28.04.2017 - Zum Themenspecial: Best Practice

Best Practice: Die BerlinApotheke

© Christian Morgenstern

von Gabi Kannamüller

Wer seine Apotheke als Marke etablieren will, muss ihr ein unverwechselbares Profil geben. Mehr noch, er muss eine Corporate Identity entwickeln. Wie dies aussehen kann, zeigt das Beispiel der BerlinApotheke: Die Hauptapotheke mit drei Filialen sowie drei Partnerapotheken eint ein Konzept, das sie unverwechselbar macht – wie die Stadt, die die Apotheke im Namen trägt.

Berlin Friedrichstraße, Ecke Oranienburger: Die BerlinApo-theke am Oranienburger Tor liegt an einer der bekanntesten Straßenkreuzungen im ehemaligen Ostteil der Stadt. Unablässig rollt der Verkehr, Passanten eilen zu U-Bahn oder Straßenbahn, Touristen bummeln Richtung Scheunenviertel und Synagoge. Als Manfred Schneider sich 1994 um die an dieser Stelle geplante Apotheke bewarb, galt die Oranienburger Straße bereits als Magnet für Nachtschwärmer – das angrenzende Viertel aber war noch arg renovierungsbedürftig. Schneider hat sich gegen die knapp 40 Bewerber durchgesetzt, erhielt vom Bauträger den Zuschlag und startete seine BerlinApotheke mit viel Elan – und drei Mitarbeitern.

Heute führt er zusammen mit Anike Oleski, ebenfalls Apothekerin, die BerlinApotheke oHG. Zu ihr gehören neben der BerlinApotheke Oranienburger Tor drei Filialen, davon zwei – BerlinApotheke an der Charité und BerlinApotheke Hackescher Markt – im Bezirk Mitte, sowie die BerlinApotheke Pankow. Dazu kommen die drei Partnerapotheken BerlinApotheke am Roten Rathaus, BerlinApotheke Friedrichshain und BerlinApotheke Spandau.

Bausteine zur Corporate Identity

Auch wenn dieser Apothekenverbund 1994 noch nicht vorhersehbar war: Wohin die Reise ging, zeichnete sich schon damals ab. Kundenorientierung, die Konzentration auf pharmazeutisches Wissen und Beratungskompetenz waren in der BerlinApotheke von Anbeginn selbstverständlich, wie Anike Oleski erzählt. Und als der erste HIV-Kunde in der Apotheke stand und um Beratung bat, ging Manfred Schneider das damals ebenso neue wie brandaktuelle Thema HIV mit Verve an, informierte sich ausführlich über die Erkrankung Aids – und über das Bedürfnis der Erkrankten. Mit seinem Wissen und seiner Beratung machte er sich rasch einen Namen, und zog Kunden an, die nicht nur aus Berlin kamen sondern auch von jenseits der Stadtgrenze.

Partner für Schwerkranke

HIV-Infektionen sind nach wie vor ein wichtiger Beratungsschwerpunkt der Apotheke. Und sie haben, so scheint es, deren Angebotstableau geprägt: Die BerlinApotheke sieht sich als Versorgungspartner für Patienten mit chronischen, schweren und seltenen Erkrankungen – u.a. Multiple Sklerose, Parkinson oder Amyotrophe Lateralsklerose. Zytostatikaherstellung war Manfred Schneider bereits in den Anfangsjahren wichtig; 2009 wurde die Zytostatika-Abteilung in einen eigenen Herstellungsbetrieb ausgegliedert.

Dieser klar definierte Schwerpunkt ist jedoch nur einer von vielen Bausteinen zur Corporate Identity. Dazu gehören auch ein durchdachtes Corporate Design und ein schlüssiges Marketingkonzept – mit z.B. einer ausgefeilten Aktionsplanung für die BerlinApotheke, eigens erarbeiteten Informationsbroschüren zu einer Reihe wichtiger Beratungsthemen oder eine saisongemäß bestückte virtuelle Sichtwahl. Dazu gehört Qualitätssicherung – bereits im Jahr 2003 erhielt die BerlinApotheke als erste Apotheke Berlins die QMS-Zertifizierung, 2007 wurden alle Standorte als erster Apothekenverbund Deutschlands zertifiziert –, dazu gehört aber auch professionelle Kommunikation.

Unternehmenskultur-- Hierzu hat sich die BerlinApotheke eine eigene Expertin ins Team geholt. Selina Schmidt, gelernte Kommunikations- und Medienmanagerin, kümmert sich um die externe wie die interne Kommunikation. In ihren Aufgabenbereich fallen nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit für die Apotheke, sondern auch die Konzeptionen von Kommunikationsmaßnahmen sowie die Gestaltung von Marketingmaterialien. Dazu gehören auch Aufgaben, wie sie im Hinblick auf das Thema „Unternehmenskultur“ wichtig sind – etwa ein interner Newsletter. Denn Corporate Identity verlangt eine Unternehmenskultur, die sowohl nach außen wie auch nach innen gelebt wird.

Fangen wir innen an: In einer Apotheke müsse es „persönlich passen“, sagt Anike Oleski, dann sei es möglich, erfolgreich und mit Freude zu arbeiten. Als sie im Jahr 2005 zur BerlinApotheke kam, gab es dort 25 Mitarbeiter, und es standen gerade die ersten Filialgründungen an. Die junge Apothekerin arbeitete zunächst einige Jahre als Filialleiterin, seit dem Jahr 2012 ist sie Mitinhaberin der damals neu firmierten BerlinApotheke Schneider & Oleski oHG mit heute 130 Mitarbeitern.


Eine Frage der Chemie

Auch und gerade bei so einem großen Team sei es wichtig, dass „der Spirit“ stimme, ist Anike Oleski überzeugt. Dementsprechend sind die Mitarbeiter, ist die Personalführung ein wesentlicher Teil des Konzepts. „Wir stellen Leute ein, die zu uns passen“, sagt die Apothekerin. Das tut den Mitarbeitern gut – sie können und sollen individuelle Talente und Kompetenzen einbringen und ausleben – und dem Unternehmen. So war es beispielsweise selbstverständlich, dass man im Jahr 2006, als eine neue Markenentwicklung anstand, auch die Mitarbeiter einbezog. Was sie sich wünschen wurden sie gefragt – und auch, was sie bereit sind zu geben. Die Ergebnisse seien maßgeblich in das Apothekenkonzept eingeflossen, so Anike Oleski und würden auch heute noch nachwirken.

Teambuilding-- In der Praxis bedeutet dies: Fort- und Weiterbildung werden groß geschrieben – und vom Team mit Freuden angenommen. Teambildende Maßnahmen – etwa gemeinsame Unternehmungen, aber auch das gemeinsame Konzipieren von Projekten – sind selbstverständlich. Grundsätzlich kann jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten einbringen, seinen Platz im Unternehmen finden – und ausfüllen.

Hier kommt Anja Paape ins Spiel. Die Apothekerin ist als Apothekenmanagerin die Schnittstelle zwischen den vier Standorten. Als sie vor vier Jahren zum Unternehmen kam habe es sie besonders beeindruckt, dass es „immer nach vorne ging“. Anike Oleski bestätigt: „Das Rad steht nie still“. Mit Fachwissen und Kreativität sei man immer auf der Suche nach neuen Ideen, die den USP der BerlinApotheke stärken.

Charity-- Eine Herzensangelegenheit ist den Apothekenleitern das soziale Engagement. Und auch hier gilt: Die Sponsoringmaßnahmen sollen zur Apotheke passen. Sie werden sorgfältig ausgewählt, die Bandbreite ist groß. Vor allem Kinder profitieren davon, ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich Gesundheit. Auch hier bringen sich die Apothekenmitarbeiter ein, etwa bei einer groß angelegten Charity-Aktion auf der onkologischen Station der Charité zu Weihnachten 2016.

PTA des Jahres 2016

Ein Interview mit Sebastian Giemsch, dem Gewinner des Wettbewerbs "PTA des Jahres 2016", finden Sie hier.

Ausgezeichnete Qualität

Bei so viel unternehmerischer Dynamik bleibt es nicht aus, dass man auch jenseits der pharmazeutischen Branche auf die Apotheke aufmerksam wird. Erst im Februar wurde die Berlin Apotheke bei dem Wettbewerb „Beste Arbeitgeber in Berlin-Brandenburg 2017“ mit dem dritten Preis als einer der besten Arbeitgeber ausgezeichnet und erhielt darüber hinaus den Sonderpreis „Ausbildung“. Auch bei dem Wettbewerb „Deutschlands Beste Arbeitgeber 2017“ bekam die BerlinApotheke eine Auszeichnung.

Im vergangenen Jahr wiederum wurde einer der Mitarbeiter, Sebastian Giemsch, bester PTA des Jahres 2016 (den Wettbewerb veranstaltet Pharma Privat, Medienpartner ist DAS PTA MAGAZIN, das wie APOTHEKE + MARKETING im Verlag Springer Medizin erscheint, verliehen wird der Preis auf der Expopharm). Dass dieser Titel erstmals an einen Mann ging – auch dies passt zum Auftritt der BerlinApotheke.


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Das PTA Magazin

DAS PTA MAGAZIN wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei die Zeitschrift insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis der Pharmazeutisch-Technischen Assistentin eingeht.

www.das-pta-magazin.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.