28.01.2018

Geldanlage 2018

© ApoBank

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Interview: Hauke Gerlof

Wo liegen die Chancen der Anleger im Jahr 2018 – und wo die Risiken? Welche Märkte sind für sie interessant? Und welche Stärken bzw. Schwächen zeigen sich bei den diversen Anlageformen? Zu diesen und weiteren Fragen sprachen wir mit Klaus Niedermeier von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

Herr Niedermeier, Aktienkurse und Unternehmensgewinne sind 2017 kräftig gestiegen, die Konjunktur brummt: Ist jetzt die Zeit, um in den Aktienmarkt einzusteigen?

KN: Wir haben derzeit tatsächlich ein perfektes Umfeld für Aktien, zumal die Zinsen und die Inflation niedrig sind. Gleichzeitig ist das Gewicht von Aktien in vielen Anlegerportfolios immer noch relativ gering. Hier lohnt es sich sicherlich, entsprechend dem eigenen Risikoprofil über eine höhere Gewichtung von Aktien nachzudenken. Für gut aufgestellte Depots empfehlen wir derzeit, den Aktienanteil zu halten.

Sind wir denn schon an einem vorläufigen Höhepunkt der Hausse angekommen?

KN: Nein, das glauben wir nicht, auch wenn die Bewertungen je nach Region nicht mehr überall attraktiv sind. Wenn die Gewinne weiter steigen, vielleicht um acht bis zehn Prozent, dann könnten die Kurse auch noch entsprechend weiter steigen.

Im vergangenen Jahr haben Sie eine Seitwärtsbewegung für den Dax prognostiziert, jetzt sind die Kurse um fast 20 Prozent binnen Jahresfrist gestiegen. Haben Ihre Anleger die beste Zeit für den Einstieg verpasst?

KN: Da wir auch vor einem Jahr Aktien „neutral“ eingestuft haben, haben Anleger, die unseren Empfehlungen gefolgt sind, die Kursbewegung mit ihrem Bestand voll mitgemacht. 2017 war sicherlich ein Jahr voller Unsicherheiten: US-Präsident Trump war gerade gewählt, es drohte ein harter Brexit – und dann sind wir überrascht worden von einer Wirtschaft, die sich wirklich gut entwickelt hat, getragen von allen Regionen, sowohl von Schwellenländern als auch von den entwickelten Volkswirtschaften. Vor allem in den ersten zwei Quartalen haben wir zudem eine exzellente Entwicklung bei den Unternehmensgewinnen gesehen.

Wie würden Sie bei Aktien in diesem Jahr vorgehen: eherselektiv, in Einzelwerte, über Spezialfonds oder wegen der niedrigen Gebühren eher in ETF, am besten auf die großenIndizes? Größere Engagements auf einmal oder besser Sparpläne, um den Cost-Average-Effekt zu nutzen?

KN: Das kommt ein bisschen auf die Höhe des zur Verfügung stehenden Kapitals an. Wer kleinere Beträge investieren will, für den kann es durchaus sinnvoll sein, nach und nach über Sparpläne in Aktien zu gehen – und dann von den typischen Vorteilen dieser Anlageform zu profitieren: Bei niedrigen Kursen kaufen Sie automatisch mehr Anteile und profitieren dann überdurchschnittlich, wenn die Kurse wieder steigen. Je größer die Anlagevolumina, desto individueller kann man vorgehen – desto komplexer wird aber auch die Portfoliogestaltung. Bereits ab 50 000 Euro lohnt es sich, über eine Vermögensverwaltung nachzudenken, die dann z. B. verschiedene ETF – Exchange Traded Funds – optimal miteinander kombiniert.

ETF werden zurzeit ja oft empfohlen wegen der Kostenvor-teile. Warum eigentlich?

KN: Diese Fonds bilden die Entwicklung von Aktienindizes genau ab, das heißt, als Anleger sind Sie immer so gut wie der Markt, auf den Sie setzen, sei es der Dax, der TecDax, der Dow Jones, MSCI World Health oder welcher Index auch immer. Da sie nicht aktiv gemanagt werden, sind die Kosten geringer als bei anderen Fonds. Wir glauben aber, dass aktiv gemanagte Fonds durchaus die Chance haben, über der Entwicklung von Indizes zu liegen.

Wo sehen Sie Risiken für das Anlagejahr 2018? Könnte die US-Steuerreform des US-Präsidenten den Protektionismus fördern? Wann wirkt dieses Gift auf die Weltwirtschaft – oder gibt es ein Gegengift?

KN: Die Steuerreform wird unserer Meinung nach keine großen Wachstumseffekte auf die US-Wirtschaft haben. Wir glauben aber auch, dass es selbst Donald Trump schwerfallen wird, das Rad der Globalisierung zurückzudrehen. Deswegen gehen wir hier nicht von stark negativen Effekten aus. Wir sehen eher das Risiko eines Zinsschocks, falls die US-Notenbank die Zinsen zu stark erhöhen sollte und dadurch das Wachstum in den USA abwürgt – mit spürbaren Folgen für die Weltwirtschaft. Und auch das Risiko eines harten Brexits ist noch nicht ausgeräumt, die ersten ausgehandelten Kompromisse sind noch sehr wackelig.

Welche internationalen Märkte sind 2018 für Anleger besonders interessant? Gerade auch im Hinblick auf das Währungsrisiko?

KN: Breit aufstellen, das ist für uns letztlich immer das wichtigste, um so die Risiken zu streuen. Technologiewerte, Gesundheitsmarkt sind zurzeit interessante Branchen, Europa, Deutschland und Japan sowie der asiatisch-pazifische Raum generell sind unter den Regionen besonders attraktiv.

500 Prozent oder nahe null Prozent – die Alternativen, dieNotenbanken und in der Folge auch Geschäftsbanken mitihren Zinsprodukten bieten, treiben Anlegern eher die Tränen in die Augen. Die Aussichten auf höhere Zinsen sind ja nicht besonders hoch …

KN: Die Notenbank der USA geht schon in Richtung Normalisierung. Wir sehen die Zinsen der Fed Ende kommenden Jahres nach drei weiteren Zinsschritten bei 2,25 Prozent. Wenn das in diesem Rahmen und die US-Wirtschaft auf Kurs bleibt – und danach sieht es ganz stark aus –, ist das auch kein Risiko. Immerhin wollen die USA jetzt eine Billion US-Dollar in ihre Infrastruktur stecken. In Europa sehen wir dagegen bis Ende 2019 keinen Zinsschritt, der Aufkauf von Anleihen durch die Zentralbank EZB wird jedoch im kommenden Jahr auslaufen.

Wie sieht es beim Gesundheitswesen aus? Seit Jahren sind die Wachstumsraten in der Branche höher als der Durchschnitt. Wie können Apotheker von diesem Trend profitieren?

KN: Hier gibt es zwei mögliche Stoßrichtungen: Zum einen können sie versuchen, sich möglichst breit aufzustellen, nicht nur in Pharma und Biotech zu gehen, sondern beispielsweise auch in Medizintechnik und innovative Medizinprodukte etc. Für ein solides Grundinvestment managt zum Beispiel unsere auf Gesundheitsinvestments spezialisierte Fondstochter apoAsset seit mehr als zehn Jahren den apo Medical Opportunities ...

...und die zweite Möglichkeit?

KN: Sie können natürlich auch in die Schnittstelle von High-Tech und Gesundheitswesen gehen. Hier passiert ja gerade extrem viel, denken Sie nur an Künstliche Intelligenz und an Gesundheits-Apps. Für diesen Bereich hat apoAsset beispielsweise im vergangenen Jahr den apo Digital Health aufgelegt.

Klaus Niedermeier ist stellvertretender Direktor und Leiter Investment-Research der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank).


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