15.12.2016

Update Migräne

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Anfallartiger Kopfschmerz, begleitet von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen – hier liegt der Verdacht auf Migräne nahe. Früher als Symptom überspannter Menschen abgestempelt, weiß man heute viel mehr über die Besonderheiten dieser Kopfschmerzform und den Leidensdruck der Betroffenen. Die Jahresprävalenz der Migräne liegt in Deutschland immerhin bei circa zehn Prozent (15 Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer). Bei Kindern und Menschen, die über 50 Jahre alt sind, ist diese Prävalenz zwischen den Geschlechtern mit fünf Prozent ausgeglichen. Welche Möglichkeiten der Therapie es heute gibt und was dabei auch bei der Beratung in der Apotheke wichtig ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Bei Migräne kommt es attackenweise zu heftigen, häufig einseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen, die bei körperlicher Betätigung an Intensität zunehmen. Die einzelnen Attacken sind begleitet von Appetitlosigkeit (fast immer), Übelkeit (80 Prozent), Erbrechen (40 bis 50 Prozent) und Überempfindlichkeit gegenüber Licht (60 Prozent), Lärm (50 Prozent) und bestimmten Gerüchen (zehn Prozent). Die Dauer der Attacken beträgt unbehandelt zwischen vier und 72 Stunden. Bei Kindern können die Attacken auch kürzer sein.

Sorgfältige Diagnostik nötig

Die Diagnose einer Migräne wird ausschließlich über die Kriterien der ICHD-3 gestellt. Das Prinzip dieser Kriterien ist eine Erfassung der typischen Symptome der Migräne sowie zusätzlich über eine unauffällige körperliche Untersuchung und beinhaltet immer auch den Ausschluss von symptomatischen Kopfschmerzen.

Es werden zudem verschiedene Subtypen der Migräne unterschieden. Am wichtigsten sind die Migräne ohne Aura und die Migräne mit typischer Aura (z.B. wachsendes Flimmerskotom, sich ausbreitende Kribbelparästhesien oder Aphasie). Ein Patient mit Kopfschmerzen, der erstmalig einer spezifischen Diagnostik unterzogen wird, sollte daher entsprechend der aktuellen Leitlinie „Diagnostik und apparative Zusatzuntersuchungen bei Kopfschmerzen“ folgendes Prozedere durchlaufen:

Anamnese

  • Kopfschmerzsemiologie
  • Begleitsymptome Zeitmuster (Lebensalter bei Beginn der Kopfschmerzen, Dauer der unbehandelten Attacken, Frequenz pro Monat)
  • Begleiterkrankungen, Medikamente

Körperliche Untersuchung

  • allgemeinmedizinischer Befund und
  • neurologischer Befund

Apparative Diagnostik

Wenn die Kriterien einer Migräne ohne Aura oder einer Migräne mit typischer Aura erfüllt sind, ist keine weitere Diagnostik notwendig. Etwas anderes sind jedoch Kopfschmerzen mit ungewöhnlicher Klinik oder Kopfschmerzen mit persistierenden neurologischen oder psychopathologischen Auffälligkeiten. In folgenden Fällen besteht dann die Indikation für eine apparative Diagnostik:

MRT: wenn das Zeitmuster untypisch ist; bei Erstmanifestation jenseits des 40. Lebensjahres; wenn die körperliche Untersuchung auffällig ist; wenn die Aura untypisch oder hemiplegisch ist.

CCT und/oder Lumbalpunktion: nur wenn der akute Verdacht auf eine Subarachnoidalblutung besteht.

EEG: nur wenn ein Verdacht auf epileptische Anfälle als Ursache auraähnlicher Symptome besteht oder wenn die Migräneattacke mit epileptischen Anfällen einhergeht.

Ultraschalluntersuchung (der hirnversorgenden Gefäße oder Angiografie): nur wenn der Verdacht auf ein Aneurysma oder eine Dissektion besteht.

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