18.05.2020

Arbeitsschutz umsetzen

von Kathrin Etteldorf

Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat dafür gesorgt, dass (Arbeits-)Schutzmaßnahmen in hohem Maße in das Bewusstsein von Öffentlichkeit und Unternehmen gerückt sind. Allerdings war Arbeitsschutz natürlich auch schon vor der Corona-Pandemie ein relevantes Thema für Apotheken – und wird dies über die aktuelle Krise hinaus bleiben. Grund genug für einen kurzen Abriss darüber, worauf es beim Arbeitsschutz in der Apotheke ankommt.

Gefahrsymbole

© ernsthermann / stock.adobe.com

Was ist Arbeitsschutz?

Unter Arbeitsschutz werden sämtliche Maßnahmen, Mittel und Methoden zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei ihrer beruflichen Tätigkeit zusammengefasst. Arbeitsschutz ist dynamisch; er unterliegt durch sich verändernde Arbeitsbedingungen selbst einer stetigen Anpassung.

Im Wesentlichen sind folgende Grundsätze gem. § 4 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) bei Arbeitsschutzmaßnahmen zu beachten:

  • größtmögliche Vermeidung von Gefährdung des Lebens
  • größtmögliche Vermeidung von Gefährdung physischer und psychischer Gesundheit
  • Gefahrenbekämpfung an der Quelle
  • Beachtung des aktuellen Stands von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene
  • Nachrang individueller Schutzmaßnahmen zu anderen Maßnahmen
  • Erteilung geeigneter Anweisungen an die Beschäftigten.

Die Leitlinien sind sehr abstrakt gehalten; zugleich machen sie dadurch die Vielschichtigkeit des Arbeitsschutzes und die notwendige konkrete Betrachtung des Arbeitsplatzes deutlich.

Konkrete Beispiele

Arbeitsschutz betrifft beispielsweise den räumlichen Arbeitsplatz (Ergonomie, Arbeitsmittel), die Bedingungen in der Umgebung (Einsatz von Gefahrstoffen, elektrische Einrichtungen, Nutzung bewegter Transportmittel, physikalische Einwirkungen wie Lärm) aber auch psychische Belastungen durch emotionale Inanspruchnahme sowie Arbeitszeit.

Arbeitsschutz in der Praxis

Die Einhaltung des Arbeitsschutzes überwachen nicht nur die zuständigen Arbeitsschutzbehörden. Sie ist auch Gegenstand der Apothekenrevision, welche ggf. beanstandet und per Auflage eine Umsetzung anordnet.

Maßnahmen festlegen

Wie können die für die Apotheke notwendigen Arbeitsschutzmaßnahmen bestimmt werden? Grundlage ist die sog. Gefährdungsbeurteilung (§ 3 Arbeitsstättenverordnung). Dabei ist nicht vorgegeben, wie diese im Detail durchzuführen ist; es sind lediglich Prinzipien zu beachten:

  • Alle voraussehbaren Arbeitsabläufe sind zu berücksichtigen (d. h. auch Betriebsstörungen).
  • Alle erkennbaren Gefahren und Gefährdungen sind zu untersuchen (Arbeitsverfahren, Arbeitsabläufe, Arbeitszeiten, Unterweisung der Mitarbeiter).

Das Fehlen einer Checkliste zum Abhaken und die alltägliche Routine machen die Beurteilung für den Arbeitgeber i. d. R. so schwierig.

Apotheker können für die Apothekenbetriebsräume und Hygienemaßnahmen zwar auf konkrete Vorgaben in der Apothekenbetriebsordnung zurückgreifen. Ansonsten stehen sie jedoch vor den gleichen Schwierigkeiten wie andere Arbeitgeber: Gefahren und Gefährdungen zu identifizieren und darauf basierend Maßnahmen zu bestimmen und zu realisieren.

Unterstützung können hier eine Fachkraft für Arbeitssicherheit, ein Betriebsarzt und ggf. der Beauftragte für Qualitätsmanagement leisten. 

Arbeitsschutz umsetzen

Sinnvoll dürfte es sein, den Arbeitsschutz als Dauerprojekt anzusehen. In der Umsetzung kann die PDCA-Methode (PCDA = plan, do, check, act) weiterhelfen:  

  • Plan:
    • o Durchführung einer Ist-Analyse, d. h. welche Arbeitsbereiche (= gleichartige Arbeitsplätze mit gleichartigen Arbeitsmitteln) gibt es? Welche Arbeitsbedingungen haben die jeweiligen Arbeitsbereiche (= viel Stehen, emotionale Inanspruchnahme durch schwere Krankheitsbilder, Umgang mit Gefahrstoffen)?
    • o Bewertung von Gefährdungen aus den Arbeitsbedingungen, d. h. Prüfung, ob es Handlungsbedarf gibt. Orientierung bieten v. a. die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (mit konkreten Grenzwerten) und die Materialien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie der BGW.
    • o Ableiten von Maßnahmen, d. h. die Gefährdung beseitigen oder durch organisatorische, sicherheitstechnische und ggf. personen- und verhaltensbedingte Maßnahmen reduzieren.
  • Do:
    • o Umsetzung der Maßnahmen, d. h. beispielsweise die Einrichtung von Steh-Sitz-Arbeitsplätzen oder zur Prävention psychischer Belastung die Information über Stressbewältigungstechniken, Fortbildung zum Abbau evtl. fehlenden Fachwissens als Stress auslösendes Moment
    • o Dokumentation des Plans (von der Analyse über die geplanten Maßnahmen bis hin zur Umsetzung)
  • Check:
    • o Analyse, ob die ergriffenen Maßnahmen den verfolgten Zweck erfüllen, d. h. ob die Maßnahmen die Gefährdungen beseitigen oder reduzieren
    • o Kontrolle, ob neue Gefährdungen vorhanden sind (etwa durch Implementierung eines neuen Arbeitsablaufs) oder durch Maßnahmen entstanden sind
    • o Dokumentation des Checks
  • Act:
    • o Definition der Maßnahmen als Standard
    • o Neustart, d. h. Durcharbeiten der Schritte plan, do, check

Fazit

Arbeitsschutz setzt sich aus vielen Maßnahmen zusammen und findet in aller Regel bereits in weiten Teilen statt.

Notwendig ist allerdings die Berücksichtigung „neuer“ Gefährdungen. Dazu gehört beispielsweise die der psychischen Belastung, welche für Apothekenmitarbeiter nicht von der Hand zu weisen ist. Mühevoll, aber unverzichtbar, ist schließlich die Dokumentation des Arbeitsschutzes.


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