28.04.2017 - Zum Themenspecial: Beratungsfälle

Beratungsfall: Fußpilz

© peppinuzzo - Fotolia

von Pia Krämer

Ein Herr meldet sich am Telefon der Hirsch-Apotheke: „Ich glaube, ich habe Fußpilz, dagegen bräuchte ich etwas.“ „Da weiß ich nicht Bescheid“, erklärt die PKA Frau Adler, während sie Bestellungen im PC kontrolliert. „Und meine Kolleginnen bedienen alle, das ist jetzt schlecht.“ „Tut mir leid, wenn ich störe“, sagt der Anrufer spitz. „Ich kann auch im Internet bestellen.“ „Oh, das war ungeschickt von mir“, denkt Frau Adler. Um den Kunden zu besänftigen sagt sie: „Sie stören nicht, im Gegenteil: Sie sind uns jederzeit willkommen!“

athlete´s foot

Fußmykosen zählen mit einer Prävalenz von über zehn Prozent zu den häufigsten Pilzerkrankungen, jeder dritte Deutsche macht sie einmal im Leben durch. Leider werden Pilzerkrankungen fälschlicherweise immer noch tabuisiert – über 80 Prozent der Deutschen halten sie für peinlich und bringen sie mit mangelnder Hygiene in Verbindung.

Häufigste Verursacher des Fußpilzes (Tinea pedis) sind die Dermatophyten Trichophyton rubrum und Trichophyton interdigitale. Infektiöse Hautschüppchen werden durch barfuß laufende Personen in öffentlichen Duschen, Schwimmbädern, Saunakabinen oder auf Teppichböden von Hotelzimmern verteilt. Dort können die Erreger in ihrer Dauerform, den Sporen, jahrelang überleben. Pilzsporen sind unempfindlich gegenüber Austrocknung und halten Temperaturen von minus 20 bis plus 80 Grad Celsius aus. Die Ansteckung erfolgt von Fuß zu Fuß – besonders empfänglich sind bestimmte Berufsgruppen wie Bauarbeiter oder Bergleute, deren festes Schuhwerk Durchblutung und Belüftung der Füße beeinträchtigt.

Dadurch und durch die Nutzung von Umkleiden und Gemeinschaftsduschen sind auch Sportler gefährdet – die englische Fußpilz-Bezeichnung „athlete´s foot“ deutet es an. Weitere Risikofaktoren sind Fußfehlstellungen wie Hammerzeh, Senk-, Spreiz- und Plattfüße, Rauchen, höheres Lebensalter, männliches Geschlecht, Diabetes mellitus, Immunschwäche und Durchblutungsstörungen der Beine.

Typische Anfangssymptome der Tinea pedis sind Juckreiz, Brennen oder Schmerzen, eine weißliche, aufgequollene oder sogar nässende Fußhaut sowie die Bildung von Blasen, Pusteln oder Hautrissen. Es werden drei Erscheinungsformen unterschieden: Die interdigitale Form betrifft meist die Haut zwischen dem vierten und fünften Zeh, die squamös-hyperkeratotische Form beginnt an den Fußsohlen und breitet sich auf Fußkanten und Fußrücken aus (Mokassin-Mykose). Eine vesikulös-dyshi-drotische Form weist Bläschen an Fußgewölbe und Fußkanten und eine starke Verhornung auf.

Die beiden letzten Erscheinungsbilder gehören zum Arzt, die Tinea pedis interdigitalis eignet sich zur Selbstmedikation. Sie sollte in jedem Fall behandelt werden, von selbst verschwindet sie nicht! Unbehandelt kann die Infektion auf die Fußnägel übergreifen oder durch ein infiziertes Handtuch in Körperregionen wie Leisten oder Achselhöhlen geraten. Dort herrscht ein feucht-warmes Milieu, in dem Pilzerreger gut gedeihen.

TIPP!

Anrufer ärgern sich, wenn sie am Telefon hören, was alles nicht geht. Hilfreich ist es, zu sagen, was möglich ist: „Ich notiere mir Ihre Nummer und sage meiner Kollegin Frau Schneider Bescheid. Sie meldet sich im Laufe der nächsten halben Stunde bei Ihnen und berät Sie gerne ausführlich zu Ihrem Thema.“

Beratungsfall

„Wie kann ich diesen Kunden jetzt von unserem Service überzeugen?“, überlegt Frau Adler. Um sich ganz auf ihn konzentrieren zu können, schiebt sie erst einmal die Tastatur beiseite. Dann sagt sie: „Ich notiere mir gerne Ihre Nummer und veranlasse, dass Sie schnellstmöglich zurückgerufen werden. Je nachdem, wofür Sie sich entscheiden, können wir Ihnen Ihre Medikamente selbstverständlich auch nach Hause liefern.“ Das besänftigt den Anrufer, und er stimmt zu.

Nachdem er aufgelegt hat, setzt sie ihre Kollegin, Apothekerin Frau Schneider ins Bild. So kann diese sich 20 Minuten später telefonisch direkt nach Symptomen und Verlauf erkundigen und erfährt von dem Kunden, dass zehn Tage nach einem Saunabesuch an beiden Füßen Juckreiz und weiße Beläge zwischen den Zehen aufgetreten sind. „Ich empfehle Ihnen da einen richtigen Rundumschlag“, rät sie dem Kunden.

„Eine pilztötende Creme zur Akutbehandlung, einen Wäschespüler zur Desinfektion von Socken und anderen Kleidungsstücken, die mit den Füßen in Berührung kommen, und ein pilzwirksames Mittel, mit dem Sie häufig getragene Schuhe desinfizieren können. Damit der Pilz völlig ausheilen kann und Sie sich nicht wieder neu anstecken, habe ich noch einige Tipps, was Sie unterstützend tun können. Ich stelle Ihnen dazu gerne Infomaterial zusammen, oder Sie kommen vorbei, und wir sprechen ausführlich darüber.“ Der Kunde entscheidet sich für die persönliche Beratung und kündigt an, am folgenden Vormittag vorbeizukommen. „Aber Sie haben mir schon jetzt sehr gut weiter geholfen“, sagt er, „vielen Dank dafür!“

OTC-Produktbeispiele bei Fußpilz*

Wirkprinzip

Wirkstoffgruppe

Wirkstoff

Produkt

antimykotisch

Allylamine

Naftifin

Terbinafin

Exoderil ® Creme

Fungizid ratiopharm ® extra Creme Lamisil ® once Lösung

Azole

Bifonazol

Clotrimazol

Econazol

Miconazol

Canesten ® extra Creme

Canesten ® Creme, Canifug ® Creme Fungizid ratiopharm ® Creme

Epi Pevaryl ® Creme

Miconazol acis ®

Hydroxypyridone

Ciclopirox

Ciclocutan ® 1 % Creme für Erw./Schulk.

antiseptisch

quartäre Ammoniumverbindung

Benzalkoniumchlorid

Canesten ® Hygiene Wäschespüler

quartäre Ammoniumverbindung

+Biguanid

Didecyldimethylammoniumchlorid

Polihexanid

Myfungar ® Schuhspray

*ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe 13.04.2017)

Fußpilz konsequent behandeln

Für die Selbstmedikation von Fußpilz stehen mehrere Wirkstoffklassen zum Beispiel als Creme, Gel oder Lösung zur Verfügung. Azole (Bifonazol, Clotrimazol, Econazol, Miconazol) greifen in die Ergosterol-Synthese der Pilzzellmembran ein. So kann der Pilz sich nicht mehr fortpflanzen und wird innerhalb von drei bis vier Wochen mit der alten Hautschicht abgetragen, neue Haut wächst nach. Diesen Zeitraum sollte die Behandlung mit einer pilzwirksamen Formulierung mindestens abdecken, auch wenn nach drei bis vier Tagen die lästigen Symptome wie Juckreiz, Rötung oder Brennen stark nachlassen! Allylamine (Naftifin, Terbinafin) inaktivieren schon in niedrigen Konzentrationen das zur Ergosterolsynthese notwendige Enzym Squalen, – die Pilzzelle stirbt ab.

Ungeduldigen Kunden kommt die kurze Behandlungsdauer von sieben Tagen entgegen; eine besondere Galenik, die für eine gute Penetration in tiefere Hautschichten sorgt, ermöglicht sogar eine Einmaltherapie. Ciclopirox, ein Antimykotikum aus der Klasse der Hydroxypyridone, bildet Komplexe mit trivalenten Metallionen (Fe3 + , Al3 + ) und stört so enzymatische Reaktionen in der Pilzzelle.

Welche Tipps können zur Vorbeugung beziehungsweise zur Verhinderung einer „Selbstansteckung“ gegeben werden?

Socken und Handtücher sollten möglichst heiß gewaschen (mind. 60 °C) oder mit Wäschehygienespüler behandelt werden. Häufig getragene Schuhe gehören gut gelüftet und eventuell mit einem pilzwirksamen Spray behandelt. Die Zehenzwischenräume sollten stets trocken sein (nach dem Duschen föhnen). Um keine Infektionsquelle darzustellen, sollte der Betroffene in öffentlichen Nassbereichen, vor allem aber auch zuhause, nicht barfuß laufen. Hände weg von den Füßen, Selbstinfektion droht! Fußpflegeutensilien wie Nagelscheren und Bimssteine sollten gut desinfiziert oder direkt entsorgt werden.

Jetzt herunterladen!

Hier können Sie einen Handzettel zum Thema "Fußpflege" kostenlos herunterladen, mit Ihrem Apothekenstempel versehen und den Kunden nach dem Beratungsgespräch mitgeben.


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