14.09.2016 - Zum Themenspecial: RP-Medikamente

Update Ophthalmika

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Die Beratung von Patienten mit Augenerkrankungen spielt im Apothekenalltag eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt deshalb, weil dank moderner diagnostischer Möglichkeiten viele ernsthafte Augenleiden heute in einem viel früheren Stadium erkannt werden können. Auch scheinbar banale Beschwerden an den Augen verdienen daher große Aufmerksamkeit und erfordern eine sorgfältige Abwägung, wann eine Selbstmedikation möglich ist und wann nicht. Generell können bei Nichtbehandlung oder Verschleppung Komplikationen auftreten. Zugleich haben sich die Therapiemöglichkeiten enorm erweitert. Zu den bahnbrechendsten Innovationen zählen dabei sicherlich die Biologicals zur Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD).

Die meisten im Folgenden vorgestellten Erkrankungen verursachen in den Anfangsstadien keine Beschwerden. Schreiten sie unbemerkt fort, kann es zu einem irreversiblen Verlust an Sehschärfe bis hin zur Blindheit kommen. In der westlichen Welt zählen das Glaukom, die AMD und die diabetische Retinopa-thie zu den häufigsten Erblindungsursachen. Die ophthalmologischen Fachgesellschaften empfehlen daher, ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich eine Kontrolle beim Augenarzt vornehmen zulassen – auch bei Beschwerdefreiheit.

Die wichtigsten Erkrankungen

Glaukom (Grüner Star)

Der Begriff Glaukom steht für eine Reihe von pathologischen Veränderungen, die ohne Behandlung zur irreversiblen Schädigung der Nervenzellen der Netzhaut und des Sehnervs infolge des Untergangs von Nervenfasern führen. Die Folge sind Gesichtsfeldausfälle, typisch bei Glaukom.

Entgegen früherer Lehrmeinung ist der Augeninnendruck (Normalbereich 10 bis 21 mmHg) beim Glaukom nicht immer erhöht, wie das Beispiel des Normaldruckglaukoms zeigt. Andererseits führt eine okuläre Hypertension nicht zwangsläufig zur Sehnerv-Schädigung. Dennoch ist die Senkung des erhöhten Augeninnendrucks wichtigstes Ziel der Glaukomtherapie. In den Frühstadien treten lediglich Gesichtsfeldausfälle auf, die zunächst vom Gehirn kompensiert werden und daher unbemerkt bleiben können.

Formen-- Man unterscheidet primäre und sekundäre Glaukomformen. Sekundärglaukome entstehen als Folge anderer Erkrankungen (z.  B. Netzhautveränderungen) oder Fehlbildungen der Augen, aber auch durch Verletzungen oder chronische Krankheiten (z. B. Diabetes). Auch einige Arzneimittel (z.  B. Steroide) können ein Glaukom auslösen. Ursache ist stets ein Missverhältnis von Produktion und Abfluss des Kammerwassers, in der Regel liegt eine Fluss-, bzw. Abflussbehinderung vor. Kammerwasser wird im Ziliarkörper produziert, in die hintere Augenkammer abgegeben und umspült dann die Linse und die Regenbogenhaut. Schließlich gelangt es in die vordere Augenkammer und fließt über den Schlemm‘schen Kanal, der mit einem schwammartigen Netzwerk ausgekleidet ist, ab. Fluss und Abfluss können aus mehreren Gründen gestört sein.

Bei dem langsam fortschreitenden primären Offenwinkelglaukom, dem in den westlichen Industrieländern am häufigsten auftretenden Primärglaukom, entstehen z.  B. Abflussbehinderungen durch Ablagerungen im Trabekelsystem. Sie nehmen mit dem Alter zu, weshalb diese Glaukomform für das höhere Lebensalter typisch ist. Es ist auch möglich, dass der Durchfluss des Kammerwassers zwischen Linse und Regenbogenhaut durch die Pupille selbst blockiert ist (wie beim sehr seltenen Ziliarblockglaukom ) oder das Irisgewebe die Abflusskanäle verengt (wie beim primären Engwinkelglaukom). Kommt es plötzlich zu einem extremen Augeninnendruckanstieg, weil der Ansatz der Regenbogenhaut (Iriswurzel) den Kammerwinkel komplett verschließt, spricht man vom (Winkelblock-) Glaukomanfall. Zu den typischen Symptomen dieses Notfalls zählen Sehstörungen, starke Augenschmerzen und Übelkeit.

Therapie-- Ein Glaukom wird in den meisten Fällen initial medikamentös behandelt, in der Regel mit Augentropfen – und zwar lebenslang. Da bei vielen Patienten zugleich die Problematik des trockenen Auges besteht, gibt es in allen Wirkstoffklassen inzwischen Präparate ohne Konservierungsstoffe (in Einmaldosen oder anderen Darreichungen). Schlägt die Therapie allerdings nicht an, erfolgen eine Laserbehandlung oder ein chirurgischer Eingriff. Ein modernes Verfahren ist dabei die Implantation von sehr feinen Röhrchen (Stents) aus Kunststoff in den inneren Augenwinkel, wo sie das Augenwasser ableiten und dadurch den Augeninnendruck verringern.

Spezielle Applikationsarten und Darreichungsformen

Intravitreale Injektion-- Präparate zur Applikation direkt in den Glaskörper des Auges (intravitreal) gehören zu den parenteralen Arzneimitteln. Vorteilhaft bei dieser Anwendung ist, dass der Wirkstoff unter Umgehung des Körperkreislaufs in hoher Konzentration direkt an den Wirkort gebracht werden kann. Die Anwendung erfolgt nach örtlicher Betäubung unter aseptischen Bedingungen.

Augeninserte-- Dies sind wenige Millimeter große, Sustained-release-Systeme, die vom Arzt in den Bindehautsack eingelegt werden und dort kontinuierlich eine festgelegte Wirkstoffmenge abgeben. Anwendungsgebiet sind beispielsweise Operationen, bei denen über längere Zeit eine stabile Mydriasis notwendig ist (z.B. Mydriasert® Augeninsert mit Tropicamid und Phenylephrinhydrochlorid). Weitere Beispiele sind dasd  dexamethasonhaltige Augeninsert Ozurdex® oder Iluvien® (Fluocinolonacetonid), die unter anderem beim diabetischen Makulaödem eingesetzt werden.

Lidsprays-- Es handelt sich hierbei um Medizinprodukte, die gegen leichte Befindlichkeitsstörungen wie Tränen, Jucken, Brennen oder Fremdkörpergefühl angewendet werden können. Sie enthalten Liposomen aus Phospholipiden sowie Zusätze wie Vitamin A, E und Dexpanthenol. Die Lipidbestandteile gelangen nach dem Aufsprühen über den äußeren Lidrand auf die Augenoberfläche und können dort die Lipidschicht des Tränenfilms stabilisieren. Lidsprays sind meist konservierungsmittelfrei und werden aus einem Abstand von etwa zehn Zentimetern direkt auf die geschlossenen Augenlider aufgesprüht.

Spezielle Systeme-- Längere Aufbrauchfristen – auch ohne Konservierungsmittel – ermöglichen Mehrdosenbehältnisse, bei denen keimbelastete Luft oder Flüssigkeiten nicht in Kontakt mit der Arzneilösung gelangen können. Beim COMOD®-System, das ohne Außenluft auskommt, befindet sich die Wirkstofflösung in einem Polyethylenbeutel. Bei jedem Sprühstoß faltet sich dieser mehr zusammen. Beim 3K®-System wird die zum Druckausgleich zurückströmende Luft durch eine silberhaltige Membran, die Schutz vor bakterieller Kontamination bietet, geleitet. Beim ABAK®-System bietet eine Filtermembran, beim COMOD® und beim 3K®-System bieten zusätzlich Silberionen Schutz vor bakterieller Kontamination.

Antiglaukomatosa

Die derzeit verfügbaren Wirkstoffe verringern entweder die Produktion des Kammerwassers (Betablocker, Carboanhydrase-Hemmer), steigern dessen Abfluss (Prostaglandin-Derivate, Parasympathomimetika) oder vereinigen beide Wirkprinzipien (Sympathomimetika/Alpha-2-Agonisten).

Betablocker-- Timolol, Carteolol, Levobunolol oder Betaxolol als typische Vertreter dieser Stoffklasse verringern die Kammerwasser-Produktion und werden meist zweimal täglich ins Auge getropft. Da die Wirkstoffe auch Betarezeptoren am Herzen und in den Atemwegen blockieren, können bei prädisponierten Patienten etwa mit Asthma, COPD oder Herzrhythmusstörungen systemische Nebenwirkungen auftreten. Bei entsprechender schwerer Grunderkrankung sind die Substanzen kontraindiziert. Auch bei den ersten Anzeichen einer Herzinsuffizienz sollte die Behandlung abgesetzt werden. 

Carboanhydrasehemmer-- Substanzen dieser Gruppe, die ebenfalls zweimal täglich anzuwenden sind, verringern die Kammerwasserproduktion durch eine Verminderung der Aktivität des maßgeblich daran beteiligten Enzyms Carboanhydrase. Zunächst war nur Acetazolamid zur systemischen Anwendung verfügbar, später wurden lokal anwendbare Wirkstoffe (Dorzolamid, Brinzolamid) entwickelt. Wegen möglicher Elektrolytverschiebungen bzw. Störungen des Säure-Base-Haushalts sind die Substanzen bei schwerer Nierenfunktionsstörung kontraindiziert. 

Parasympathomimetika-- Sie verengen die Pupille (Miosis), erweitern dadurch den Kammerwinkel und erleichtern so den Abfluss des Kammerwassers. Unangenehme Nebenwirkung: Durch die Verengung der Pupille können Akkommodation und Sehvermögen deutlich eingeschränkt werden. Vorsicht ist zudem geboten bei Patienten mit Herzinsuffizienz, Asthma, Magenulzera und Hyperthyreose. Die noch im Handel befindliche Substanz Pilocarpin muss bis zu viermal täglich getropft werden. Cholinergika werden fast nur noch beim Engwinkelglaukom eingesetzt. 

Prostaglandin-Derivate-- Diese Antiglaukomatosa sind Analoga des Prostaglandins F2a mit hoher Affinität zum Prostaglandin-FP-Rezeptor (z.  B. Latanoprost, Travoprost, Bimatoprost, Tafluprost). Ausnahme: Bimatoprost interagiert im Gegensatz zu den anderen Substanzen aufgrund seiner Amid- struktur nicht mit Prostaglandin-, sondern mit Prostamid-Rezeptoren, die an der Regulation des Augeninnendrucks beteiligt sind. Alle Substanzen wirken sehr effektiv, denn sie verbessern sowohl den trabekulären als auch den uveoskleralen (druckunabhängigen) Abfluss des Kammerwassers. Zudem können sie die Compliance unterstützen, da sie nur einmal täglich verabreicht werden müssen. Wichtiger Hinweis für Patienten: Unter Prostaglandin-Derivaten kann sich die Irisfarbe dauerhaft verändern, da sie die Zahl der pigmenthaltigen Granula in der Regenbogenhaut erhöhen. 

Sympathomimetika-- Sie verbessern über Beta-2-Rezeptoren den Abfluss bzw. verringern über Alpha-2-Rezeptoren die Kammerwasserproduktion. Man unterscheidet dabei den nicht selektiven Wirkstoff Dipivefrin (in Deutschland nicht auf dem Markt) und die selektiven Alpha-2-Agonisten Apraclonidin, Clonidin und Brimonidin. Kontraindikationen sind beispielsweise eine bestehende Behandlung mit MAO-Hemmern, systemischen Sympathomimetika und trizyklischen Antidepressiva. Die Substanzen sollten zudem nicht bei bestehenden schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen angewandt werden.

Kombinationstherapie-- Wenn mit einem Wirkstoff keine zufriedenstellende Augeninnendrucksenkung (Reduktion um 20 Prozent, jedoch minimal auf 20 mmHg) erreicht werden kann, wird meist ein alternativer Wirkstoff eingesetzt. Im nächsten Schritt kombiniert man zwei Wirkstoffe. Um die Applikationshäufigkeit gering zu halten, sind zahlreiche Kombinationspräparate (häufig mit dem Betablocker Timolol) auf dem Markt.

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Für die Versorgung der Netzhaut und der Makula, dem Bereich des schärfsten Sehens, sowie die Entsorgung von Stoffwechselendprodukten ist das retinale Pigmentepithel verantwortlich. Mit zunehmendem Alter – etwa ab dem 65. Lebensjahr – sowie bedingt durch genetische Faktoren und/oder Lebensgewohnheiten (z. B. Rauchen, Ernährung) treten Veränderungen auf, die diese Stoffwechselprozesse beeinträchtigen. Dazu zählen unter anderem körnerartige gelbliche Ablagerungen (Drusen) unter der Netzhaut.

Formen-- Bei der häufigeren trockenen Form (ca. 80 Prozent) ist der Abtransport von Stoffwechselendprodukten gestört. Die Drusen, die sich unter der Retina bilden, führen nach und nach zum Untergang von Sinnes- und anderen Zellen in der Netzhaut und so zur allmählichen Verminderung der Sehleistung. Bei zehn bis 15 Prozent der Betroffenen geht die trockene AMD in eine feuchte Form über, für die eine unkontrollierte Bildung von Blutgefäßen (Neovaskularisation) in der Netzhaut typisch ist. Da diese sehr instabil sind, treten Flüssigkeit und Blutzellen in das Gewebe über, es entwickelt sich ein Makulaödem. Diese Form schreitet im Gegensatz zur trockenen AMD deutlich schneller voran. 

Prophylaxe und Therapie-- Bei der trockenen Form der AMD hofft man, durch Nahrungsergänzung mit antioxidativ wirkenden Vitamine (C und E), Mineralien (Zink, Kupfer), Omega-3-Fettsäuren sowie durch Lutein und Zeaxanthin, die Bestandteile des Makulapigments sind, Zellschäden entgegenwirken zu können. Die beiden Studien ARED-1 und -2 (Age-Related Eye Disease Study), in denen dazu umfangreiche Untersuchungen durchgeführt wurden, zeigten jedoch keine überzeugenden Ergebnisse. Nur Subgruppen mit intermediärer und fortgeschrittener/später AMD profitierten darin von unterschiedlich zusammengesetzten Nahrungsergänzungsmitteln mit den genannten Stoffen.

In einer Stellungnahme hat die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) basierend auf den aktuellen Erkenntnissen folgende Empfehlungen gegeben:

  • AMD-Patienten mit morphologischen Veränderungen der AREDS Kategorien 3 und 4 (u.  a. eine große Druse > 125 μm und/oder eine geographische Atrophie) können von der Einnahme einer Kombination von NEM mit 500 mg Vitamin C, 400 IE Vitamin E, 80mg Zink, 2 mg Kupfer, 15 mg Betacarotin hinsichtlich einer Verzögerung der Krankheitsprogression, das heißt dem Übergang in eine AMD-Spätform, profitieren. Studiendaten sprechen dafür, dass Betacarotin durch Lutein 10 mg/Zeaxanthin 2 mg ersetzt und die Zinkdosis auf 25 mg reduziert werden sollten.
  • Patienten mit einer beidseitigen späten trockenen AMD kann die Einnahme von NEM nicht empfohlen werden, denn dies wird bisher nicht durch aussagekräftige Untersuchungen gestützt.
  • Raucher und ehemalige Raucher sollten wegen der Gefahr von Lungentumoren generell keine betacarotinhaltigen Präparate einnehmen (stattdessen Lutein und Zeaxanthin).
  • Es existiert aktuell kein Nachweis, dass die prophylaktische Einnahme von NEM in der allgemeinen Bevölkerung das Risiko reduziert, dass eine AMD entsteht. Als allgemeine Empfehlung wird auf eine ausgewogene Ernährung nach den DGE-Kriterien verwiesen.
  • Präparate, die sowohl die ARED1- als auch die ARED2-Studienergebnisse berücksichtigen, sind bereits im Handel.

Applikationstipps für mehr Effektivität und Sicherheit

Hilfsmittel-- Älteren oder motorisch eingeschränkten Patienten kann das Öffnen von Augentropfenfläschchen oder Augensalbentuben erhebliche Probleme bereiten. In der Apotheke sollte diesen Personen die Erstöffnung bzw. das Lösen der Versiegelung angeboten werden. Außerdem sind Applikationshilfen (z. B. AutoSqueeze®, Autodrop®) im Handel, wenn die Handkraft zum Zusammendrücken einer Produktverpackung nicht ausreicht. Beim Entleeren von Einzeldosisbehältern kann darüber hinaus eine Wimpernzange hilfreich sein.

Kanthale Applikation-- Das Eintropfen eines Produkts in das weit geöffnete Auge bereitet manchmal Schwierigkeiten, z. B. bei Kindern oder stark pflegebedürftigen Personen. Eine Alternative ist die kanthale Applikation, bei der die Tropfen im Liegen in den inneren Lidwinkel des geschlossenen oder halbgeöffneten Auges verabreicht werden. Beim anschließenden Öffnen des Auges gelangt der Tropfen auf die Augenoberfläche.

Senkrecht halten-- Augentropfen-Fläschchen müssen in jedem Fall senkrecht gehalten werden, da sonst das Tropfenvolumen nicht korrekt ist.

Systemische Effekte vermeiden-- Sowohl über die Bindehaut als auch die Nasenschleimhaut wird ein Teil der verabreichten Arzneistoffdosis resorbiert, wodurch systemische Nebenwirkungen möglich sind. Sie lassen sich reduzieren, wenn nach dem Eintropfen für ca. zwei bis drei Minuten ein Druck auf den Nasenknochen im Bereich des inneren Lidwinkels ausgeübt und dadurch die Resorption über die Nasenschleimhaut reduziert wird. Außerdem sollte immer nur ein Tropfen appliziert und sollten die Augen nach der Applikation geschlossen werden.

Pause-- Soll ein Patient zwei oder mehr Ophthalmika am selben Auge anwenden, muss er auf einen Abstand von mindestens zehn bis 15 Minuten achten.

Moderne Therapeutika

Für die feuchte Form existieren zurzeit bessere Behandlungsmöglichkeiten als für die trockene. Durch den Einsatz von Angiogenesehemmern, die den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) blockieren, kann das Fortschreiten der Erkrankung aufgehalten werden. Als erster VEGF-Inhibitor wurde das pegylierte Oligonukleotid Pegaptanib eingeführt, mittlerweile jedoch in Deutschland wieder vom Markt genommen. Derzeit werden die VEGF-Inhibitoren Ranibizumab und – allerdings off label für diese Indikation – Bevacizumab sowie seit 2012 der VEGF-Inhibitor Aflibercept, ein rekombinantes Fusionsprotein, zur Behandlung der feuchten AMD eingesetzt. Anti-VEGF-Substanzen werden im Abstand von vier bis sechs Wochen direkt in den Augapfel appliziert (intravitreale Injektion, s. Kasten). Ebenfalls zugelassen, jedoch von untergeordneter Bedeutung, ist die photodynamische Therapie mit Verteporfin.

Entwicklungen-- Einige interessante Neuentwicklungen befinden sich derzeit in der präklinischen bzw. klinischen Prüfung. Dazu zählen Implantate, wie sie bereits für Glaukome (s. Kasten) verfügbar sind. In der präklinischen Phase wird auch das zyklische Peptid Vasotide ™ getestet. Es hemmt die Bindung von VEGF an dessen Rezeptoren und kann dadurch eine erhöhte Angiogenese bremsen. Der besondere Vorteil: Es könnte in Form von Augentropfen verabreicht werden. In der klinischen Prüfung bei fortgeschrittener AMD befindet sich auch die Komplement-Inhibition mit Lampalizumab als erstem Antikörper gegen den Komplementfaktor D.

Zur Wirkungsverstärkung der Anti-VEGF-Substanzen könnten in naher Zukunft möglicherweise zudem PDGF (platelet-derived growth factor)-Inhibitoren eingesetzt werden, die ebenfalls die Neovaskularisierung hemmen sollen. Getestet wird derzeit Fovista ™ (Anti PDGF-B pegylierter Aptamer) in Kombination mit Ranibizumab.

Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie (DR) betrifft fast alle Diabetiker im Laufe ihres Lebens. Sie kann jedoch bei guter Blutzuckerkontrolle (HbA1c-Wert <7), gut eingestelltem Blutdruck (<130/80 mmHg) und durch Vermeiden einer Hyperlipidämie herausgezögert werden.

Formen-- Bei der nicht proliferativen Form der DR kommt es zu Aussackungen und Brüchen in den Wänden der Netzhautkapillaren und in der Folge zu Blutungen und Kapillarverschlüssen. Bei der proliferativen DR tritt infolge der Ischämie eine Neovaskularisierung auf. Durch diese Prozesse kann es zu Netzhautablösungen, Makulaödemen, Glaukom und schließlich zur Erblindung und Schrumpfung des Auges kommen. 

Therapie-- Zur medikamentösen Behandlung des diabetischen Makula- ödems sind die Anti-VEGF-Wirkstoffe Ranibizumab und Aflibercept zugelassen. Außerdem kann die Laserkoagulation eingesetzt werden, um die Blutungen zu stoppen.

Katarakt (Grauer Star)

Beim Grauen Star handelt es sich um eine Trübung der Augenlinse, die in den meisten Fällen altersbedingt ist und um das 60. Lebensjahr auftritt. Typische Symptome sind „Sehen wie durch eine Milchglasscheibe“ und eine hohe Blendungsempfindlichkeit. Der Graue Star wird in den meisten Fällen ambulant operativ behandelt, wobei die Augenlinse in einem kleinen Eingriff durch eine Kunstlinse ersetzt wird.

Amsler-Gitter-Test

Der Amsler-Gitter-Test dient als Selbsttest bei Verdacht auf AMD. Dazu wird das karierte Testpapier in einem Abstand von etwa 30 Zentimetern betrachtet. Mit der Hand oder einer Augenklappe bedeckt man ein Auge und blickt mit dem anderen auf den schwarzen Punkt in der Mitte des Gitters. Anschließend wird der Vorgang mit dem anderen Auge durchgeführt. Wenn die Linien um den schwarzen Punkt verzerrt, verschwommen oder gewellt erscheinen, sollte unbedingt kurzfristig ein Augenarzt aufgesucht werden.

Arzneimittel-Effekte am Auge

Auch einige systemische Dauermedikamente können unerwünschte Nebeneffekte am Auge hervorrufen. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind notwendig, auch wenn die Patienten keine Symptome verspüren. In der Apotheke sollte darauf bei Abgabe entsprechender Medikamente hingewiesen werden. Typische Interaktionen und unerwünschte Effekte treten zum Beispiel auf durch:

  • Amiodaron: Das Antiarrhythmikum wird in die Tränenflüssigkeit ausgeschieden und kann sich im Hornhautepithel ablagern (Cornea verticillata). Dies kann Sehstörungen (u.a. „Verschwommensehen“ oder Farbhöfe) zur Folge haben. Die Ablagerungen bilden sich sechs bis zwölf Monate nach Absetzen zurück.
  • Ethambutol: Das Tuberkulostatikum kann feine Pigmentveränderungen der Netzhaut sowie dosisabhängig eine Optikusneuropathie hervorrufen. Daher sind augenärztliche Kontrollen vor Therapiebeginn sowie in vierwöchigen Abständen während der Gesamtdauer der Therapie erforderlich.
  • Glukokortikoide: Bei systemischer wie auch lokaler Anwendung können Glukokortikoide den Augeninnendruck erhöhen und zur Linsentrübung führen. Diese Erhöhung ist nicht klinisch relevant, wenn sie unter zwei mmHg liegt. Es sind aber auch Erhöhungen bis zu zehn mmHg möglich.
  • Hydroxychloroquin: Verschiedene Nebenwirkungen an den Augen sind unter diesem Malariamittel bekannt; sie richten sie nach der Dosis und der Behandlungsdauer. Häufig kommt es zum Verschwommensehen, auch Cornea verticillata und Retinopathien sind möglich.
  • Insulin: Werden Diabetiker neu auf Insulin eingestellt, kann dies Sehstörungen zur Folge haben. Vor der Neueinstellung bestehende hohe Blutzuckerspiegel können durch die wasserbindenden Eigenschaften von Glukose zur Verdickung der Linse geführt haben. Normalisieren sich die Blutzuckerwerte unter Insulin, schwillt die Linse etwas ab, und ihre Brechungseigenschaften verändern sich.
  • Tamsulosin: Das Prostatatherapeutikum kann die Pupillenmuskulatur verändern, sodass vor allem während Katarakt- und Glaukomoperationen das Komplikationsrisiko steigt (intra-operativ Floppy Iris Syndrome). Ein Absetzen vor einer entsprechenden Operation wird empfohlen.
  • Vigabatrin: Bei dem Antiepileptikum werden Gesichtsfeldeinschränkungen mit hoher Prävalenz, d.h. bei etwa einem Drittel der Patienten, beobachtet. Sie sind irreversibel und treten meist erst mehrere Monate oder Jahre nach Behandlungsbeginn auf.

Beratung zu Ophthalmika

Nebenwirkungen

Bei Ophthalmika werden aufgrund der geringen Aufnahmekapazitäten am Applikationsort weniger als fünf Prozent einer Dosis okular resorbiert. Der übrige Teil gelangt nach Verschlucken über den Gastrointestinaltrakt bzw. – unter Umgehung des enterohepatischen Kreislaufs – über die Nasen- und Rachenschleimhaut direkt in den systemischen Kreislauf. Daher sind bei einigen Wirkstoffen systemische Nebenwirkungen von Bedeutung, z. B. bei:

  • Betablockern: Blutdruckerhöhung
  • Alpha-2-Agonisten: Kopfschmerzen, Müdigkeit
  • Carboanhydrasehemmern: bitterer, metallischer Geschmack
  • Mydriatika: anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Harnretention, Bewusstseinsstörungen

Korrespondierende Autorin: Dr. Claudia Bruhn,Apothekerin und Medizinjournalistin, RandowtalKontakt: clbruhn@web.de


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