27.07.2020

Die AURA Apotheke in Bergisch-Gladbach

von Ruth Ney

Der Name ist Programm: Mit hellen freundlichen Farben, einem zarten Duft und sphärischen Klängen empfängt die AURA Apotheke ihre Kunden. Zugleich sorgt ein engagiertes Team für „gute Schwingungen“. Wer jetzt eine kuschelige Öko-Apotheke vor Augen hat, dürfte überrascht sein. Denn die Apotheke von Frank Guth ist hochmodern und liegt direkt in einem Ärztehaus vis à vis des evangelischen Krankenhauses in Bergisch-Gladbach.

Aura Apotheke

© Ruth Ney

Eigentlich hatte Frank Guth (49) bereits eine Apotheke in Köln zur Übernahme ins Auge gefasst. Zuvor hatte er sich lange Gedanken über ein stimmiges Apothekenkonzept gemacht, das zu seiner Leidenschaft für die Homöopathie und Aromatherapie passt und dennoch modern und innovativ ist. Unterstützung, wie sich fachliche Expertise mit Marketing und Networking verbinden lassen, hat er dabei von seinem Freund Karl-Wilhelm Menke, Pädagoge und BWLer mit Heimleitererfahrung bekommen.

Besonderes Konzept

Als Guth und Menke allerdings von der Möglichkeit erfuhren, in Bergisch-Gladbach in einem neugebauten Ärztehaus eine Apotheke zu eröffnen, die man ganz nach den eigenen Vorstellungen einrichten könnte, war der Reiz groß, sich dort zu bewerben. Das vorhandene Apothekenkonzept gefiel dem Klinikbetreiber und Initiator des Ärztehauses auch gleich gut. Bei der Vorstellung in der Chefarztrunde des Krankenhauses bat er dennoch um Zurückhaltung beim Thema Naturheilkunde. „Und dann hat just einer der Chefärzte mich direkt zu meiner Meinung zu Naturheilverfahren gefragt“, erzählt Guth.

Offen und ehrlich

Da war guter Rat teuer. Er habe sich dennoch zur Offensive entschlossen und freimütig erläutert, was er an Naturheilverfahren in Ergänzung zur Schulmedizin schätzt – „und damit war das Eis gebrochen, und wir bekamen den Zuschlag“. So konnte im Februar 2014 die AURA Apotheke ihre Pforten öffnen. Die Zusammenarbeit mit den Ärzten der Klinik, die Schwerpunkte im Bereich Onkologie, Gastroenterologie, Psychiatrie und Lungenerkrankungen hat, funktioniere seither bestens, so der Apotheker. Was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass heute auf einigen Stationen Ultraschallduftvernebler zu finden sind und die meisten Ärzte zugleich Kunden der Apotheke sind.

Modern, aber nicht steril

Die neue, gut 200 Quadratmeter große Apotheke mit langgezogener Offizin fällt optisch mit ihrem hellen Steinboden, abgerundeten hochglanzweißen HV-Tischen, luftigen Glasregalen, wenig Aufstellern und moderner LED-Beleuchtung auf. Deckenumrandung und HV-Tisch können in wechselnden Farben leuchten – je nach Stimmungslage und Lichtverhältnissen. Auf einem HV-Tisch verströmt ein Ultraschallvernebler den Duft eines ätherischen Öls, der schon beim Eintreten auffällt. Auffällig sind zudem die vielen Pflanzengefäße, die frisches Grün in die Apotheke bringen, selbst im Nachtdienstzimmer steht auf dem Tisch ein Strauß leuchtend gelber Tulpen. Von der Offizin gehen zudem noch zwei eigene Seminarräume ab.

Auch Ärzte lassen sich gerne zum Thema Aromatherapie beraten.

Ein besonderes Sortiment

Das Freiwahlsortiment ist stark auf die Aromatherapie ausgerichtet mit einer großen Auswahl an ätherischen Ölen und Duftgemischen, Vernebleraccessoires sowie passenden Pflegeprodukten. Herzstück ist der Aromadoc®, ein spezieller Mischroboter, der aus rund 200 verschiedenen Ölen individuelle Rezepturen erstellen kann. Momentan wird die rechtliche Lage geregelt.

„Etwa 2000 Rezepturen sind darin hinterlegt“, erläutert Guth begeistert, der sich neben einer Ausbildung zum Heilpraktiker auch zum Aromatherapieexperten qualifiziert hat. Darüber hinaus werden spezielle Produkte zur Vitalisierung, Darmsanierung, Entgiftung und Vitaminversorgung angeboten, außerdem gibt es ein recht breites Kosmetiksortiment. Im Hintergrund erleichtert ein Kommissionierautomat die Arbeit für das siebenköpfige Apothekenteam, das neben Guth aus zwei weiteren Approbierten, zwei PTA und zwei PKA besteht. Vier seiner Mitarbeiterinnen sind zudem Aromaberater.

Highlight für Kids

Highlight für die Kinder, die direkt vom Ärztehausfoyer in die Apotheke stürmen können, ist eine kleine Sitzecke mit interaktivem Bildschirm. „Das ist der Renner und viel besser als das typische Kugellabyrinth, das ich zuerst haben wollte“, freut sich Guth. „Die Eltern haben Zeit und Muße zur Beratung und kriegen manchmal ihre Kinder gar nicht mehr weg aus der Kinderecke.“

Erste Erfahrungen

„Bei der Sortimentsgestaltung mussten wir allerdings erst einmal umdenken, bis wir ein passendes, straffes Warenlager hatten“, räumt Guth ein. Denn aufgrund der speziellen Lage direkt auf dem Klinikgelände oben am Berg ohne direkte Zufahrt, geprägt durch Klinikpatienten, Klinikärzte, Klinikhotel und nur einige niedergelassene Ärzte – darunter eine Kinderarztpraxis im Ärztehaus – werden von den täglichen Kunden die üblichen OTC-Produkte wenig nachgefragt. Dafür inzwischen aber umso mehr die Aromatherapieprodukte und eine naturheilkundliche Beratung.

Ein hoher Prozentsatz des Umsatzes machen dennoch nach wie vor Rezepte aus. Und durch die Kliniknähe und vor allem die onkologischen Behandlungen ist auch das Thema „Hochpreiser“ für Guth ein ständiges heißes Eisen – bisher zumindest aber ohne schlimme Retaxquerelen.

Beständige Abstimmung

„Wir sind ständig im Austausch mit den Fachabteilungen der Klinik. Vieles von dem, was wir anbieten, erfolgt in Abstimmung mit den Ärzten, gerade im Bereich Onkologie. So hatten wir zum Beispiel schon einmal speziell für Krebspatientinnen ein Avène-Schminkseminar, das großen Zuspruch fand“, berichtet Guth. Dieses Engagement zahlt sich aus: Nicht nur die Düfte „laufen besser denn je“, so Frank Guth, auch der Bereich Onkologie sei in der Apotheke „sehr stark geworden“.

Rege Aktivitäten

Karl-Wilhelm Menke, ein offensichtliches Kommunikations- und Organisationstalent, ist die treibende Kraft, die aufgrund der Erfahrung im Pflegebereich dafür sorgt, dass ständig etwas los ist in der Apotheke und neue Kooperationspartner gefunden werden.

Engagement in der Pflege

Derzeit werden mehrere Heime und Pflegeeinrichtungen versorgt, außerdem gibt es eine Aromatherapie-Kooperation mit einem Hospiz und sogar mit einem Förster. Auch eine Wundmanagerin bezieht ihre Öle über die Apotheke. Neu ist die Zusammenarbeit mit einer Kunsttherapeutin. Diese hat bereits in einer Weihnachtsaktion mit Demenzkranken Karten gestaltet, die dann beduftet wurden. „Gerade mit Düften lassen sich viele Erinnerungen reaktivieren und die Patienten zu mehr Aktivität anregen“, so Guth. „Und wenn man sieht, was man mit Aromatherapie generell in der Pflege und auch im Hospiz für die Patienten erreichen kann, dann ist das schon ein tolles Feedback.“

Kundenseminare

In der Apotheke werden darüber hinaus regelmäßig Kundenseminare angeboten zu Themen wie Homöopathie, Darmgesundheit, Enzyme oder ätherische Öle. Und auch Mitarbeiter von Pflegeheim/Hospiz erhalten dort spezielle Schulungen. Die Corona-Pandemie allerdings hat dieses Engagement vorerst auf Eis gelegt: Für das Jahr 2020 wurden alle Seminare abgesagt. Mit etwas Wehmut erinnert sich Frank Guth an die letzte Veranstaltung der AURA Apotheke vor der Corona-Krise: ein Vortrag von Dr. Dr. Herbert Münch zum Thema Magen-Darm.

Aktiv mit App

Mit ihrer App ist die AURA Apotheke schon seit längerem erfolgreich aktiv. Zu Zeiten von Corona bewährt sich dies natürlich besonders und wird von den Kunden auch rege angenommen – ob es um eine Bestellung (mit Rezept oder ohne) oder um eine Nachfrage zu einem Medikament geht. Eine Gebrauchsanweisung dazu finden die Kunden auf der Apothekenwebsite.

 

Nachhaltigkeit

Guths persönliches Anliegen ist zudem, seine Kunden dazu anzuregen, auf Plastiktüten zu verzichten und – falls überhaupt nötig – lieber ein „Tütle“ aus Papier zu nehmen. Für jeden Einkauf ganz ohne Einwegtüte gibt es daher einen Stempel in eine Baumsparkarte – ist diese voll, pflanzt die Apotheke zusammen mit der Initiative „Planet for the Planet“ einen Baum. Denn „trotz Corona sollten wir die Umwelt nicht vergessen“, so Guth. Bei den Kunden, so seine Erfahrung, kommt dies gut an.

Kaum Preismarketing

Bei allem Engagement: „Wir bieten hier Qualität, und die muss auch honoriert werden“, so die selbstbewusste Auffassung von Guth und Menke. Daher gibt es zum Beispiel nur wenige Preisangebote – zumeist für Indikatorartikel. Flyer von Torre mit Angeboten werden in der näheren Umgebung verteilt. Viel mehr Wert wird dafür beim Marketing darauf gelegt, alle Aktivitäten und Materialien bewusst auf das aromatherapeutisch/naturheilkundliche Konzept der Apotheke abzustimmen und über Anzeigen in der Lokalpresse publik zu machen. Das auffällige, runde Logo mit den AURA-Farben ist dabei stets ein Blickfang.


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