28.01.2019

Anlagestrategie 2019

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Originalartikel als PDF

Text: Michael Vetter

Die Situation ist zunehmend prekär: Die seit Jahren anhaltende Niedrig- bzw. Nullzinsphase setzt sich offenbar auch im neuen Jahr fort und lässt einen kontinuierlichen Vermögensaufbau auf herkömmlichem Wege so gut wie nicht mehr zu. Deshalb ist es nur verständlich, wenn Apotheker sich nach lukrativeren Anlageformen umsehen. Der folgende Beitrag will das Bewusstsein für seriöse Geldanlagen schärfen und liefert zudem praktische Hinweise für den Umgang mit spekulativeren Anlageformen.

Für Apotheker hat das unerfreuliche Szenario der Niedrigzinsen weitreichende Folgen: Es beeinträchtigt sowohl die spätere Altersabsicherung als auch den Aufbau einer Liquiditätsreserve, auf die zu gegebener Zeit für Anschaffungen und/oder Investitionen zurückgegriffen werden soll.

In dieser Situation erscheint es daher durchaus verständlich, wenn Betriebsverantwortliche sich an sprichwörtliche Strohhalme diverser Anbieter von Finanzprodukten klammern, die mehr als ein oder zwei Prozent Rendite pro Jahr versprechen. Da „versprechen“ aber eben nicht immer gleichbedeutend mit „halten“ ist, ist es wichtig, dass Anleger sorgfältig prüfen, ob die so oft vollmundig angebotenen Zinsversprechen einen Versuch auch tatsächlich wert sind.

Hoher Zinssatz = hohes Risiko

Als eine der wichtigsten Regeln gilt dabei nach wie vor: Ein höherer Zinssatz wird grundsätzlich mit einem ebenfalls höheren Risiko erkauft. Anbieter von Finanzofferten zahlen naturgemäß nicht mehr an Zinsen als es ihrem Ruf und damit ihrer Zuverlässigkeit als Schuldner entspricht. Auch wenn dies letztlich eine Binsenweisheit ist, wird dieser Zusammenhang nach wie vor regelmäßig unterschätzt. Ob die Reputation eines Schuldners – damit sind durchaus auch weniger bekannte Bankinstitute oder Versicherungsunternehmen gemeint – ein finanzielles Engagement überhaupt zulässt, sollte also bereits sorgfältig vorab geprüft werden. Danach stellt sich die Frage nach der Qualität des jeweiligen Angebots.

Gut Informierte verhandeln besser

Investoren sollten sich mit einigen Grundlagen verschiedener Anlageprodukte selbst befassen und sich nicht ausschließlich auf die Aussagen der Finanzanbieter einschließlich der Banken verlassen. Die vergangenen Jahre haben nämlich deutlich gemacht, dass es durchaus hilfreich sein kann, bereits Basiskenntnisse zu haben. Dies stärkt im Übrigen auch die eigene Verhandlungsposition: Erkennt der jeweilige Anbieter, dass er es mit einem kritischen und kenntnisreichen potenziellen Kunden zu tun hat, steigt meist auch die Qualität der Beratungsgespräche.

Was es zu beachten gilt

Eine Reihe von Verhaltensweisen tragen dazu bei, das Risiko bei der Geldanlage zu verringern. Die folgenden Hinweise bieten hier eine erste Orientierung auch bei spekulativeren Anlageformen.

Liquiditätsreserve-- Fern jeder konkreten Anlageentscheidung sollte immer eine kurzfristig verfügbare Liquiditätsreserve beispielsweise auf einem Tages- oder Termingeldkonto vorhanden sein. Dass diese Reserve mit einer Minimalverzinsung verbunden ist, sollte in Kauf genommen werden.

Risikostreuung-- Bei den mittel- und langfristig verfügbaren Geldern sollte sowohl über eine zeitliche Streuung als auch über eine Mischung innerhalb unterschiedlicher Anlagen nachgedacht werden. Die Konzentration auf lediglich ein oder zwei Anlageformen ist meist mit einem entsprechenden Risiko verbunden. Eine angemessene Risikostreuung verspricht dagegen eine häufig bessere Rendite.

Vernunftentscheidung-- Die Vernunft sollte bei Anlageentscheidungen persönliche Emotionen eindeutig dominieren. Dies gilt unter anderem für den bereits erwähnten Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko: „Je höher die (versprochene) Rendite, umso höher das Investitions- oder Anlagerisiko“, gilt als wesentlicher Anlagegrundsatz nach wie vor.

Anbieterimage-- Ein ebenfalls wichtiger Grundsatz beinhaltet den Zusammenhang zwischen der Sicherheit des angelegten Kapitals und dem jeweiligen Anbieter. Jedes Renditeversprechen und jeder Anspruch auf Kapitalrückzahlungen kann nur so realistisch sein wie der Ruf und die Sicherheit des Anbieters. In Zeiten, in denen abhängig von der persönlichen Einschätzung noch nicht einmal mehr Banken und Versicherungsunternehmen als absolut sicher erscheinen, trifft dies erst recht auf private Anbieter und Finanzdienstleister zu.

Zeitrahmen-- In spekulativen Anlageformen wie Aktien, Investmentfonds, aber auch in Edelmetallen wie Gold oder Silber sollte grundsätzlich langfristig investiert werden. Kurzfristerfolge sind eher selten. Anleger sollten darüber hinaus in der Lage sein, die bei Langfristanlagen üblichen Kursschwankungen hinnehmen zu können. Entscheidend ist letztlich das später angestrebte Anlageziel, das schließlich erreicht werden soll. Das bedeutet aber nicht, dass beispielsweise zwischenzeitliche Kursgewinne nicht realisiert werden können.

Steueraspekte-- Häufig werden Kapitalanlagen mit der Erwartung erheblicher Steuervorteile angeboten. Auch hier ist zu äußerster Vorsicht zu raten. Mögliche Steuervorteile sind nur dann interessant, wenn sowohl Renditeversprechen als auch die Kapitalrückzahlung regelmäßig und termingerecht erfolgen. Dies wiederum hängt wie erwähnt von der Zuverlässigkeit des Anbieters ab. Die steuerliche Seite spielt hier lediglich eine – wenn auch nicht unwichtige – Nebenrolle.

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Verständlichkeit-- Finanzprodukte, deren Konstruktion lediglich der Anbieter versteht, sollten gar nicht erst in die nähere Auswahl einer späteren Anlageentscheidung einbezogen werden. Diesen Angeboten liegt nämlich häufig ein überdurchschnittlich hohes Anlagerisiko zu Grunde.

Investitionshöhe-- Auch mit kleineren Beträgen kann langfristig ein Vermögen aufgebaut werden, etwa durch monatliche Zahlungen in Sparplänen von Investmentfonds. Hierzu gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie bei Einmalanlagen.

Kontrolle-- Keine Anlageentscheidung ohne regelmäßige Prüfung (mindestens einmal pro Jahr) des ursprünglichen Anlageziels und der Qualität des jeweiligen Schuldners. Diese Regel sollte stets eingehalten werden. Sobald erkennbar ist, dass sich an den ehemaligen Entscheidungskriterien wichtige Details wie zum Beispiel das jeweilige Renditeziel geändert haben, kann bei einer entsprechenden und wiederholten Kontrolle meist noch zeitgerecht gegengesteuert werden.

Kostenvergleiche-- Geldanlagen sind nahezu ausnahmslos seitens der Anbieter mit mehr oder weniger hohen Kosten belastet. Da sollte es ebenfalls selbstverständlich sein, diese Kosten immer wieder miteinander zu vergleichen und hartnäckig über deren Höhe zu verhandeln. Vor allem bei Ausgabeaufschlägen von Investmentfonds sowie bei An- und Verkaufsspesen von Wertpapieren ist dies sinnvoll. Hilfreich ist meist auch die Zusammenarbeit mit mehreren Banken, die es ermöglicht, durch unmittelbare Kostenvergleiche entsprechende Verhandlungsspielräume zu erkennen und zu nutzen.

Finanzierbarkeit-- Geldanlagen sollten eher nicht mit Hilfe eines Wertpapierkredits finanziert werden. Mag der Kreditzinssatz auch noch so günstig sein: Die Wertentwicklung bzw. die Rendite der durch den Kredit ermöglichten Anlage muss immerhin neben den Anlagekosten weitere Kreditzinsen pro Jahr erreichen. Selbst dann hat der Anleger aber unterm Strich noch keinen Cent verdient.

Menschenverstand-- Vorsicht vor Schiffs-, Container- oder sonstigen Industriebeteiligungen. Wer sich hier engagiert, benötigt meist einen sehr langen Anlagehorizont und exzellente Detailkenntnisse. Diese Anlageformen sind also ausschließlich etwas für Experten, die sich in der jeweiligen Branche auskennen.


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