 2016 bei 14 Prozent (2015 waren es noch 13 %).

Tab. 1: Offizin und Versandhandel 2016 gesamt und im 4. Quartal 2016

Umsatz in Mio. Euro 2016 Veränd. in % geg. Vorjahr Umsatz in Mio. Euro 4. Qu. 2016 Veränd. in % geg. Vorjahr
Arznei- und Nichtarzneimittel gesamt 8396,5 3,8 2274,6 7,1
Offizin-Apotheke 7197,9 2,0 1953,1 5,3
Versandhandel 1198,6 15,7 321,5 19,6

Umsatzhoch von Oktober bis Dezember

Zu dem positiven Gesamtergebnis 2016 hat besonders stark das vierte Quartal 2016 beigetragen. Mit einem Plus von 7,1 Prozent wurde im vierten Quartal der Umsatz des Vorjahres deutlich übertroffen. Erkältungskrankheiten, aber auch Magen-Darmerkrankungen waren die Ursache für eine überdurchschnittliche Nachfrage nach entsprechenden Produkten in den Monaten November und Dezember 2016. 

Selbstmedikation sorgt für Wachstum

Das Wachstum wird vor allem von der Selbstmedikation getragen, deren Anteil bei über 80 Prozent liegt. 60 Prozent der Verordnungen von rezeptfreien Produkten werden auf einem Privat- oder Grünen Rezept verordnet. 40 Prozent sind Verordnungen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenkassen.

Tab. 2: Selbstmedikation und Verordnungen 2016 gesamt und im 4. Quartal 2016

Umsatz in Mio. Euro 2016

Veränd. in % geg. Vorjahr Umsatz in Mio. Euro 4. Q. 2016 Veränd. in % geg. Vorjahr
Arznei- und Nichtarzneimittel gesamt 8396,5 3,8 2274,6 7,1
Selbstmedikation 6885,8 4,2 1878,2 8,0
Verordnungen 1510,7 1,7 396,4 3,2

Fast alle Teilmärkte legten zu

Mit wenigen Ausnahmen  verzeichneten alle OTC-Märkte 2016 eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr; auch im vierten Quartal zeigt sich ein breites Wachstum. Verluste gegenüber dem Vorjahr gab es jedoch bei Ohrenpräparaten und Produkten für die gesunde Gewichtsabnahme. Letztere mussten zwar in der Jahresbetrachtung einen Umsatzrückgang von 6,6 Prozent hinnehmen; im vierten Quartal 2016 gab es jedoch aufgrund einer Neueinführung wieder deutliche Zuwachsraten von 9,3 Prozent. 

Tab. 3: Arznei- und Nichtarzneimittel 2016 gesamt und im 4. Quartal 2016

Umsatz in Mio. Euro 2016 Veränd. in % geg. Vorjahr Umsatz in Mio. Euro 4. Q. 2016 Veränd. in % geg. Vorjahr
Arznei- und Nichtarzneimittel gesamt 8396,5 3,8 2274,6 7,1
Husten- und Erkältungsmittel/Atemwege 1898,5 1,8 611,6 14,2
Schmerzmittel/Präparate Muskeln u. Gelenke 1307,6 3,3 343,4 3,3
Präparate für den Verdauungstrakt 1178,5 5,5 309,6 6,6
Vitamine/Mineralstoffe/Nahrungsergänzung 914,4 5,7 242,3 7,1
Hautmittel 797,6 5,1 181,8 5,9
Herz- und Kreislauf-Mittel 514,5 1,9 127,0 1,1
Augenpräparate 371,5 5,2 88,1 3,7
Mittel für Blase/Fortpflanzungsorgane 330,5 7,2 85,5 5,9
Verschiedenes 282,0 2,4 71,0 3,7
Beruhigungs-/Schlafm./Stimmungsaufheller 260,1 3,9 69,4 1,5
Tonika/Geriatr./Melisse/Immunstimulanzien 194,1 3,9 56,9 5,4
Mund- und Zahnbehandlung 95,1 2,4 25,0 1,1
Mittel gegen Übelkeit 76,8 4,8 20,8 20,8
Entwöhnungsmittel 59,6 5,2 14,5 0,6
alle anderen nicht klass. Präparate 44,7 2,2 11,4 1,1
Produkte zur Gewichtsabnahme 44,2 - 6,6 9,7 9,3
Ohrenpräparate 26,7 - 1,0 6,7 - 2,3

Erkältungsmonate sorgen für Umsatzplus

Der Erkältungsmarkt verzeichnete 2016 mit einem Plus von 1,8 Prozent in der Jahresbetrachtung nur einen moderaten Anstieg des Umsatzes; im vierten Quartal gab es jedoch mit einem Plus von 14 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal einen deutlichen Anstieg in der Nachfrage. Vor allem Erkältungs- und Grippemittel waren im vierten Quartal 2016 stark gefragt: Der Umsatz stieg gegenüber dem vergleichbaren Quartal 2015 um 20,3 Prozent auf 104,6 Mio. Euro.

Damit wurde erstmals mehr Geld für Erkältungs- und Grippemittel ausgegeben als für Expektoranzien: Für diese Produkte wurden 103,1 Mio. Euro ausgegeben (plus 11,8 Prozent), für Schnupfenmittel 101,5 Mio.  Euro (plus 15,4 %) und für Produkte bei Atemwegserkrankungen 99,3 Mio. Euro (plus 18,3 %).

Blick auf den Schmerzmittelmarkt

Der Umsatz im Schmerzmittelmarkt stieg 2016 um 3,3 Prozent, der Absatz entsprach exakt dem des Vorjahres. Innerhalb des rezeptfreien Schmerzmittelmarktes sind Allgemeine Schmerzmittel für  Erwachsene und topische Muskel- und Gelenkschmerzmittel die am häufigsten gekauften Produkte, mit einem Anteil von knapp 70 Prozent an den Ausgaben und 80 Prozent aller gekauften Packungen.

Während die Nachfrage nach Allgemeinen Schmerzmitteln für Erwachsene in den vergangenen Jahren eher stagnierte, sind Umsatz und Absatz von Muskel- und Gelenkschmerzmitteln kontinuierlich gestiegen. 2016 wurde erstmals mehr für Muskel- und Gelenkschmerzprodukte ausgegeben (489,2 Mio. Euro bzw. ein Plus von 5,4 %) als für Allgemeine Schmerzmittel für Erwachsene (472,6 Mio. Euro bzw. ein Minus von 0,6 %). Auf Packungsbasis werden allerdings immer noch doppelt so viele Packungen Allgemeine Schmerzmittel abgegeben wie Muskel- und Gelenkschmerzprodukte.

Wachstumstreiber Probiotika

Präparate für den Verdauungstrakt konnten im Jahr 2016 den Umsatz überdurchschnittlich um sechs Prozent steigern. Wachstumstreiber mit hohem zweistelligen Umsatzplus waren probiotische Produkte für den Verdauungstrakt (plus 16,3 %) sowie Produkte für den Reizdarm und Krampflöser (18,9 %).

Magnesium nach wie vor gefragt

Innerhalb des Vitamin- und Mineralstoffmarktes entwickeln sich weiterhin Magnesiumpräparate positiv. Mit 178,1 Mio. Euro (plus 5 %) haben Magnesiumpräparate einen  Anteil von knapp 20 Prozent am Vitamin- und Mineralstoffmarkt. Vitamin-A+D-Produkte und  Vitamin-B-Produkte – ob als Mono-Produkte oder Kombinationsprodukte – verzeichneten wie im Vorjahr ein hohes zweistelliges Wachstum.

Trend zur medizinischen Hautpflege

Bei den Hautmitteln erreichten die höchsten Zuwachsraten die Märkte Sonstige Antiallergika, Juckreiz und Ekzeme (plus 12,3 %) sowie Produkte gegen Schuppenflechte (plus 10,3 %).Wenn die Bedeutung für Umsatz- und Absatz auch noch gering ist – hier spiegelt sich der Trend zur Nachfrage nach medizinischer Hautpflege wider.

Norovirus beeinflusst Umsatz

Mit einem Plus von 20,8 Prozent stieg der Umsatz für Mittel gegen Übelkeit im vierten Quartal extrem stark an, nachdem in den vorher gegangenen Quartalen Umsatz und Absatz  stagnierten. Ursache war ein früherer und hoher Anstieg der Norovirusinfektionen, der bereits im November in einigen Regionen zu einem verstärkten Auftreten von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führte.

Entspannter Blick aufs kommende Jahr

Die Aussichten für 2017 sind insgesamt positiv. Dafür sprechen Neueinführungen sowie verstärkte Investitionen in die Publikumswerbung, die Ansprache von Arzt und Apotheker durch die Hersteller sowie Aktivitäten im Versandhandel. Dennoch: Entscheidend für den Umsatz ist der Verlauf der Erkältungssaison. In den ersten Wochen 2017 lag die Nachfrage nach entsprechenden Produkten bereits deutlich über der des Vorjahres, was auf einen guten Jahresstart schließen lässt.

* Datenquelle Text und Tabellen: IMS OTC® Report / IMS® GesundheitsMittelStudie (GMS) Apotheke

  • IMS OTC® Report Apotheke / IMS GesundheitsMittelStudie (GMS): Abverkäufe von rezeptfreien Arzneimitteln und Gesundheitsmitteln (Nichtarzneimittel/diätetische Lebensmittel) in Apotheken.
  • Preise sind tatsächlich erzielte Apothekenverkaufspreise in Euro. 
  • Die Paneldaten von über 4000 Apotheken werden durch eine gewichtete Hochrechnung nach Apothekengrößenklassen und Gebieten auf die Grundgesamtheit projiziert. 

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