29.08.2019

Die Schubert-Apotheke in Pullach

von Gabi Kannamüller

Auch bei einem Apothekenumbau gilt: Die Chemie zwischen Bauherr und Architekt muss stimmen, damit das Ergebnis überzeugt. Die Schubert-Apotheke in Pullach im Isartal ist dafür ein gelungenes Beispiel. Modern und gradlinig zeigt sie sich nach dem Umbau – und bietet doch ein warmes, anheimelndes Ambiente, in dem sich Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen wohlfühlen. Darauf sind nicht nur die beiden Inhaber stolz; das Ergebnis hat auch die Fachjurys renommierter Designpreise überzeugt.

© Gabi Kannamüller

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Vorbei geht es an Johann Sebastian Bach, an Richard Wagner, Goethe und Schiller – prominente Straßenpaten in einem ruhigen Wohnviertel der Gemeinde Pullach. Auch Franz Schubert verlieh einer der Straßen ihren Namen und damit letztlich auch der Apotheke. Die Schubert-Apotheke ist ein langgestreckter Flachdachbau mit großer Fensterfront, umgeben von viel Grün und erfreulich vielen Parkplätzen.

Hier im Münchner Süden und eine gute Fahrstunde von Garmisch-Partenkirchen und den Bergen entfernt, ist Holz ein oft verwendetes Baumaterial, innen wie außen und gerne auch kunstvoll geschnitzt oder alpenländisch angehaucht. Wer die Schubert-Apotheke betritt, erlebt Holz ganz anders. Und er erlebt viel Licht und viel luftigen Raum.

Vorstellungen umsetzen

„Wir wollten keine weiße Apotheke, die an Arztpraxen erinnert“, sagt Dr. Katalin Tisa-Bostedt, „wir wollten etwas Warmes, eine Wohlfühlapotheke“, möglichst mit Materialien, die aus der Gegend stammen. Zusammen mit Axel Schwarz leitet Tisa-Bostedt die Schubert-Apotheke. Beide hatten 2016 den Umbau in die Wege geleitet. Denn die Apotheke war in die Jahre gekommen: Bereits 1969 hatte die Mutter von Axel Schwarz sie gegründet und anschließend auch selbst geführt.

Erste Umbaupläne schmiedeten die beiden Apothekeninhaber allerdings bereits vor etwa sieben Jahren. Damals zog es Tisa-Bostedt, die zuvor zwölf Jahre in der Industrie gearbeitet hatte, wieder zurück in eine Vor-Ort-Apotheke: „Ich wollte etwas Soziales machen.“ Nach Gründung ihrer offenen Handelsgesellschaft (OHG) konkretisierten die beiden ihr Vorhaben.

Einblicke in die Schubert-Apotheke


Keine Apotheke von der Stange

Die Suche nach einem Innenarchitekturbüro, das ihre Vorstellungen umsetzen konnte, gestaltete sich allerdings schwierig: Viele Apothekenbauer hatten vor allem Vorgefertigtes im Programm, mussten die potenziellen Bauherren feststellen. Schließlich sind sie auf Raumkontor, ein Büro aus Düsseldorf, gestoßen, das sich zwar nicht auf Apotheken spezialisiert, jedoch bereits einige Projekte umgesetzt hatte. „Und dann ging alles relativ schnell“, erzählt Tisa-Bostedt mit leuchtenden Augen. „Wir sind beide nach Düsseldorf geflogen“, und nach einem kurzen Kennenlernen war klar: Architekten und Bauherren passen zueinander. Die Chemie stimmt.

Holz, klare Linien und tanzende Monde

Um Wärme in den Raum zu bringen, setzten die Architekten auf die „gestreiften und gebürsteten Holzstrukturen der Eiche“ und den im nahen Umland abgebauten Kalkstein – und dies mit klarer Linienführung statt Biederkeit oder Alpentümelei.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Beleuchtungskonzept. Das Ziel, so die Planer: die warme Atmosphäre zu unterstützen und zugleich brillant die Ware in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. Dabei prägen in hohem Maße die tanzenden Pendelleuchten über dem langen HV-Tisch das Gesicht der Apotheke. Als Nachtbeleuchtung eingesetzt, sind sie schon von weitem durch die großen Schaufensterscheiben als tanzende Monde zu sehen.

Dieser durchdachte und funktionale Stil hat auch die Jurys renommierter Preisgerichte überzeugt und dem Architekturbüro sowie der Schubert-Apotheke 2019 bereits zwei Preise eingebracht – einen Award in der Kategorie „Space“ beim „DDC-Wettbewerb Gute Gestaltung 19“ und die goldene Trophäe in der Kategorie „Best Store Concept“ beim „Brand-Ex Award 2019“ – sowie eine Nominierung im Rahmen des „Lichtdesignpreis 2019“.

Teamsache Umbau

Lediglich ein Jahr ist vergangen von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Wiedereröffnung, sagt Tisa-Bostedt. Ein heftiges Jahr allerdings. Die Apotheke wurde – abgesegnet vom Pharmazierat – in einem Nebenraum weitergeführt, die Arzneimittel wurden vorübergehend im Keller gelagert. Das Team musste hunderte Male täglich „die Stufen rauf und runter laufen“, doch „die Kunden haben uns die Treue gehalten“ und standen draußen im Innenhof geduldig Schlange.

Die Gemeinde feiert mit
Am Schluss wartete die nächste solidarische Aktion: Die Familie, die Mitarbeiter – alle haben beim Einräumen der Apotheke geholfen. Und die Geistlichen des Ortes folgten der Einladung, die Eröffnung am 11. November 2017 mit einem ökumenischen Segen zu begleiten. Anschließend wurde gefeiert, mit Kunden und Mitarbeitern in einem eigens aufgestellten Zelt. Dabei durften die Pullacher Bürger natürlich auch die Apotheke besichtigen und waren nicht nur vom Umbau begeistert, sondern auch vom Kommissionierautomaten, untergebracht rechts vom HV.

Bestaunt wird der Automat übrigens nach wie vor, und dafür stehen die Kunden gerne auch mal länger in der Offizin oder nehmen Platz auf Sitzkissen, die auf breiten, den Fenstern vorgelagerten Holzsimsen liegen.

Umbau zeigt Wertschätzung

„Die Investition in einen Umbau ist natürlich groß“, sagt Katalin Tisa-Bostedt. „ Aber man muss den Kunden und auch seinen Mitarbeitern gegenüber Wertschätzung zeigen, das drückt sich auch durch das Ambiente und die Einrichtung aus.“ Eine Aussage wie aus dem Handbuch für Unternehmenskultur – und ein Schlüsselsatz, wenn es um die Schubert-Apotheke geht. Denn die Mitarbeiter, das wird schnell klar, genießen dort einen ganz hohen Stellenwert.

Arbeiten mit Blick ins Grüne

„Wir sind dem Team menschlich sehr verbunden“, sagt Tisa-Bostedt, „auch das zeichnet uns aus“. Weshalb ihr z. B. wichtig war, den Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter freundlich und hell zu gestalten. Der Blick ins Grüne ist möglich – wie an vielen Arbeitsplätzen der Apotheke, etwa in der Verblisterung für die Heimbelieferung oder im Labor. Einer der Schwerpunkte der Schubert-Apotheke ist die Spagyrik, weitere sind die Homöopathie und das Thema Mikronährstoffe. Man führt beispielsweise eine neue Linie aus der Schweiz, die im Labor der Apotheke eigens zusammengesetzt wird. Überhaupt sei es ein Anliegen, so die Apothekenleiterin, die Individualmedizin zu fördern.

Best Practice

Unsere Portraits zeigen Perspektiven auf und beleuchten unterschiedliche Konzepte, die Apothekenleiter entwickelt haben.

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Die nächste Herausforderung

„Wir sind keine 08/15-Apotheke“, fasst es Tisa-Bostedt zusammen – das zeigt sich nicht nur am gelungenen Umbau oder der Wertschätzung für die Mitarbeiter; das zeigt sich z. B. auch im weitgehenden Verzicht der Apotheke auf Schaufensterdekoration (stattdessen dürfen dort Kunden Informationen aushängen), an individuell gestalteten Aufstellern für die Freiwahl oder auch am fleißig befüllten Instagram-Auftritt der Apotheke.

Alternativlos

Vielleicht war es ja Fügung, dass der Vorbesitzer der zweiten Apotheke in Pullach Dr. Katalin Tisa-Bostedt und Axel Schwarz im vergangenen Jahr vor eine schwierige Entscheidung stellte. Bei seinem Rückzug aus der Apotheke bot sich die Möglichkeit, diese als Filiale zu übernehmen. Sie wagten den Schritt, und seit September 2018 hat die Schubert-Apotheke ein Pendant. Denn die Raben-Apotheke liegt in der belebten Ortsmitte von Pullach im Isartal und bietet die Chance, weitere Kundengruppen zu erreichen. Geplant war diese Filialisierung so kurz nach dem Umbau der Schubert-Apotheke freilich nicht. Und sie fordert die ganze Kraft der Apothekenleiter. Ihre vielen Marketingideen können sie daher einstweilen nur Schritt für Schritt umsetzen. Doch wer den Werdegang der beiden kennt, geht davon aus, dass auch dieser Weg sich letztlich auszeichnet.


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