06.02.2020

Adexa fordert Gleichpreisigkeit

(cnie) Mit einem offenen Brief an den Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags, an die Bundestagsfraktionen sowie die Gesundheitsminister der Länder setzt sich die Apothekengewerkschaft Adexa erneut für eine vollständige Gleichpreisigkeit bei der Abgabe von Rx-Medikamenten ein.

Wippe mit zwei Kugeln

© froxx / stock.adobe,com

Hier finden Sie den offenen Brief des Adexa-Vorstands im Wortlaut:

Offener Brief von Adexa

Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein.
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD – 19. Legislaturperiode

Als Interessenvertretung der rund 144 000 Angestellten in öffentlichen Apotheken sowie des Berufsnachwuchses in Ausbildung wenden wir uns an Sie mit der Bitte: Setzen Sie sich für die vollständige und zeitnahe Wiederherstellung der Gleichpreisigkeit bei der Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel ein. Und zwar so, wie es im Koalitionsvertrag beschrieben ist: mit einem Verbot des Rx-Versandhandels.

Immer wieder stellen wir mit Sorge fest, dass Bundesgesundheitsminister Spahn dieses Ziel des Koalitionsvertrages nicht umsetzen will. Stattdessen propagiert er eine „90-prozentige Gleichpreisigkeit“, die weder logisch, gerecht noch gerichtsfest ist. Als Argument gegen das Rx-Verbot führt er ein Veto anderer Ministerien (BMJ, BMWi) an, obwohl auch diese Häuser sich dem Koalitionsvertrag verpflichtet fühlen müssten. Eine Petition mit über 400 000 Unterzeichnern wird von Minister Spahn inhaltlich komplett ignoriert – angestoßen wohlgemerkt von einem Vertreter des apothekerlichen Berufsnachwuchses (!) und Mitglied seiner eigener Parteijugend.

Was zählt also das geschriebene Wort des Koalitionsvertrages? Inwieweit können sich Wählerinnen und Wähler darauf verlassen, dass Regierungsvertreter und Regierungsfraktionen die übergreifenden Ziele ihrer Parteien und ihrer Regierung verwirklichen – und keine Alleingänge starten? Was zählt die Erfahrung und das Urteil von Betroffenen, in diesem Fall von Apothekenangestellten, Inhaber*innen sowie zahlreicher Patienten? Über das Apothekensterben – rund 350 im Jahr 2019 und damit der stärkste Rückgang eines Kalenderjahres! – geht der Bundesgesundheitsminister hinweg und verweist als Alternative auf den Einsatz von Drohnen mit einem Beratungsmonitor. Ist das die Vision der deutschen Gesundheitspolitik von „Heimat“? Die Vision der Apothekenteams ist es nicht! Und wir sind davon überzeugt: Das ist auch nicht das, was die Bevölkerung will, die ihre Vor-Ort-Apotheke zu verlieren droht.

Wir brauchen daher zeitnah Lösungen, die unsere Vor-Ort-Apotheken stärken und Arbeitsplätze im Inland sichern, damit Patienten gut, empathisch und schnell von pharmazeutischem Fachpersonal beraten und versorgt werden können. Lösungen, mit denen wir unsere heimische Apothekenlandschaft sichern! Sie ist für die Menschen in Deutschland unverzichtbar ist – aktuell unter anderen bei Fragen zur Prävention gegen Grippe- und Corona-Viren!

Mit freundlichen Grüßen

Andreas May          Tanja Kratt


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