23.12.2019

Apothekerverband wirbt für den Arbeitsplatz Dorfapotheke

(cnie) Im Advent hat der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) die Türen zu unterschiedlichen Apotheken geöffnet. Der Blick durch diese Türen zeigt, warum der Arbeitsplatz Apotheke einer der spannendsten und abwechslungsreichsten überhaupt ist. Dennoch kämpfen Apotheken auch in Westfalen-Lippe gegen den Fachkräftemangel.

Apothekeninhaberin Elke Balkau in Brochterbeck

© AVWL

Brochterbeck. Ein Dorf im nördlichen Münsterland. Annähernd 3000 Einwohner. Hier kennt jeder jeden. Zumindest kennt Apothekerin Elke Balkau jeden. Die Schiebetür geht auf, eine ältere Dame kommt herein. „Guten Morgen, Frau Meier*“, ruft Elke Balkau – lauter, als sie eigentlich sprechen würde. Denn sie weiß, dass Frau Meier sonst nichts versteht. Einen jungen Mann, der ein paar Minuten später kommt, spricht sie mit Vornamen an. Schließlich kennt sie Dennis von Kindesbeinen an. Nur die Bundesbildungsministerin siezt sie mittlerweile aus Respekt vor dem Amt, obwohl auch Anja Karliczek schon als Schulmädchen zu ihr in die Conrad-Apotheke kam.

Beruf und Familie vereinbar

Laufkundschaft gibt es hier kaum. Die Apothekerin würde sie sich zwar mit Blick auf den Umsatz manchmal ein bisschen wünschen, lässt sie durchblicken. Aber gegen einen anderen Standort tauschen? „Nein“ sagt Elke Balkau ziemlich bestimmt. 1982 hat sie nach dem Studium ihre Apotheke im Ort neu gegründet, obwohl sie eigentlich eine alteingesessene umsatzstarke Offizin in Dortmund hätte übernehmen können. Auch Münster und Greven waren damals im Gespräch, attraktive Standorte.

Elke Balkau hat sich trotzdem für Brochterbeck entschieden. Denn sie wollte nicht nur ihren Beruf, sondern auch Familie und Kinder. Deshalb hat sie nach dem Staatsexamen als Lebensmittelchemikerin noch ein Pharmazie-Studium draufgesattelt. „In der öffentlichen Apotheke lassen sich Arbeit und Familie vereinbaren“, sagt sie. In Brochterbeck, wo ihre Schwiegereltern lebten, war das auch schon lange vor dem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz möglich. 

Fachkräftemangel auf dem Land

  • Im Kreis Steinfurt gibt es 111 Apotheken. Das sind zwölf weniger als noch im Jahr 2009 (-10 %).
  • Annähernd ein Drittel der Apothekeninhaber im Kreis Steinfurt ist 60 Jahre und älter.
  • In den Apotheken herrscht heute bereits Fachkräftemangel. Der Apothekerberuf ist ein Engpassberuf.

Zeit für den einzelnen

Für Brochterbeck aber sprach noch mehr. Elke Balkau kommt aus Tecklenburg-Leeden. „Das ist hier Heimat“, sagt die Apothekerin. Sie hat sich dafür entschieden, schon lange, bevor Heimat in einer globalisierten Welt zum Megatrend geworden ist. 

Die Dorfapotheke passt zu einer Pharmazeutin wie Elke Balkau, die ihr Fach so schätzt, weil sie ihre Begeisterung für die Naturwissenschaft mit dem Bedürfnis verbinden kann, Menschen zu helfen. Sie engagiert sich in der Kirche; Nächstenliebe ist ihr ein wichtiger Wert.

Stammkunden statt Laufkunden

„In der Stadt-Apotheke bleibt manchmal weniger Zeit für den einzelnen“, sagt Anna-Lena Joosten, angestellte Apothekerin in der Apotheke von Elke Balkau. Vor wenigen Monaten erst hat sie hier angefangen, zuvor war sie in einer Großstadt-Apotheke. „Dort ist die Arbeit spannend gewesen, weil man mit vielen verschiedenen Menschen und Erkrankungen zu tun hat“, zählt sie die Vorzüge auf. „Aber hier hat man einen ganz anderen Bezug zu den Patienten“, fügt sie hinzu.

In der Dorfapotheke zum Beispiel wisse das Team genau, welchem Kunden es keine Acetylsalicylsäure, also Aspirin & Co., verkaufen dürfe, weil der Patient bereits einen Blutverdünner einnehme. In der Stadt sei sie darauf angewiesen, dass ein Laufkunde sich selbst an alle Mittel erinnert, die er nimmt, und sie auf Nachfrage auch nennen kann, um Wechselwirkungen auszuschließen, erklärt Anna-Lena Joosten. Zurück in die Stadt will sie jedenfalls nicht.
Die 66-Jährige Elke Balkau bleibt auch in der Dorfapotheke. Ans Aufhören denkt sie noch nicht. 

*Name geändert.

Quelle: Apothekerverband Westfalen-Lippe


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